05.10.2016, 14:17 Uhr | 0 |

Architektin Zaha Hadid Antwerpener Hafengesellschaft residiert in diamantenem Schiff

Das nach vier Jahren Bauzeit neu eröffnete Domizil der Antwerpener Hafengesellschaft ist eine radikale Verbindung aus Tradition und Moderne. Das augenfällige Gebäude funkelt, fließt und scheint stets in Bewegung – ein typischer Entwurf der kürzlich verstorbenen Star-Architektin Zaha Hadid. Gekostet hat es 55 Millionen Euro.

Das frisch eröffnete Verwaltungsgebäude der Hafengesellschaft im Antwerpener Hafen ist vieles, aber eins ist es nicht: zu übersehen. Ein riesiger Komplex aus Beton, Stahl und Glas schwebt wie ein Luftschiff über einer ehemaligen Feuerwache und vergrößert sie so auf das Doppelte. Der Entwurf ist radikal, gewagt, aber für die Hafen-Umgebung seltsam passend.

Kein Wunder – er stammt von der Ende März mit 65 Jahren verstorbenen Architektin Zaha Hadid  und ihrem Geschäftspartner Patrik Schumacher. Die Britin irakischer Abstammung war bekannt für ihre augenfälligen Kreationen in einem Stil, den sie selbst als „fließend“ und „kinetisch“ bezeichnet hat. Genau den finden Betrachter auch in dem jetzt nach rund vier Jahren Bauzeit eröffneten Verwaltungsgebäude wieder. Gekostet hat der komplette Bau, der Tradition und Moderne auf spektakuläre Weise verbindet, 55 Millionen Euro.

Fassade aus 2000 gläsernen Dreiecken

Die Fassade besteht aus rund 2000 dreieckigen Glasscheiben, die eine Konstruktion aus 900 Tonnen Stahl umhüllen und im Widerschein von Himmel und Wasser funkeln. In der Schwebe gehalten wird das Gebilde von mächtigen Betonpfeilern. Die Glasblase, die wohl nicht von ungefähr an eine Mischung aus Schiff und Diamant erinnert, thront über einer denkmalgeschützten ehemaligen Feuerwache. Diese, günstig gelegen zwischen der für den Edelstein-Handel berühmten Stadt und dem nach Rotterdam zweitgrößten Hafen Europas auf der sogenannten Mexiko-Insel am Kattendijk-Dock, hatte die Hafengesellschaft als Arbeitsstätte für sämtliche Mitarbeiter auserkoren. Allein: Für rund 500 Personen war das Gebäude zu klein.

Die Lösung: eine Erweiterung, die als Wettbewerb unter namhaften Architekten ausgeschrieben wurde. Die Voraussetzungen waren nicht gerade trivial. Ein normaler Anbau kam nicht in Frage, da alle Fassaden des Ursprungsgebäudes erhalten werden sollten – trotzdem wollte die Hafengesellschaft alle Mitarbeiter in einem Gebäude versammelt wissen. Der Entwurf, mit dem sich das Büro Zaha Hadid Architects im Jahr 2007 schließlich durchsetzte, ging daher in die Vertikale und verdoppelte die Höhe des existierenden Gebäudes auf insgesamt 46 m. Dabei beriefen sich Hadid und Schumacher auf historische Pläne, die für die frühere Feuerwache ursprünglich sowieso einen Turm vorgesehen hatten.

Ein „Turm“ von 111 Metern Länge

Ob man den Aufbau tatsächlich als Turm bezeichnen kann, darüber lässt sich streiten. Mit 111 m Länge ist er gut 50 m länger als das alte Gebäude darunter, dafür mit seinen 24 m Breite aber schmaler. Am südlichen Ende ist das schiffsartige Konstrukt etwas abgeflacht, während die Glasflächen an der Nordseite betont unruhig das Wasser des Hafens widerspiegeln. Insgesamt bringt es der Aufbau auf 6.200 m2, womit er fast die Hälfte der 12.800 m2 des kompletten Verwaltungsgebäudes einnimmt.

Der äußere Kontrast findet sich auch im Innern wieder: Der historische Teil setzt auf Klarheit und Präzision, während die neuen Stockwerke im oberen Teil geschwungen und modern herüberkommen. Spektakulär ist auch der Ausblick nach allen Seiten – die Stadt liegt ebenso im Blickfeld wie der Hafen. Auch die Brücken und Aufzüge, die beide Teile verbinden, bieten dieses Panorama.

Einsatz von Tageslicht und Wasserkühlung

Die Glasfläche ist nicht komplett transparent: Manche Scheiben sind auch undurchsichtig. Das ergibt zum einen den gewollt unruhigen Eindruck von außen, gleichzeitig hilft es im Innern, die Sonneneinstrahlung zu dosieren. Das ganze Gebäude-Konzept setzt auf maximale Nutzung von Tageslicht, um künstliches Licht so weit wie möglich zu vermeiden. Gleichzeitig muss der Wärmehaushalt im Blick behalten werden. Hier kommt Wasser zum Einsatz, das aus 80 m Tiefe an mehr als 100 Stellen im gesamten Gebäude gepumpt wird und je nach Bedarf heizt oder kühlt. Die sanitären Anlagen wiederum sind so wassersparend wie möglich angelegt. Platz für 190 Fahrräder und 25 Elektro-Autos ist ebenfalls vorhanden.

In beiden Teilen finden sich weitläufige, offene Büros, in den oberen Stockwerken des alten und den unteren Etagen des neuen Gebäudes gibt es zudem eine Kantine, Meeting-Räume und einen 90 Personen fassenden Vortragssaal. Diese Konzentration an Gemeinschaftsräumen im weitesten Sinne verbindet alt und neu und bringt die Mitarbeiter zusammen.

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Von Judith Bexten
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