17.10.2013, 12:20 Uhr | 0 |

Gegenwind für Mehdorns Pläne Termin für Teileröffnung des Berliner Airports wankt

Die für Jahresende geplante Teileröffnung des Berliner Flughafens BER kann wohl nicht gehalten werden. Der Aufsichtsrat will noch einmal über die Teilöffnung beraten. Unterdessen liefern sich Flughafenchef Hartmut Mehdorn und sein Technik-Chef Horst Amann weiterhin unschöne Gefechte.

Hauptgebäudes des Flughafens Berlin Brandenburg
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Blick Mitte September auf das weiterhin geschlossene Hauptgebäude des Flughafens Berlin Brandenburg: Auch die für das Jahresende geplante Teileröffnung des Flughafens wackelt.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Wann der neue Großflughafen in Berlin-Schönefeld seinen Regelbetrieb aufnehmen kann, steht derzeit in den Sternen. Doch selbst die Pläne von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn, wenigstens Teile des Flughafens zum Jahresende in Betrieb zu nehmen, werden sich nach einem Bericht der Berliner Zeitung zerschlagen.

Kleiner Probebetrieb im Nordflügel geplant

Mehdorn hatte medienwirksam das Ziel genannt, zum Ende des Jahres im Nordflügel des Berliner Flughafens an acht Check-in-Schaltern täglich zwischen drei und zehn Flügen abzuwickeln. Germania und eventuell noch andere Airlines würden Flüge nach acht Destinationen anbieten. Das wäre immerhin ein positives Signal für den Pannen-Flughafen.

Zwar gibt es die meisten Probleme etwa mit dem Brandschutz, die das Hauptgebäude weiterhin lahm legen, nicht im Nordflügel des Flughafens. Im Nordpier, der die Billigflieger aufnehmen soll, könnten deshalb auf dem Niveau eines Regionalflughafens die Abläufe im kleinen Probebetrieb getestet werden.

Der Aufsichtsrat des Flughafens hatte dem Probebetrieb zwar im August zugestimmt, will sich nun aber offenbar vorbehalten, über den Testbetrieb erneut zu entscheiden, berichtet die Berliner Zeitung. Allerdings stehe das Thema für die Sitzung am 23. Oktober noch gar nicht auf der Tagesordnung.

Auch der für die Genehmigung zuständige Landrat Stephan Loge (SPD) ist vom Nutzen der Teileröffnung nicht überzeugt. Er hatte bereits im Sommer davon abgeraten und vor weiteren Verzögerungen für das Gesamtprojekt gewarnt. Jetzt zitiert die Berliner Zeitung eine Sprecherin des Landrates, dass Unterlagen für die Genehmigung fehlten. Die Kreisbehörde fordere ohnehin, dass der Nordflügel zunächst fertiggestellt werden soll, wie es die 2008 erteilte Baugenehmigung vorsieht.

Mehdorn und Amann machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe

Unterdessen liegt Mehdorn weiterhin mit seinem Technik-Chef Horst Amann im Clinch. In Briefen, die beide bereits im September an den Aufsichtsrat geschickt haben, hagelt es schwere Vorwürfe. Amann beklagt sich über Mehdorns „Aggressivität“, sieht „Pflichtverletzung und Missstände“. Mehdorn seinerseits behauptet, Amann setze alles daran, „das Unternehmen zu diskreditieren“ und hält dessen Vorgehensweise für „nicht mehr tragbar“.

Offenbar haben die beiden Manager entgegengesetzte Vorstellungen darüber, wie der Großflughafen endlich an den Start kommen kann. Amann, der zuvor im Management des Frankfurter Flughafens tätig war, hatte sich darüber beklagt, dass Mehdorn hervorragende Fachkräfte durch kostenintensive Berater ersetze. Die könnten aber keine Bauherrenfunktion übernehmen.

Weiter kritisierte er die „fehlende Bereitschaft des Herrn Dr. Mehdorn, sich mit fachlichen und sachlichen Notwendigkeiten unter Berücksichtigung qualifizierter Mindesterfordernisse auseinanderzusetzen“. Das führe zu einer „nicht mehr hinnehmbaren Lähmung der Aktivitäten im Projekt“.  

Mehdorn hatte hingegen auch öffentlich sein Unverständnis geäußert, dass das Jahr seit der Startverschiebung im Mai 2012 verschenkt worden sei. Unter der Leitung des Technik-Chefs seien lediglich die Probleme des Flughafens analysiert worden, aber die Bauarbeiten nicht vorangekommen. Mehdorn soll im Juni bei einem Gespräch mit dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Platzeck und dem Präsidialausschuss bereits die Ablösung Amanns gefordert haben.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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