02.12.2014, 16:11 Uhr | 0 |

Über den Fernpass Weltweit längste Tibet-Hängeseilbrücke in den Alpen für ganz Wagemutige

Durch den Boden kann man ins Tal sehen, durch die Seitengitter auch, und sie schwankt natürlich, Europas längste Hängebrücke, die sich jetzt bei Reutte über den Fernpass spannt. In 114 Metern Höhe spannt sie sich 406 Meter lang über das Tal. Ein Angsthase sollte man nicht sein.

Die neue Hängeseilbrücke highline179 von Reutte
Á

Was für eine Brücke: 406 Meter lang ist der Weg über das Tal des Fernpass, wenn man die neue Hochseilbrücke highline179 benutzt. Das ist aber nur was für Schwindelfreie, die auch ein Blick in 114 Meter Tiefe nicht schreckt.

Foto: highline179

Die highline179, so heißt die Tiroler Hängebrücke, ist nicht nur spektakulär, sie hat auch die Eintragung ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Sie ist jetzt offiziell die „längste Tibet Style Fußgängerhängebrücke“ der Welt, freut sich Martin Kathrein, technischer Bereichsleiter der Firma Strabag. Der österreichische Baukonzern hat die Brücke gebaut.

Aber auch ohne Rekordschild ist die vor einer guten Woche eingeweihte Hängeseilbrücke der kleinen Gemeinde Reutte eine Attraktion. Zwar verbindet die Brücke zwei Sehenswürdigkeiten miteinander, nämlich die beiden Wehranlagen der Ruine Ehrenberg und des Fort Claudia. Aber das wird angesichts der spektakulären Konstruktion fast zur Nebensache.

Die Brücke ist für maximal 500 Personen zugelassen

Nach nur sechseinhalb Monaten Bauzeit hat die 6000-Einwohner-Gemeinde Reutte in Tirol, nur knapp 30 Kilometer von der Zugspitze entfernt, eine echte Attraktion bekommen. Die eindrucksvolle highline179 spannt sich hoch über der namensgebenden B179 Fernpass Bundesstraße von der Burgruine Ehrenberg zum Fort Claudia. Seit dem 22. November dürfen sich Wagemutige zu Fuß hoch übers Tal wagen.

Die Gesamtlänge der Hängeseilbrücke nur für Fußgänger beträgt 406 Meter, die maximale Höhe 114 Meter. Rund 70 Tonnen schwer ist die Brücke, die komplett aus Stahl gefertigt ist. Vier Tragseile halten die Konstruktion und sind mit 16 Felsankern gesichert. Diese reichen bis zu 17 Meter tief in den Fels.

Sie müssen auch eine Menge halten. Nicht nur die 70 Tonnen Eigengewicht der Brücke. Sie sind so ausgelegt, dass die Brücke auch 125 Tonnen Schnee tragen kann. Und wenn sich die maximal 500 zulässigen Fußgänger auf der Brücke tummeln, dürfen noch einmal 37,5 Tonnen hinzukommen.

Die Gehbreite beträgt nur 1,20 Meter, gerade so viel, dass zwei Personen aneinander vorbeigehen können. Menschen mit Höhenangst, die beim Blick in die Tiefe durch die Gitterroste unter ihren Füßen zu Salzsäulen werden, sollten besser den Weg über festen Grund bevorzugen.

„Dank der dicken Tragseile fühlt sich die Brücke sehr solide an, auch wenn aufgrund der konstruktionsbedingten gefühlten Freiheit, für manche der Anblick der highline179 schon genug Abenteuer sein wird“, sagt Hermann Ruepp, der Obmann der Naturparkregion Reutte.

Die highline179 führt über den vielbefahrenen Fernpass

Dabei sollte die Brücke, als der Architekt Armin Walch vor 15 Jahren die Idee dazu hatte, eigentlich gar nicht so spektakulär werden. Von 250 Metern Länge war damals die Rede, aber nach etlichen Planänderungen wurden daraus schließlich die jetzigen 406 Meter. Es gebe zwar definitiv längere Hängeseilbrücken als die highline179, erklären die Verantwortlichen.

Aber Guinness hat für die unterschiedlichen Konstruktionen von Hängeseilbrücken verschiedene Kategorien eingeführt. Und so ist die highline179 doch noch die längste Brücke geworden, jedenfalls in der Kategorie der Hängeseilbrücken für Fußgänger im Tibet Style.

Aufmerksamkeit wird die neue Brücke so oder so haben. Die Fernpassstraße unter ihr ist eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Kempten, Füssen und Landeck und führt über den Reschenpass nach Italien. Besonders zur Skisaison ist die Straße voll mit Urlaubern, die es in die Wintersportgebiete zieht. Vielleicht wird der ein oder andere Autofahrer zukünftig eine Rast einlegen und den geschichtsträchtigen Wehranlagen mitsamt der highline179 einen Besuch abstatten.

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden