14.03.2016, 12:01 Uhr | 0 |

Ex-Mitarbeiter klagt Abgasskandal: VW hat angeblich Beweismittel vernichtet

VW soll in den USA Beweismittel vernichtet haben, nachdem die US-Umweltbehörde EPA die Manipulationen am 18. September 2015 bekannt gemacht hat. Das behauptet ein Ex-Mitarbeiter, der jetzt gegen seine Entlassung klagt. Die US-Behörden hatten VW ausdrücklich aufgefordert, Löschungen zu unterlassen.

Diagnose-PC überprüft einen VW Passat
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Diagnose-PC überprüft einen VW Passat: VW soll in den USA Beweismittel vernichtet und einen Angestellten vor die Tür gesetzt haben, der dies verhindern wollte.

Foto: Marius Becker/dpa

VW rast im Slalom des Abgasskandals ein Hütchen nach dem nächsten um. Neuester Vorwurf: Der Konzern soll in den USA nach Enthüllung des Skandals im September 2015 Beweismittel vernichtet haben. Das berichten NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung. Sie berufen sich dabei auf die Klageschrift eines Ex-Mitarbeiters, der derzeit gegen seine Entlassung klagt.

Vorwurf: Mitarbeiter weigert sich Daten zu löschen und wird gefeuert

Warum klagt der Mitarbeiter? Weil er angeblich entlassen wurde, weil er im September 2015 zu verhindern versucht hat, dass das VW-Rechenzentrum in Michigan Daten löscht – gegen die Anweisung des US-Justizministeriums, alle routinemäßigen Datenlöschungen zu unterlassen.  

In der am vergangenen Montag eingereichten Klageschrift heißt es laut NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung, dass der IT-Chef der VW-Tochter am 18. September 2015, als der Skandal öffentlich wurde, die  Anweisung des US-Justizministeriums bewusst ignorierte, Datenlöschungen zu stoppen. Noch bis Anfang Oktober seien demnach Daten rechtswidrig gelöscht worden.

Der Mitarbeiter wurde Anfang Dezember entlassen, weil VW angeblich befürchtet hat, er könne im nächsten Schritt die US-Behörden über eine Behinderung der Justiz informieren. Gegen seine Entlassung klagt er nun.

VW hatte angeblich nicht genügend Speicherplatz

Und was sagt VW dazu? Wie schon bei den Enthüllungen zuvor sagt VW nichts. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu arbeitsrechtlichen Differenzen grundsätzlich nicht äußern", teilte der Konzern mit. Dabei geht es weniger um Arbeitsrecht, sondern die Tatsachenbehauptung, dass VW Daten gelöscht haben soll. Hier hätte ein Dementi gut getan.

Die Löschung von Daten hatte VW laut Klageschrift des Ex-Mitarbeiters mit dem Hinweis begründet, man hätte keinen ausreichenden Speicherplatz mehr gehabt. Das wäre schon dreist: Ein milliardenschwerer Konzern kann sich keine zusätzlichen Festplatten leisten?

Die IT-Abteilung der US-Tochter von VW habe darüber hinaus sogar verhindert, dass die vom Aufsichtsrat beauftragten internen Ermittler uneingeschränkten Zugang zu den Computersystemen bekommen hätten, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

VW spielte angeblich trotz Ermittlungen Schummel-Update auf

Schon letzte Woche musste sich VW gegen neue Vorwürfe von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung wehren. Demnach haben Techniker die Schummelsoftware, die den Betrug mit Abgaswerten bei Diesel-Pkw ermöglicht, noch Anfang 2015 verfeinert, um sie anschließend in US-Werkstätten aufspielen zu lassen.

„Im Rahmen des Updates wurde die Software so verfeinert, dass sie noch genauer erkennen kann, ob sie in einer Prüfsituation ist oder nicht“, sagte Thorsten Holz. Der Medienverbund hatte dem Professor für Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum die Software zur Prüfung vorgelegt. Zu diesem Zeitpunkt war im Unternehmen längst bekannt, dass die US-Behörden wegen Betrugsverdachts ermittelten.

Hier lesen Sie den Dieselskandal im Nachrichtenticker.

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Von Patrick Schroeder
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