05.06.2013, 15:37 Uhr | 0 |

Mix aus U-Boot, Dampfer und Kreuzfahrtschiff Für 180 Mio. Euro entsteht vor Chinas Küste ein Unterwasser-Hotel

Seit zehn Jahren tüfteln zwei Deutsche an den Plänen für ein Unterwasser-Hotel herum. Jetzt ist es soweit, die Finanzierung steht. Im nächsten Jahr soll mit dem Bau des unter der Wasseroberfläche schwimmenden Hotels für 200 Gäste begonnen werden.

Modell des Unterwasserhotels
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Entwurf des Unterwasserhotels: Es soll in einer Werft gebaut und dann in China vor Ort im Untergrund verankert werden. Die Hotelsuiten befinden sich unter und über der Wasserlinie und bieten durch die Ganzverglasung spektakuläre Ausblicke.

Foto: Gewers & Pudewill

Höher, weiter, schneller – das kennen wir schon auswendig, ein alter Hut. Jetzt kommt tiefer als neuer Superlativ des Erlebniswahnsinns hinzu. Schon in zwei Jahren soll man in 15 Metern Wassertiefe vor der chinesischen Küste sein Frühstück einnehmen können. „Darunter wird es zu dunkel“, sagt der aus Bitterfeld stammende Industriedesigner Joachim Hauser, der schon seit einem Jahrzehnt mit der Idee eines Unterwasserhotels schwanger geht. „Es ist Unsinn, ein Hotel auf tiefen Meeresboden zu stellen. Da sieht man nichts.“ Sein Hotel soll in 15 Metern Wassertiefe frei schweben, nur am Platz gehalten von Ankern. Die größte Herausforderung bei einem solchen Vorhaben, ist es wohl, das vor über 2000 Jahren aufgestellte Theorem des Archimedes zu überlisteten. „Die Auftriebskraft eines Körpers in einem Medium ist genauso groß wie die Gewichtskraft des vom Körper verdrängten Mediums.“

Erz, Sand, Granit oder Split sorgen für das nötige Gewicht

Die Herausforderung meistern soll der Schiffbauingenieur Andreas Hallier, der gemeinsam mit Hauser bereits seit zehn Jahren an der Vision eines unter Wasser schwebenden Hotels arbeitet. Nach unzähligen Rechenvorgängen ist nun das Hoteldesign so für die Schwebe optimiert, dass nur noch 23 Prozent des Hotelvolumens mit Ballast gefüllt werden müssen. „Wir spielen mit unterschiedlichen Dichten“, sagt der Schiffbauingenieur geheimnisvoll. Er will schwere Feststoffe wie Erz, Sand, Granit oder Split als Ballast in Kammern füllen. Zusätzliches Gewicht liefern große Wassermengen in doppelten Böden und vertikalen Schächten – und ein riesiges Innenbecken, dessen Wasserspiegel einige Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Das Ganze ist natürlich nicht für umsonst zu haben. Die Kosten des Projekts sind auf 180 Millionen Dollar  veranschlagt und werden von einer chinesischen Investorengruppe gestemmt. Mitte des kommenden Jahres will Unterwasserpionier Hauser mit dem Bau des Hotels beginnen. „Das Unterwasserhotel ist eine Mischung aus Kreuzfahrtschiff, U-Boot und Passagierdampfer“, sagt der in München lebende Hauser. Geholfen bei den Planungen hat das Berliner Architektenbüro Gewers & Pudewill. Die technische Abnahme des neuartigen Hotels soll der Germanische Lloyd machen, eine Art TÜV für Schiffe.

Bei einem Taifun wird evakuiert

Das Hotel soll auch in Sachen Sicherheit erste Wahl werden. Beim Material setzen die Planer auf  Massivstahl. Zusätzlich hat das schwebende Hotel einen Aufprallschutz. „Falls wirklich mal ein Schiff aus dem Ruder gerät“, so Hauser. Die hohe Sicherheit ist auch für den hohen Preis verantwortlich, für Brandschutz, Fluchtwege und Schotts ist gesorgt. Der Industriedesigner sieht sich gegen alle Eventualitäten gerüstet. „Nur wenn ein Taifun kommt, müssen wir evakuieren“, sagt Hauser.

Natürlich hat die Idee eines unter Wasser schwebenden Hotels für die rund 200 Gäste auch einen stolzen Zimmerpreis. Ein einfaches Zimmer soll pro Nacht 850 US-Dollar kosten, in exklusiven Suiten ist der Gast mit 15.000 Dollar pro Übernachtung dabei. „An Land bezahlt man das in China auch schon“, begründet Hauser den Hammerpreis. Für den Wahlmünchner ist das neue Hotelprojekt schon der zweite Anlauf. 1999 war der 65-Jährige Mitglied einer Forschungsmannschaft des einstigen Raumfahrtkonzerns DASA, die an einem Hotelprojekt im Weltall arbeitete. Daraus wurde nichts, aber Hauser fühlte sich inspiriert dazu, Touristen unter der Meeresoberfläche zu beherbergen. Ein erster Anlauf im Jahr 2003, in Dubai ein Unterwasserhotel zu realisieren, ist allerdings krachend gescheitert: „Wir haben in Dubai einen Fehler gemacht, weil wir davon erzählt haben, bevor alles finanziert war“, bilanziert Hauser.

Hauser will den „teuersten Privatclub der Welt“ gründen

Der Industriedesigner ist von seinem neuen Konzept überzeugt. Die Gäste werden „nicht vor einem Aquarium“ sitzen. „Bei uns ist es das wirkliche Meer.“ Und nicht nur das. Die Gäste können sich im Spa mit Hydrotherapie-Anwendungen und im Restaurant mit Algengerichten verwöhnen lassen. Hauser denkt da ganz groß: Er will Kongresse anlocken und den „teuersten Privatclub der Welt“ gründen.

