26.11.2014, 10:43 Uhr | 0 |

Lowtech und nachhaltig Ein Haus aus Stroh mit 1,20 Meter dicken Wänden

Von außen ist diesem Einfamilienhaus nicht anzusehen, dass seine Tragekonstruktion nicht aus Mauerwerk oder Holz, sondern aus Strohballen besteht. Die 1,20 Meter dicken und dämmenden Strohwände sind von außen mit Kalk und von innen mit Lehm verputzt. Zum Heizen genügt ein Kachelofen.

Strohballenhaus
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Das vom östereichischen Architekt Georg Bechter geplante eingeschossige Strohballenhaus besitzt 1,20 Meter dicke Wände.

Foto: Georg Bechter

Im Neubaugebiet am Rande von Dornbirn, im österreichischen Bundesland Vorarlberg, steht das eingeschossige Strohballenhaus von Architekt Georg Bechter. Es sei als Experiment entstanden, so Bechter und aus dem Wunsch der Bauherren heraus, ökologisch, günstig und nachhaltig bauen zu wollen. Jetzt haben die 1,20 dicken Wände des Strohballenhauses zwei Funktionen: sie dämmen und tragen gleichzeitig die Last des Daches.

Vordach spendet im Sommer Schatten und nutzt im Winter die Sonne

Das macht auch für die Innen- und Außengestaltung des Hauses einen Unterschied, denn trotz der enormen Wanddicke dürfen Sonne und Licht nicht ausgesperrt werden. Das verhindern die tiefen, nach innen geneigten Laibungen, die je nach Jahreszeit die ideale Wärmeeinstrahlung unterstützen. Im Sommer wirkt das Vordach als Schattenspender, im Winter wird die flach stehende Sonne als zusätzliche Wärmequelle genutzt.

Im Inneren hat Architekt Bechter ein flexibles Raumkonzept gewählt, das je nach Bedürfnis verändert werden kann. In der offenen Halle aus Stroh befinden sich vier Wohnboxen aus Holz, die mit Schiebetüren geöffnet und unterschiedlich angeordnet werden können. In den dicken stabilen Wänden sind großzügige und gemütliche Nischen entstanden. Verputzt wurden sie außen mit Kalk und innen mit Lehm. Das bringt ein angenehmes Raumklima, bei dem die relative Luftfeuchtigkeit im Sommer und Winter annähernd konstant bleiben.

Lowtech: Ein einziger Kachelofen heizt das gesamte Haus

Die lastabtragenden Wände bestehen aus übereinander gestapelten Strohballen und kommen ohne Holzaufbau aus. Nur die Dachkonstruktion besteht aus Holz, wird aber ebenfalls mit Stroh gedämmt. Lowtech heißt die Devise auch bei der Haustechnik. Der Fußboden ist im Verbund mit der Bodenplatte gegossen, um eine große Speichermasse zu erhalten, die tagsüber Wärme aufnimmt und nachts abgibt. Dazu gibt es einen einzigen Kachelofen, der das gesamte Haus heizt, sowie einen Warmwasserboiler.

Das Strohballenhaus vom Architekturbüro Bechter ist längst nicht das Einzige seiner Art, denn der Wunsch vieler Bauherren nach einer Bauweise, die Ressourcen schont und nachhaltig ist, ökonomisch wie ökologisch, nimmt zu. Die ersten Strohballenhäuser wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika gebaut.

Die Wände eines Strohhauses sind kompostierbar

„Strohballen sind als Baumaterial unübertrefflich“ – damit wirbt zum Beispiel das österreichische Unternehmen „unser strohhaus“. Und zählt die Vorteile einer Bauweise mit Strohballen auf: Sie dämmen ausgezeichnet Wärme und Schall, sind unschlagbar günstig, sorgen in Verbindung mit Lehmputz für ein angenehmes Raumklima, wachsen fast überall und benötigen zu ihrer Herstellung einen minimalen Primärenergieeinsatz. Deshalb habe Stroh die beste CO2-Bilanz aller Baustoffe.

Auch das Ende eines Strohhauses kann im Vergleich zu konventioneller Bauweise ökologisch vorteilhaft sein. Während beim Abriss eines herkömmlich gebauten Hauses unverrottbarer und schadstoffbelasteter Bauschutt anfällt, entsteht nach dem Abriss eines Strohhauses gewissermaßen ein Komposthaufen. Auch Architekt Bechter betont, dass die Wände seines Strohballenhauses kompostierbar seien, denn Stroh sei das einzige Dämmmaterial, das nicht behandelt werden müsse. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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