16.09.2015, 10:33 Uhr | 0 |

Aus dem 3D-Drucker Ärzte implantieren Krebspatienten Rippen und Brustbein aus Titan

Die 3D-Druck-Technologie erobert immer neue Einsatzgebiete: Erstmals konnte jetzt einem spanischen Krebspatienten ein eigens für ihn angefertigtes Brustbein samt Rippen implantiert werden. Angefertigt mit einem 3D-Drucker. Verwendetes Material: Titan.

Brustbein und Rippen aus Titan stammen aus dem 3D-Drucker
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Aus dem 3D-Drucker stammen Brustbein und Rippen aus Titan, die einem spanischen Krebspatienten implantiert wurden.

Foto: Salamanca University Hospital

Der Mann war an einem Brustwand-Sarkom erkrankt, der Krebs wucherte um sein Brustbein und Teile der Rippen herum. Die Ärzte im Salamanca University Hospital in Spanien entschieden, das Krebsgeschwür komplett zu entfernen. Bereit etwas Neues zu riskieren, das sie für die beste Lösung hielten.

Dafür machten die Ärzte in Spanien zunächst hochauflösende CT-Aufnahmen vom Brustkorb und dem Tumor. Anhand dieser präzisen Bilder konnten die Chirurgen an einem dreidimensionalen Modell den Eingriff planen, während viele Kilometer entfernt in Australien die Medizintechnikfirma Anatomics ein flexibles Implantat als Knochenersatz entwarf.

Produziert wurde das Implantat aus TItan. Im Gegensatz zu Stahl, der per Laser aus Pulver in dreidimensionale Formen geschmolzen werden kann, ist das in der Chirurgie beliebte Titan schwieriger zu bearbeiten.

Mit einem Elektronenstrahlschmelz-Verfahren konnten die Rippen und das Brustbein Schicht für Schicht mit dem Hightech-Drucker des Typs Arcam gedruckt werden. Das gleiche Labor hatte nur kurz zuvor ein Fersenbein für einen Patienten produziert.  

Oft Komplikationen bei Massenimplantaten

Implantate für den Brustkorb sind eine heikle Angelegenheit. Die Struktur ist sehr komplex, der Einsatz massenhergestellter Implantate führt sehr oft zu Komplikationen. Bisher handelte es sich bei Implantaten dieser Art um Platten, die unflexibel sind und sich vom Brustkorb leicht ablösen.

Der individuell angepasste künstliche Brustkorb aus dem 3D-Drucker wurde ohne Probleme implantiert. Er wurde an den Seiten mit Spezialschrauben mit den noch vorhandenen körpereigenen Rippen verbunden. Der Patient konnte trotz des großen Eingriffs das Krankenhaus  bereits nach zwölf  Tagen wieder verlassen.

Sollten sich die Kosten für die individuell angefertigten Implantate aus dem 3D-Drucker künftig reduzieren, werden sie sicherlich auch häufiger eingesetzt – zum Vorteil des Patienten. 

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Von Petra Funk
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