03.01.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Chameleon Cabin Schwedischer Architekt bastelt Gartenlaube aus Papier

Nicht von Pappe? Doch! Ein schwedischer Architekt hat mit der Chameleon Cabin die Gartenlaube neu interpretiert. Das Besondere: Sie besteht komplett aus Papier. Mit dem Häuschen will der Erbauer zeigen, was in dem jahrhundertealten Werkstoff steckt.

Chameleon Cabin wiegt 114 Kilogramm
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Chameleon Cabin wiegt 114 Kilogramm. Stabilität gewinnt das Leichtgewicht durch eine Akkordeon-Falttechnik: Eine flache Seitenplatte wird mit einer zu Dreiecken gefalteten Außenschicht verstärkt.

Foto: Architekturbüro White

Papier kann so viel mehr sein als ein langsam aussterbendes Trägermaterial für Geschriebenes. Davon ist der schwedische Architekt Mattias Lind überzeugt. In seinen Augen ist Papier ein zukunftsfähiger Werkstoff – auch und vor allem in der heutigen digitalisierten Zeit: Nicht zuletzt die Entwicklung neuer Schneidwerkzeuge schaffe völlig neue Möglichkeiten, komplexe Architektur zu entwerfen, betont er.

Schwedische Gartenlaube aus 95 Pappmodulen

Um seine These zu stützen, baute er jetzt gemeinsam mit seinen Mitarbeitern und in Zusammenarbeit mit einer Druckerei die Chameleon Cabin, ein Häuschen von rund drei Metern Höhe und einer Grundfläche von 7,3 Quadratmetern als Neuinterpretation der friggebod – der typischen schwedischen Gartenlaube. Trotz der Anleihen an traditionelle schwedische Architektur ist die Laube in diesem Fall aber weder aus Holz noch rot, sondern komplett aus Papier. Der Bauherr nutzte zwei Millimeter dicke Wellpappe namens MiniWell für seine Konstruktion.

Das ganze Häuschen, das in Zukunft vor allem Ausstellungsstück auf Verpackungsmessen sein soll, besteht aus 95 zugeschnittenen und gefalteten Einzelteilen. Mittels Laschen und Schlitzen werden sie einfach ineinander gesteckt. Durch dieses System ist das Haus im Prinzip unendlich erweiterbar: Dafür müssen einfach weitere Elemente hinzugefügt werden. Das Giebeldach wird ebenfalls einfach aufgesteckt, und auch die Fensterrahmen in den Seitenöffnungen bestehen aus Pappe.

Das Leichtgewicht wird zum Hingucker

Das Material und die Bauweise lassen das Ganze in der Grundform gerade einmal 114 Kilogramm wiegen. Stabilität gewinnt das Leichtgewicht durch eine Akkordeon-Falttechnik: Eine flache Seitenplatte wird mit einer zu Dreiecken gefalteten Außenschicht verstärkt, die ebenfalls durch das Lasche-Schlitz-Prinzip befestigt wird. Diese Ziehharmonika-Struktur nutzten Lind und sein Team jedoch nicht nur als Stabilisierung. Sie verwendeten sie auch für einen optischen Effekt, der die kleine Papierlaube noch mehr zu einem Hingucker macht.

Die eine Außenseite der Dreiecke sowohl an den Seitenwänden als auch auf dem Dach ist weiß, die andere in schwarzer Marmor-Optik gehalten. Je nachdem, von welcher Seite man sich dem Häuschen nähert, erscheint es damit weiß, schwarz-marmoriert oder gestreift. Dass die jeweiligen Giebelseiten ebenfalls in der entsprechenden Farbe gehalten sind, verstärkt den Eindruck noch – spätestens jetzt erschließt sich, woher der Name Chameleon Cabin kommt. Die Idee, die hinter dieser Farbgebung steckt, liegt im alltäglichen Blick der Menschen auf Gebäude: Architektur, so Mattias Lind, werde in der Regel aus der Bewegung heraus wahrgenommen. Diesen Eindruck wollte er noch stärker deutlich machen.

Das gelbe Innere wirkt einladend

Das Innere des Papierhauses erstrahlt in einem warmen Gelb, das durch die Tür und die Fensteröffnungen leuchtet. Dadurch wirkt das Bauwerk einladend und freundlich. Wie sehr das Papphaus jedoch dieses ausgestrahlte Versprechen von Schutz und Geborgenheit einlösen kann, wird sich spätestens beim nächsten Regenschauer zeigen: Wetterfestigkeit gehörte nicht zu den vorrangigen Zielen des Bauherrn. Immerhin ist die Laube leicht und kompakt genug, um bei aufziehenden Wolken schnell unter ein festes Dach getragen zu werden.

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Von Judith Bexten
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