10.08.2015, 08:33 Uhr | 0 |

Pille gegen Epilepsie US-Unternehmen bringt welterste Tablette aus 3D-Drucker auf den Markt

Schritt für Schritt mausern sich 3D-Drucker zu wahren Alleskönnern: Gerade wurde in den USA weltweit das erste Medikament zugelassen, das vollständig 3D-gedruckt wird. Die Pille gegen Epilepsie soll effizienter sein und das Schlucken erleichtern.

Nahaufnahme von Spritam
Á

Nahaufnahme von Spritam: Aprecia Pharmaceuticals stellt die Tablette mit dem 3D-Drucker her und kann Wirkstoffe präziser dosieren.

Foto: Aprecia Pharmaceuticals

Die Tablette namens Spritam soll bereits in etwa einem halben Jahr in den USA auf den Markt kommen. Grünes Licht dafür gab die Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA). Das Medikament mit dem bekannten Wirkstoff Levetiracetam ist für Erwachsene und Kinder gedacht, die an Epilepsie leiden.

Produziert wird das Antiepileptikum vom US-Unternehmen Aprecia Pharmaceuticals. Durch die Herstellungsart Zipdose kann das Präparat neu zusammengesetzt werden – und damit ein großes Manko der Medikamente beseitigen. Denn Tabletten wirken bisher nicht bei allen gleich.

Manchmal ist es eine Pi-mal-Daumen-Geschichte: dem Einen hilft ein Mittel sehr gut, einem Anderen weniger. Auch Nebenwirkungen unterscheiden sich. Mittels 3D-Druck können die Wirkstoffe der einzelnen Schichten in der Tablette besser mit der benötigten Dosis abgestimmt werden, sodass jeder Patient so viel Wirkstoff bekommt, wie er wirklich braucht. Damit wird also quasi eine medikamentöse Maßanfertigung möglich.

Keine Probleme beim Schlucken

Und noch etwas soll dem Patienten zugute kommen: Wer bisher gleich mehrere Tabletten schlucken musste, braucht nur noch eine. Denn mittels des neuen Verfahrens kann viel mehr Wirkstoff in eine Tablette hineingepackt werden. Der Grund: Beim 3D-Druck werden die Wirkstoffe in den Schichten enger zusammengepresst. Somit können auch größere Tabletten kleiner produziert werden, sodass man sie besser schlucken kann.

Zugleich wird die 3D-Tablette sehr porös hergestellt. Der Vorteil dadurch: Sie braucht nur wenig Flüssigkeit, um sich aufzulösen. Das unangenehme Gefühl, die Tablette bleibt im Halse stecken, kann beim Patienten also gar nicht aufkommen. Ein Problem, das vor allem Kinder und alte Menschen bisher haben.

Weitere gedruckte Arzneien in Planung

Die Zulassung des Epilepsie-Präparats dürfte erst der Anfang für den 3D-Druck auf dem Gesundheitsmarkt sein. Nach eigenen Angaben plant die Herstellerfirma bereits weitere Produkte. Bisher wird die Drucktechnologie von Zahnärzten verwendet, um etwa fertige Implantate zu erstellen. Und Orthopäden testen sie für maßgeschneiderte Hüftprothesen. Außerdem sind Forscher weltweit dabei, Handprothesen damit zu entwickeln.

Anzeige
Von Lisa von Prondzinski
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden