28.05.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Projekt Black Gold Designer will ausgediente Öltanker in Einkaufszentren verwandeln

Umbauen statt verschrotten, denkt sich ein niederländischer Designer: Sein Projekt Black Gold will ausgediente Öltanker in gigantische Einkaufszentren verwandeln – mit Bars, Ladenzeilen und Museen. 

Skizze eines umgebauten Öltankers
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Skizze eines umgebauten Öltankers: Designer Chris Collaris will auch gleiche eine Straße anbinden, um das Parkhaus im Inneren zu erreichen. 

Foto: Chris Collaris

Das könnte eine neue Touristenattraktion werden: Man fährt mit dem Auto direkt in den Bauch eines riesigen Öltankers. Dort parkt man im Parkhaus, schlendert anschließend gemütlich durch Ladenzeilen, nimmt einen Drink an der Bar, dreht eine Runde im Swimmingpool und besucht dann noch ein Museum. So zumindest stellt sich das der niederländische Designer Chris Collaris vor, der auf der Suche nach einer neuen Bestimmung für ausgediente Ozeanriesen das Projekt Black Gold ins Leben gerufen hat.

Ozeanriesen müssten zuerst durch eine Entgiftung

Ebenso gigantisch wie die Ausmaße des Schiffes wären auch die Umbaumaßnahmen: Die Pläne des Designers sehen unter anderem vor, einen Teil des Schiffdecks durch einen Glasboden zu ersetzen, um den Innenraum mit Tageslicht auszuleuchten. Auch die Entgiftung wäre ein großes Thema, bevor sich Menschen überhaupt dem Öltanker nähern dürften. Denn die Farbe der Außenhülle enthält toxische Schwermetalle und allerlei ebenso giftige Mittel gegen Rost und Fäulnis.

Doch das alles lohnt sich in den Augen von Collaris. Denn die klare Struktur der Speichertanks käme der funktionalen Nutzung entgegen. Außerdem scheinen die doppelten Stahlwände ideal geeignet, um das Klima im Inneren zu regulieren. Konkrete Pläne für eine technische Durchführung gibt der Designer allerdings nicht bekannt.

Projekt Black Gold soll in Ölstaaten Anklang finden

Anklang finden soll das Projekt vor allem in den Golfstaaten – in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien beispielsweise. Ländern also, die eine hohe Affinität zum Öl haben.

„Die Megatanker können als das ideale Symbol für die geographische, ökonomische und kulturelle Geschichte der arabischen Ölstaaten gesehen werden“, ist Collaris überzeugt. Bislang allerdings scheint das Projekt reine Träumerei und eine Umsetzung nicht in Sicht.

Protest gegen menschenunwürdige Verschrottungsindustrie

Vielleicht geht es dem Holländer in erster Linie auch nicht um die Umsetzung, sondern um ein Zeichen des Protests gegen den bisherigen Umgang mit ausgedienten Öltankern. Denn 92 Prozent der Ozeanriesen landen an Stränden in Indien, China und Bangladesch. Und dort floriert ein dreckiges Geschäft: Unter menschenunwürdigen Bedingungen nehmen Arbeiter die Schiffe mit bloßen Händen auseinander ­– ohne Atemschutz, sichere Baugerüste oder Werkzeuge für den Umgang mit Asbest. Tote und Verletzte sind bei dieser Arbeit keine Seltenheit.

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Von Patrick Schroeder
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