19.09.2014, 14:53 Uhr | 0 |

Russland-Sanktionen schaden VDMA: Wir haben uns in Sackgasse hineinmanövriert

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer warnen vor den Folgen der EU-Sanktionen gegen Russland auf die hiesige Wirtschaft. Der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Arnold Wallraff hält das Embargo-Problem für überschätzt. Russland sei im Grunde kein Top-Player für die deutsche Industrie.

Maschinenbau
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Maschinenbau: Deutsche Unternehmer fürchten die Folgen der Russland-Sanktionen. 

Foto: Bosch

Mit deutlichen Worten reagieren Unternehmer aus dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auf die Folgen der EU-Sanktionen gegen Russland für die deutschen Unternehmen. „Mit den Sanktionen schneiden wir uns ins eigene Fleisch“, sagte der VDMA-Ostvorstand Hans Neumann den VDI nachrichten.

 „Wenn einmal eine andere Nation mit den russischen Firmen Verträge schließt, kommen wir da nie wieder rein.“ Der VDMA-Präsident und persönlich haftender Gesellschafter von Haver&Boecker, Reinhold Festge, bewertet die Situation ähnlich kritisch. „Wir haben uns außenpolitisch in eine Sackgasse hineinmanövriert“, sagt Festge.

Russen wollen Großauftrag nicht bezahlen

VDMA-Vorstand Neumann, zugleich Geschäftsführer des Chemnitzer Werkzeugmaschinenbauers Niles-Simmons, spürt die Folgen der Sanktionen ganz direkt. Sein Unternehmen hat einen Großauftrag in Russland abgeschlossen, doch das Partnerunternehmen will die Maschinen aus Deutschland nicht bezahlen. Eine weitere Lieferung von Maschinen im Wert von sechs Millionen Euro liegt auf Eis, weil das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Exportgenehmigung noch nicht erteilt hat. „Bisher haben wir in Russland gute Geschäfte gemacht“, sagt Neumann, „das fällt nun alles weg.“

Furcht vor asiatischen Konkurrenten

Der Anlagenbauer SMS fürchtet, dass Teile des Russland-Geschäfts für Deutschland durch die Sanktionen verloren gehen und von asiatischen Konkurrenten übernommen werden. „Chinesische und koreanische Anbieter können bisher keine Referenzprojekte in Russland vorweisen. Sie werden aber sicher versuchen, über sehr niedrige Preise auch in diesem Markt Fuß zu fassen“, so SMS-Geschäftsführer Burkhard Dahmen.

Offenbar liefern viele Unternehmen nur noch gegen Vorkasse an Russland. „Wenn wir dort Geschäfte abschließen, dann nur noch mit staatlicher Absicherung oder bei Vorkasse. Das wirtschaftliche Risiko ist sonst zu hoch“, sagt Hans-Gert Mayrose, Vorstand des Wuppertaler Maschinenbauers Gesco.

Bafa-Präsident: Wir arbeiten so schnell wir können

Unterdessen wehrt sich der Präsident des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn gegen den Vorwurf aus der Wirtschaft, zu lange für die Genehmigung von Exporten nach Russland zu brauchen „Die Fakten sehen anders aus. Bei einem durchschnittlichen Antrag liegt die Bearbeitungszeit bei drei bis vier Wochen“, sagte Bafa-Präsident Arnold Wallraff im Interview mit der Wochenzeitung VDI nachrichten. „Glauben Sie mir, wir tun alles, um Antragsstaus vorzubeugen. Unsere Mitarbeiter leisten Überstunden, innerhalb der Fachabteilungen haben wir Verschiebungen vorgenommen, damit mehr Personal für Russlandanträge bereitsteht.“

 Fünf Mal mehr Anträge auf Exporte nach Russland als üblich

Derzeit werde das Amt natürlich wegen der Sanktionen der EU gegen Russland von Anträgen zur Exportgenehmigung überschüttet. „Wir haben seit dem Inkrafttreten des Embargos Anfang August bis Mitte September 1400 Anträge erhalten. Das sind fünf Mal mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres“, so Wallraff. Auch telefonische Anfragen hätten zugenommen. Dennoch sagte Wallraff: „Wir fordern alle Unternehmen auf, sich zunächst telefonisch an uns zu wenden, ob sie unter das Embargo fallen.“

Und trotzdem würden das Problem und das Volumen des Handels mit Russland überschätzt. „Bei Russland machen sich viele falsche Vorstellungen. Das Land ist im Grunde kein Top-Player für die deutsche Industrie“, betont der Bafa-Präsident. „Hinter Belgien liegt es auf Platz 11 der Exportstatistik, hat 2013 nur gut 3 % unserer Ausfuhren aufgenommen.“

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Von Axel Mörer-Funk
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