22.07.2014, 08:25 Uhr | 0 |

„Solarer Zehnkampf“ in Versailles Weltausstellung junger und nachhaltiger Architektur

Beim „Solar Decathlon“ wetteifern 20 Studententeams aus aller Welt darum, wer architektonisch und energietechnisch das beste Bauprojekt vorweisen kann. Beim diesjährigen „Solaren Zehnkampf“ waren auch städtebauliche Lösungen gefragt. Sieger wurde die Universität Rom, das Team aus Berlin landete auf dem vierten Platz.

Gebäudekonzept „Rhome for DenCity“
Á

Das Gebäudekonzept „Rhome for DenCity“ steht für ein flexibles Haus in Fertigbauweise mit 80 Quadratmetern Wohnfläche, das sich an unterschiedliche Anforderungen von Familien anpassen kann. Photovoltaik-Schirme in der Fassade liefern zugleich Energie und Schatten. 

Foto: Team Rhome/Lorenzo Procaccini

Es ist ein Wettkampf, der enorm viel Vorbereitung und Aufwand erfordert. Jedes Jahr zeigen 20 vorausgewählte Studententeams aus aller Welt ihre Lösungen zum nachhaltigen Bauen. Die Grundidee des „Solar Decathlon“, der abwechselnd in den USA und in einem europäischen Land stattfindet, ist einfach: Die Häuser im Wettbewerb dürfen ihren Energiebedarf nur über selbst produzierten Solarstrom decken.

Antworten auf drängende städtebauliche Probleme

Darüber hinaus hat der Wettkampf seinem Namen entsprechend zehn Disziplinen, die mit einem Punktesystem bewertet werden. Die Ästhetik der Architektur spielt hier ebenso eine Rolle wie die Gebäudetechnik, die thermische Behaglichkeit oder das Lichtkonzept. In der Kategorie „Home Entertainment“ soll jedes Team zwei Dinnerpartys und einen Kinoabend organisieren und dafür Mitglieder anderer Teams einladen, die dann das Event auch bewerten. Insgesamt sind 1000 Punkte zu vergeben. Beim diesjährigen europäischen „Solar Decathlon“ vor den Toren von Versailles, lagen die Ergebnisse der Studententeams so dicht beieinander wie noch nie. Zwischen dem Erstplatzierten, der Universität Rom und dem besten deutschen Team auf Platz vier lagen nur 17 Punkte.

Interessant war in diesem Jahr vor allem die Aufgabenstellung für die jungen Architektenteams. Nicht die Planung eines Einfamilienhauses, das unter den Klimabedingungen des Wettbewerbsstandortes ein Maximum an Solarenergie erzeugen sollte, war gefragt. Vielmehr bestand die Aufgabe darin, Antworten auf drängende städtebauliche Probleme zu finden, die in den jeweiligen Herkunftsländern der Hochschulteams eine Rolle spielen. In diesem Zusammenhang sollten sich die Studenten den allgemeinen globalen Herausforderungen in diesem Bereich, wie Verstädterung, Verdichtung und kostengünstigem, ressourcenschonenden Bauen widmen.

Reihenhaus mit beispielhafter solar-energetischer Sanierung

Das siegreiche italienische Team aus Rom löste die Aufgabe mit dem Gebäudekonzept „Rhome for DenCity“. Das flexible Haus in Fertigbauweise mit 80 Quadratmetern Wohnfläche kann sich an unterschiedliche Anforderungen von Familien anpassen. Flexible Photovoltaik-Schirme in der Fassade liefern Energie und Schatten zugleich. Ihr Gebäude haben die italienischen Studenten speziell für ein Sanierungsprojekt am Stadtrand von Rom entworfen.

Mit seinem Konzept „Philéas“ hat das französische Team aus Nantes den zweiten Platz belegt. Es ist ein Mix aus Wohnraum und Büros und soll einen frühmodernen Industriebau im Hafen von Nantes beleben. Zum zentralen Bestandteil des Gebäudes gehören Gewächshäuser auf dem Dach, in dem die Bewohner ihr eigenes Gemüse anpflanzen können. Für ihren Entwurf „Prêt-à-Loger“ haben die Studenten der technischen Universität in Delft das komplette Reihenhaus der Großeltern eines Teammitglieds rekonstruiert und beispielhaft eine solar-energetische Sanierung demonstriert. Dafür gab es den dritten Platz.

Neuer Wohnraum auf alten Berliner Mietshäusern

Genau wie einige andere Teams, hat auch die deutsche Gruppe aus Berlin eine Dachaufstockung für Bestandsbauten konzipiert. „Rooftop“ heißt das Konzept und ist auf der Grundlage des großen Bestandes an alten Berliner Mietshäusern entstanden. Sie seien Liebhaber des Altbau-Charmes, schreiben die Studenten auf der Internetseite von „Rootop“ und wollten deshalb neuen, innovativen Lebensraum in alten integrieren. „Unsere Idee ist es, auf bislang weitgehend nicht ausgebauten Dachstühlen der Berliner Mietshäuser Wohnraum zu schaffen, und gleichzeitig die Energiebilanz des gesamten Hauses darunter zu verbessern.

Dafür haben die Berliner Studenten ein zentrales „Core Module“ entwickelt. Dieses Herzstück des Dachaufbaus ist nicht nur Raumteiler, um den herum der Bewohner die Wohnfläche frei nach seinem Geschmack wählen kann. In ihm ist auch die gesamte Technik, die Küche und das Badezimmer integriert. „Die Vereinigung von allen wichtigen Funktionen in einem Herzstück ist eine sehr effiziente und innovative Lösung“, schreiben die Studenten. Anlieferung und Instandhaltung würden vereinfacht und die Energieverluste im Systemkreislauf minimiert. 

Anzeige
Von Gudrun von Schoenebeck
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden