07.01.2014, 11:14 Uhr | 0 |

Teile für Tornado-Kampfjets Britische Luftwaffe setzt auf Ersatzteile aus 3-D-Druckern

Die britischen Luftstreitkräfte sollen effektiver werden: Der Rüstungskonzern BAE Systems will deshalb g Ersatzteile für Kampfjets kurzerhand selbst auf Flugzeugträgern ausdrucken. Bisheriger Rekord: ein 1,2 Meter langes Titan-Bauteil. 

Tornados der Royal Air Force
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Tornados der Royal Air Force: Die britische Luftwaffe will künftig Ersatzteile in 3-D-Druckern erzeugen, um schneller wieder einsatzfähig zu sein.

Foto: MBDA

Der Siegeszug des 3-D-Drucks hat auch die Rüstungsindustrie erreicht. Der britische Konzern BAE Systems hat erstmals Ersatzteile für Tornado-Kampfjets der britischen Royal Air Force (RAF) mit dem 3-D-Drucker hergestellt. Zwar handelt es sich zunächst um vergleichsweise unkritische Teile, etwa Schutzüberzüge aus Metall für Cockpit-Radios. Doch diese sind erheblich günstiger und haben nach Angaben von BAE der Royal Air Force dabei geholfen, in kurzer Zeit 300.000 Pfund einzusparen. Einige Bauteile  kosten dabei weniger als 100 Pfund. In den kommenden vier Jahren sollen die Wartungskosten um über 1,4 Millionen Euro sinken.

Militär wird bei Einsätzen unabhängiger und flexibler

Die Kosten sind jedoch ein vergleichsweise geringer Vorteil. Für die Luftwaffe ist besonders wichtig, dass der 3-D-Druck das Militär autonomer und mobiler macht. „Man ist bei der Herstellung von Ersatzteilen plötzlich nicht mehr an einen bestimmten Ort gebunden. Jetzt können die Teile an jedem beliebigen Stützpunkt angefertigt werden, solange dort nur eine solche Maschine steht“, erklärt Mike Murray, Leiter der Flugzeugabteilung bei BAE Systems in einem Bericht von n-tv. „Wenn es uns gelingt, diese Maschinen an der Front einzusetzen, dann erweitert das unsere Möglichkeiten dort, wo wir normalerweise keinen Zugriff auf Ersatzteile haben, enorm.“ Verschleißteile ließen sich dann innerhalb eines Tages ausdrucken. Der Jet wäre sofort wieder einsatzbereit und müsste nicht wie bislang oft wochenlang am Boden bleiben.

Technologie könnte nahtlos in die Luftfahrtindustrie übergehen

BAE experimentiert mit dem 3-D-Druck derzeit auf einer Luftwaffen-Basis in Marham in Norfolk im Nordosten Englands. Für die Tornados GR4 entstanden bislang neben Schutzüberzügen auch Stützen für Luftklappen. Das funktioniert wie folgt: Mit einer speziellen Software erstellen Ingenieure zunächst ein 3-D-Modell des Bauteils im Computer. Der Drucker formt dieses Teil dann, indem er Metallpulver schichtweise übereinander türmt und mit einem Laser verschmilzt.

Doch bei diesen relativ kleinen Ersatzteilen soll es nicht bleiben. Auf der Agenda stehen größere Flugzeugteile. Stolz verkündet BAE deshalb, dass es Ingenieuren bereits gelungen sei, ein 1,2 Meter langes Bauteil aus Titan zu drucken – in einer Rekordzeit von 37 Stunden. Es könnte zukünftig bei der Konstruktion von Tragflächen zum Einsatz kommen. „Wir haben gezeigt, dass wir die Fähigkeit besitzen, Titanteile in dieser Größe herzustellen“, erklärt Matt Stevens, ein Ingenieur des Projekts. Sobald die Abläufe verbessert seien, könne die Technologie auch nahtlos in die Luftfahrtindustrie übergehen.

Auch die NASA hat das Potential des 3-D-Drucks erkannt

Auch die US-Weltraumbehörde NASA hat vergangenes Jahr einen Einspritzer für ein Raketentriebwerk ausgedruckt. Mit vollem Erfolg: Denn im Vergleich zu vorherigen Exemplaren aus 3-D-Druckern erzeugte die neue Version mit 89.000 Newton die rund zehnfache Schubkraft, erklärt NASA-Manager Chris Singer: „Dieser erfolgreiche Test eines Raketen-Einspritzers aus einem 3-D-Drucker bringt die NASA dem Ziel einen großen Schritt näher, zukünftig mit dieser innovativen Technologie die Kosten für Hardware zu senken.“ 

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Von Patrick Schroeder
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