10.05.2014, 08:00 Uhr | 0 |

Skywalk in Attendorn Tonnenweise Stahl und Beton hoch über den Baumwipfeln

Was haben Sidney, Chicago und Attendorn im Sauerland gemeinsam? Nicht viel, könnte man meinen. Eine herausragende Eigenschaft allerdings teilen sich diese drei Städte: Sie haben einen der „krassesten Skywalks der Welt“, so ein Online-Reisemagazin. Bis die neue Attraktion der Stadt Attendorn im Juli 2013 eröffnet werden konnte, waren viel Arbeit, Expertise und Material notwendig. 

Der Skywalk Biggeblick
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Der Skywalk Biggeblick: In 90 Metern Höhe bietet sich Besuchern ein spektakulärer Ausblick über den Biggesee. 

Foto: Metallbau Schrilz

Die Aussichtsplattform Biggeblick bietet Besuchern Ausblick über den fast neun Quadratkilometer großen Stausee im beschaulichen Kreis Olpe. Das findet auch anderweitig Anerkennung: Das Online-Tourismusmagazin Travelbook zählt die erst im Juli 2013 eröffnete Konstruktion aus Stahl und Beton hoch über dem Biggesee zu den 23 schwindelerregendsten Aussichtspunkten der Welt mit Gänsehaut-Faktor.

Der Zugang ist in unmittelbarer Nähe einer Hütte des sauerländischen Gebirgsvereins – und hier hatte der Architekt Mathias Großöhme auch die Idee zu dem spektakulären Objekt. Schnell ging die Planung los: Ein Statiker und ein Ingenieur feilten an den Plänen und nach Zustimmung des Rats der Stadt Attendorn war schnell der münsterländische Unternehmer Metallbau Günter Schrilz, Spezialist für Sonderanfertigungen, mit im Boot; dazu noch weitere Experten und Unternehmen aus der Umgebung.

Ein Gefühl von Freiheit

Die Pläne sahen schließlich eine runde Plattform vor, die über einen zehn Meter langen Steg über die Baumwipfel hinweg zu erreichen ist: Das soll ein Gefühl von Freiheit hervorrufen. Die runde Form, so die Überlegung, spiegelt dabei die Buchten des Biggesees wider und steht im Kontrast zum gradlinigen Biggedamm, der den Abschluss des Stausees bildet. Zudem soll die kreisrunde Plattform zu verschiedenen Perspektiven auf die Umgebung einladen. Auch von weither solle der Skywalk zu sehen sein und so ein attraktives Ziel für Wanderer darstellen, das sie ansporne, so die Planer.

Die Konstruktion, die anhand dieser Vorgaben maßgeblich in den Hallen von Metallbau Schrilz entstand, basiert auf einer runden Plattform aus verzinktem Stahl von acht Metern Durchmesser, zu der ein zehn Meter langer Steg aus demselben Material führt. Diese Plattform wird von einem Ring aus Cortenstahl umschlossen – das ist Stahl, dessen oberste Schicht aus Rost besteht. Nachts wird er von innen mit blauem LED-Licht beleuchtet.

In der Mitte der Plattform ist eine neun Meter lange Nadel so angebracht, dass sie aufrecht zu schweben scheint. Verstärkt wird dieser Effekt durch die Beleuchtung mit weißem Licht bei Dunkelheit. Der Strom für die Beleuchtung stammt von zehn Photovoltaik-Modulen. Die Geländer, die die Plattform begrenzen, bestehen aus Edelstahl. Bis zu 50 Menschen finden gleichzeitig Platz auf dem Bauwerk.

280 Meter Schweißnaht halten den Skywalk zusammen 

Die Materialliste für den Skywalk liest sich beeindruckend: Insgesamt elf Tonnen Stahl, dreieinhalb Tonnen Betonstahl und siebzig Kubikmeter Beton sind verbaut worden. Dazu kommen noch 182 Kilo Schweißdrähte für schlussendlich 280 Meter Schweißnaht, um das Ganze zusammenzuhalten. In acht Lagen, so Schlossermeister Schrilz, sei die Plattform im Hauptteil verschweißt worden. Nötig sei das, um trotz gerade einmal zweier Stützen und zweier Hauptträger eine sichere Stabilität der Konstruktion zu gewährleisten. Bereits im Vorfeld wurden wahre Materialschlachten geschlagen: Allein die Berechnung der Statik erstreckt sich über 580 Seiten.

Dass die Materialmenge so hoch ausgefallen ist, liegt nicht zuletzt an einer Verschiebung des Standorts um 6,5 Meter nach Beginn der Arbeiten. So geringfügig sich dies auch anhört, führte dieser Umstand doch aufgrund der veränderten Topographie und der anderen Bodenbeschaffenheit zu deutlich erhöhtem Aufwand.

Unter anderem wurde ein großer Teil der Berechnungen neu gemacht und der Steg verlängerte sich um zwei Meter. Außerdem mussten Torsionsrohre angebracht werden, um das Konstrukt ausreichend zu stützen. Dies brachte wiederum weitere Erfordernisse mit sich, sodass das Gesamtgewicht von ursprünglich sieben auf elf Tonnen stieg.

Biggeblick ist Magnet für den Tourismus

Dennoch war die Plattform nach sechs Monaten Bauzeit fertig – und nur 567 Tage nach dem Beschluss der Stadt Attendorn, den Bau zu wagen, wurde der Biggeblick am 3. Juli 2013 eingeweiht. Den Ausblick finden nicht nur die Macher des Reisemagazins Travelbook beeindruckend – auch Besucher aus nah und fern besuchen die Plattform gern. Dazu trägt sicherlich auch die Entscheidung der Stadt Attendorn bei, keinen Eintritt zu erheben. Die Kosten der Plattform von mehr als 350.000 Euro, die von der Stiftung der Sparkasse Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem und der Stadt Attendorn übernommen wurden, machen sich auf anderem Wege bezahlt: Einzelhändler und Gastronomen in der Stadt freuen sich über höhere Umsätze. 

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Von Judith Bexten
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