29.12.2015, 10:01 Uhr | 0 |

Projekt Moganshan Road Ein bewohnbarer Berg in Schanghai gegen den Smog

In der chinesischen Mega-Metropole Schanghai herrscht oft dicke Luft. Zu wenige Bäume wachsen in der Stadt mit ihren 23 Millionen Einwohnern, um den Smog aus Industrie und Verkehr aus der Atemluft herauszufiltern. Ein bewohnbarer Berg soll nun Abhilfe schaffen.

Skyline von Schanghai
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Skyline von Schanghai: 23 Millionen Einwohner, viel Verkehr und Industrie, aber kaum Grün. Im Künstlerdistrikt 50 Moganshan Road will das Londoner Architekturbüro Heatherwick Studio einen bewohnbaren bewaldeten Berg bauen.

Foto: Ole Spata/dpa

Schanghai ist nicht nur die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China, Schanghai hat auch ein enormes Problem mit Schadstoffen in der Luft. In der Megametropole mit rund 23 Millionen Einwohnern sind an vielen Tagen im Jahr die Feinstaubgrenzwerte um ein Vielfaches überschritten. Das ist kein Wunder: Denn in Schanghai drängen sich vor allem Wohntürme, Wolkenkratzer und lange Appartementhäuser aneinander. Über Parks oder kleine Waldanlagen, die als Luftfilter dienen können, verfügt die 6340 Quadratkilometer große Industrie- und Hafenstadt kaum, der Siedlungsdruck ist dafür viel zu hoch.

„Konzipiert nicht als Gebäude, sondern als ein Stück Topographie“

Das Architekturbüro Heatherwick Studio mit Sitz in London will das ändern. Thomas Heatherwick hat den verwegenen Plan geschmiedet, im angesagten und gerne mit Soho in London verglichenen Künstlerdistrikt 50 Moganshan Road in Schanghai einen bewohnbaren bewaldeten Berg zu bauen. „Konzipiert nicht als Gebäude, sondern als ein Stück Topographie“, erklärt der Architekt seine Idee, dessen vor gut 20 Jahren gegründetes Architekturbüro inzwischen 180 Mitarbeiter beschäftigt. 

Frage nach dem Sinn von Reisen

Heatherwick hat vor fünf Jahren weltweite Aufmerksamkeit mit dem britischen Pavillon Seed Cathedral auf der Expo 2010 in Schanghai erregt. Auch beim robotergestützten Bau der neuen Zentrale von Google ist Heatherwick beteiligt.

Ihm geht es um die Kraft des Unterschieds: „Auf meinen Reisen habe ich festgestellt, dass die Plätze sich immer mehr ähnlich werden. Ich habe die gleichen Arten von Gebäuden im kalten Kanada oder Abu Dhabi  gesehen. Was ist der Sinn von Reisen, wenn alles gleich aussieht?“

400 begrünte Würfel-Dächer

Im Kern setzt sich das gerne als M50 abgekürzte Projekt aus hunderten unterschiedlich geformten und verschieden großen Würfeln zusammen. Diese Würfel sollen insgesamt rund 400 Terrassen bereithalten, die neben Wohnungen auch Geschäfte, Büros, ein Hotel und Cafés beherbergen.

Die Dächer der Würfel erhalten eine Bepflanzung mit Gras, Blumen und Sträuchern. So soll auf dem 300.000 m2 großem Gebiet eine neue Mischnutzung entstehen, die auf sehr viel Grün setzt.

20 Etagen hoher steiler Gipfel

Es handelt sich bei dem Entwicklungsprojekt um zwei Grundstücke, die durch einen schmalen regierungseigenen Streifen getrennt sind, auf dem historische Gebäude entstehen sollen. Ein kleiner öffentlicher Park dient als Abschluss des an einem Fluss liegenden bewohnbaren Berges. Die 400 Würfel türmen sich allmählich von einer flachen Gebirgslandschaft zu einem langgezogenen Bergrücken auf, der dann spektakulär in einem 20 Etagen hohen steilen Gipfel mündet.

Als strukturgebendes Moment dienen dem britischen Architekten mehr als 1000 gut sichtbare Säulen, die das Gebäude zusätzlich stabilisieren. „Anstatt sich hinter der Fassade zu verstecken, sind die Säulen das bestimmende Merkmal der Konstruktion, um Pflanzen und Bäume zu unterstützen“, sagt Heatherwick.

Es entsteht ein riesiger Luftfilter

Denn in der Spitze der Säulen sollen jeweils große und breite Pflanzkübel verankert werden. In jene will Heatherwick dann heimische Bäume anpflanzen. Auf diese Weise wird ein riesiger Luftfilter entstehen, der eine Oase von kühler und sauberer Luft schafft. Zudem setzt die äußerst organische Bergform des Bauprojektes den die Oase umstellenden kantigen Hochhäusern etwas Wohltuendes entgegen: Der Zeitplan für M50 ist äußerst ambitioniert. Der bewohnbare Berg soll schon 2018 fertiggestellt sein.

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Von Detlef Stoller
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