14.07.2014, 12:11 Uhr | 0 |

Kritik an zu großem Stadion Olympiastadion für 1,2 Milliarden Euro soll abspecken

Das Olympiastadion in Tokio soll lieber doch etwas kleiner und vor allem billiger werden, hat die japanische Regierung beschlossen. Stararchitektin Zaha Hadid nimmt’s sportlich und hat jetzt ihre geänderten Pläne vorgelegt. Allerdings wird das Olympiastadion weiterhin eine der teuersten Sportstätten der Welt. 

Entwurf des Olympiastadions in Tokio
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Entwurf des Olympiastadions in Tokio: Das Stadion, das einem futuristischen Fahrradhelm gleicht, wird in Tokio als zu groß kritisiert. Deshalb hat Architektin Zaha Hadid jetzt einen abgespeckten Entwurf erarbeitet.

Foto: Zaha Hadid

Gerade erst ist Deutschland Fußball-Weltmeister 2014 geworden im legendären Stadion Maracana in Rio de Janeiro, da rücken schon andere sportliche Großereignisse in den Fokus. Die britische, aus dem Irak stammende Stararchitektin Zaha Hadid hat jetzt ihren abgespeckten, aber immer noch spektakulären Entwurf für das neue Olympiastadion in Tokio für die 2020 in Japan stattfindenden Olympischen Sommerspiele vorgestellt.

Mit 1,2 Milliarden Euro eines der teuersten Stadien der Welt

Der überarbeitete Entwurf war notwendig geworden, weil die japanische Regierung das Budget für den Bau von ursprünglich 300 Milliarden Yen (derzeit rund 2,2 Milliarden Euro) auf 169 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Euro) nahezu halbiert hat. Allerdings hat sich an der ungewöhnlichen Formgebung nichts geändert. Das Stadion gleicht immer noch einem riesigen futuristischen Fahrradhelm und ist architektorinisch ein völliger Solitär. Typisch für Zaha Hadid ist er Ausdruck einer internationalen Architektursprache, ein „japanische“ Olympiastadion wird das Bauwerk nicht.

Kein Wunder, dass der prämierte Entwurf in Japan auf viel Widerstand gestoßen ist. So wird das künftige Olympiastadion trotz Kürzung nicht nur weiterhin eines der teuersten Stadien der Welt. Es ist auch riesig. Es ist doppelt so groß wie das Olympiastadion von 1964, das 48.000 Plätze bietet und für den Neubau weichen soll.

Das neue Stadion soll 80.000 Menschen Platz bieten und nach dem ursprünglichen Entwurf eine Grundfläche von 290.000 Quadratmetern bedecken. Die Größe war einer der Hauptkritikpunkte, die Gegner des ursprünglichen Entwurfs immer wieder hervorgebracht hatten. Erst am vergangenen Wochenende demonstrierten erneut Menschen am alten Nationalstadion gegen den Neubau.

Fertigstellung ist für 2019 geplant

Zaha Hadid hat in der modifizierten Fassung die Grundfläche und die Größe des Stadions etwas reduziert. Angeblich soll die Fläche durch Wegnahme von Nebengebäuden auf 211.000 Quadratmeter gesunken sein. Zaha Hadid wählte zudem kostengünstigere Materialen.

Deutlichste Veränderung nach außen: Der Open-Air-Rundweg in luftiger Höhe rund um das Stadion ist deutlich reduziert worden und weniger großzügig angelegt. In der neuen Version ist nur noch ein kleineres Stück an der schmalen Seite des Stadionbaus offen.

Gebaut wird das Stadion wie geplant im Westen der Metropole auf dem Gelände des Olympiastadions von 1964. Dieses wird ab 2015 abgerissen und macht dem Neubau Platz, der 2019 pünktlich zur Rugby-Weltmeisterschaft eröffnet werden soll. 

Japanische Architekten kritisieren Entwurf als überdimensioniert

Darüber, ob und in welchem Maß das Stadion insgesamt verkleinert wurde, hat sich die Architektin bisher nicht geäußert. Aus ihrem Büro hieß es lediglich, dass die Größe maßgeblich von der erforderlichen Kapazität während und nach den Olympischen Spielen abhängt. Bisher war stets die Rede von Platz für 80.000 Menschen.

Das Design, das sich 2008 in einem internationalen Wettbewerb durchgesetzt hatte, wirke zu riesig im Vergleich mit seiner Umgebung, hieß es immer wieder vor allem von maßgeblichen japanischen Architekten, darunter Toyo Ito, Kengo Kuma und Sou Fujimoto. Nicht zuletzt die geplante Höhe von 70 Metern erschien vielen Anwohnern zu dominant.

Ähnlich hatte Sportminister Hakubun Shimomura sein Eintreten für ein nachträglich verringertes Budget und eine Verkleinerung begründet: „Wir müssen das Projekt noch einmal überdenken, mit dem Ziel, es zu reduzieren“, erklärte er. „Städteplanung muss auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt sein.“

Hadid betont enge Zusammenarbeit aller Beteiligten

Zaha Hadid nimmt die nachträglichen Änderungen sportlich: „Alle Projekte auf der Welt gehen durch diesen Prozess der Design-Weiterentwicklung und der Verfeinerung“, so ein Sprecher ihres Unternehmens. „Wir arbeiten eng mit unserem Kunden und unseren japanischen Kollegen zusammen.“ Erfahrung mit olympischen Sportstätten hat die Stararchitektin ja: Schon die Pläne für das Londoner Aquatics Centre, die Wassersportarena für die Olympischen Spiele 2012 in der britischen Hauptstadt, stammten aus ihrer Feder.

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Von Judith Bexten
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