Der Wahlmünchner ist nicht der erste und vor allem nicht der einzige, der Pläne für ein Hotel unter der Meeresoberfläche hegt. So gibt es das „Water Discus Hotel“, welches vor der Küste von Dubai entstehen soll. Es hat in den Planungen zwei runde Scheiben, eine unter und eine über dem Wasser. Verbunden sind die beiden Hotelplattformen mit einem vertikalen Stab, der mit Treppen und einem Lift ausgestattet ist.

Die Idee für dieses Zwei-Scheiben-Hotel kommt von der polnischen Firma Deep Ocean Technology, die von der Schweizer Firma BIG InvestConsulting AG mit Sitz in Zug unterstützt wird. Die Schweizer Entwickler geben sich voll ökologisch mit ihrem Scheiben-Hotel: „Wir möchten in den Vereinigten Arabischen Emiraten das Zentrum für den Schutz der Unterwasserwelt bilden“, sagt Bogdan Gutkowkski, Präsident von BIG. Er sieht das „Water Discus Hotel“ als Labor für den Schutz und die Erforschung der Meereswelt.

Kingsuite mit 110 Quadratmetern

Ebenfalls im Rennen um das erste Unterwasserhotel ist das „Poseidon Undersea Resort“, welches unterhalb einer kleinen Privatinsel auf den nordöstlichen Fidschis entstehen soll. Es soll zwölf Meter unter der Meeresoberfläche liegen und 22 Unterwassersuiten mit 51 Quadratmetern Wohnfläche sowie eine Kingsuite mit über 110 Quadratmetern beherbergen. Dazu gesellen sich eine Bar, eine Bibliothek, ein Konferenzraum, ein Spa-Bereich und sogar eine Hochzeitskapelle – alles unter Wasser. Eine Woche im „Poseidon Undersea Resort“ soll 30.000 US-Dollar verschlingen. Das kann fast als Schnäppchen der Reichen gelten. Denn eine einzige Nacht in der kleinsten Suite des Burj al Arab in Dubai kostet 11.000 US-Dollar.

Um die Sicherheit müssen sich die Gäste im „Poseidon“ auch keine großen Sorgen machen. Für stete Luftzufuhr von der Oberfläche auch ohne jede mechanische Hilfe sorgt ein festinstallierter Aufzug- und Treppenschacht, der die öffentlichen Räumlichkeiten mit dem schlauchförmigen Gästetrakt verbindet. Die zweieinhalb Zentimeter dicken Stahlwände und das zehn Zentimeter dicke Acrylglas an den Fensterfronten trotzen einem Wasserdruck von 6 bar. Und die Intimsphäre ist jederzeit gewährleistet, weil eine reflektierende Folie vor den Fenstern zwar den Durchblick nach draußen erlaubt, die Sicht nach Innen jedoch versperrt. Da haben Spannerfische keine Chance.

Ausgediente Forschungsstation ist jetzt Mini-Hotel unter Wasser

Alles das ist jedoch Zukunftsmusik, ist Planung, ist Marktgeschrei. Gebaut sind all diese tollen Unterwasser-Hotels bis heute nicht. Und so ist es einer ehemaligen Unterwasserforschungsstation in Key Largo in Florida vorbehalten, sich als das weltweit erste Unterwasser-Hotel bezeichnen zu dürfen. Dem Forschergeist angemessen geht es in Jule’s Undersea Lodge auch ein wenig bescheidener zu, als in den hochtrabenden Plänen der Visionäre.

Das beginnt schon mit der Erreichbarkeit der Lodge in sieben Meter Wassertiefe. Dazu muss der Gast in eine Taucherausrüstung steigen und in die Tiefen des Golfs von Mexiko absteigen. Gäste ohne Taucherfahrung werden in einem dreistündigen Grundkurs auf das Abtauchen zur Undersea Lodge vorbereitet. Unten erwarten die Tauch-Touristen dann drei Räume mit Siebziger-Jahre-Charme. In den zwei separaten Schlafzimmern und einem Gemeinschaftsraum ist Platz für bis zu sechs Personen.

Großes Hochzeitspaket: Eine Nacht für 1750 US-Dollar

Der Gast kann sich über die Telefonanlage beim Kontrollzentrum an der Wasseroberfläche einen Koch bestellen, der nach unten taucht und dort ein spezielles Menü zaubert. Oder man ordert sich mal eben eine Pizza per Tauch-Express, um all die Anglerfische, Barrakudas und Papageienfische zu bewundern, die in der Emerald Lagoon leben. In Jule’s Undersea Lodge kommt auch die wirkliche Romantik nicht zu kurz. Sie lässt sich exklusiv buchen für eine unvergessliche Unterwasser-Hochzeit mit Blumen und einem weltweit einzigartigen Unterwasser-Hochzeitskuchen. Das garantieren die Betreiber der Lodge Luanne Betz und Dave Thompson.

Die Kosten für das Komplettpaket sind mit 1750 US-Dollar fast zu vernachlässigen. Ein Extragast für die romantische Zeremonie kostet 175 US-Dollar. Und weil alles, wirklich alles seine Ordnung haben muss, ist auch der Check-In und der Check-Out klar geregelt. Check-In ist um 13 Uhr, Check-Out ist um 11 Uhr am nächsten Morgen. Und dazwischen liegt ein unvergesslicher Tag in der Tiefe der Emerald Lagoon. Mit einer Unterwasser-Hochzeitsnacht, die sicherlich ewig in Erinnerung bleibt...

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Von Detlef Stoller
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