28.10.2013, 13:01 Uhr | 0 |

Razzia bei Meinhard von Gerkan Pannenflughafen BER: Sichergestellte Dokumente könnten Mitschuld des Architekten beweisen

Architekt von Gerkan kritisiert lautstark den Berliner Pannenflughafen. Schweigt sich aber über den eigenen Schuldanteil aus. Jetzt hat ihn eine Polizei-Razzia zur Herausgabe von Dokumenten gezwungen, von denen sich der BER-Untersuchungsausschuss neue Erkenntnisse erhofft. 

Absperrband im Terminal des neuen Flughafens Berlin Brandenburg.
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Immer wieder wird die Eröffnung des BER-Flughafens verschoben. Ob den Architekten Meinhard von Gerkan daran eine Mitschuld trifft, ist ungeklärt. Am Wochenende hat die Polizei bei einer Razzia in seinen Büros Dokumente sicher gestellt, von denen sich der BER-Untersuchungsausschuss neue Erkenntnisse erhofft. 

Foto: dpa-Zentralbild

BER-Architekt Meinhard von Gerkan machte vergangenen Freitag große Augen: Die Polizei klopfte mit einem Durchsuchungsbeschluss in der Hand an die Türen seiner Büros in Hamburg und Berlin. Auf der Suche nach einem verschollenen Gutachten, das eine Mitschuld des Architekturbüros gmp an den wiederholten Verschiebungen der Flughafeneröffnung belegen könnte.

Doch bevor es zur eigentlichen Durchsuchung kam, händigten die Mitarbeiter das Dokument aus. „Erneut“, beschwert sich von Gerkan. Denn man habe das Gutachten bereits im Februar 2013 vorgelegt. Stimmt nicht, entgegnet Martin Delius von der Piratenpartei, der den Durchsuchungsbeschluss im Namen des BER-Untersuchungsausschusses erwirkt hatte: „Nicht nur ließen die Architekten Fristen verstreichen, sie behaupteten sogar, dass es kein Originaldokument gebe. Das hat sich am letzten Freitag als Unwahrheit herausgestellt.“

Dass Delius einen Durchsuchungsbeschluss erwirkte, anstatt zum Telefon zu greifen, sei unverhältnismäßig und scheinbar allein politisch motiviert, nimmt von Gerkan auf der eigenen Homepage Stellung.

Man habe die Arbeit des BER-Untersuchungsausschusses immer unterstützt und werde dies auch zukünftig tun. Ein Anruf genüge. Dies sei vergangenen Freitag aus verfahrenstechnischen Gründen ausgeschlossen gewesen, erklärt Delius in einem Bericht von Spiegel.de.

Von Gerkan selbst kritisiert den Pannenflughafen in seinem Buch Blackbox BER

In einem Bericht des Deutschlandfunks nennt von Gerkan mehrere Gründe für das Desaster. Zum einen bestehe die Tendenz, aus Flughäfen Shoppingcenter machen zu wollen. So habe der Bauherr, nachdem das BER-Terminal bereits fertig geplant gewesen sei, plötzlich 1800 Quadratmeter mehr Fläche für Läden und Schnellimbisse verlangt, mit denen Flughäfen weltweit zunehmend mehr Geld verdienen. Die komplette Abflugebene habe neu geplant werden müssen, kritisiert der 78-Jährige: „Kein Konzept, nur unstillbares Verlangen. Die 487 Änderungen und Anordnungen sprechen jedenfalls unmissverständlich die Sprache des Wunsches.“ 

Protokolle und Zeitpläne wurden geschönt

Hauptschuldige an der Misere seien, so von Gerkan, die beiden dialogresistenten Geschäftsführer der Flughafengesellschaft gewesen, die mittlerweile entlassen sind. Den Aufsichtsrat und dessen Vorsitzenden Klaus Wowereit treffe dabei keine Schuld, das Gremium sei belogen worden: „Meine Mitarbeiter im Stab haben erfahren, dass interne Beratungsergebnisse, Protokolle und Zeitpläne geschönt wurden. Die Berichterstattung gegenüber dem Aufsichtsrat entsprach mithin nicht immer der Wahrheit, um es vorsichtig auszudrücken.“ 

Über seinen eigenen Anteil an der Pannenserie schweigt sich von Gerkan allerdings aus. Und genau darüber sollen die Dokumente Aufschluss geben.

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Von Patrick Schroeder
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