03.06.2013, 10:38 Uhr | 0 |

Berlin profitiert stark Universitäten bringen viel Geld in die Region

Studenten liegen dem Steuerzahler auf der Tasche und Hochschulen verschlingen Unsummen. Falsch. Eine Berliner Studie verdeutlicht, dass Universitäten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für eine Region sind.

TU Berlin
Á

Das Land Berlin profitiert erheblich von den Berliner Universitäten: Allein das Berliner Steueraufkommen steigt dank der Hochschulen um 120 Millionen Euro. Durch ihre Nachfrage sichern sie zudem zusätzlich 10 400 Arbeitsplätze.

Foto: TU Berlin

Universitäten sind nicht nur Geldschlucker, sondern, im Gegenteil, Cash Cows – wichtige Wirtschaftsfaktoren für eine Region. Eine vergangene Woche in Berlin veröffentlichte Studie belegt das einmal mehr, stellvertretend für andere Regionen: 1,7 Mrd. € an regionaler Bruttowertschöpfung erwirtschafteten die vier Berliner Universitäten zusammen im Jahr 2011. Demgegenüber stehen 840 Mio. € an Steuergeldern, die im selben Jahr insgesamt vom Land in die Technische Universität (TU), die Freie Universität (FU), die Humboldt-Universität (HU) und in die Universität der Künste (UdK) flossen. 1 € Invest brachte demnach rund 2 € Gewinn für Berlin. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten (Stand: 2011) des DIW econ, einer Tochterfirma des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Bereits 2008, als DIW econ eine ähnliche Untersuchung nur für die Technische Universität Berlin durchgeführt hatte, sagte Studienleiter Ferdinand Pavel: "Das Argument, die Universitäten verschlängen Jahr für Jahr immer mehr Geld und seien unwirtschaftlich, ist somit unhaltbar."

 Berliner Unis erzeugen Steuereinnahmen von 120 Millionen Euro

14 400 Menschen seien an den vier Hochschulen beschäftigt, weitere 10 400 Arbeitsplätze seien 2011 in der Berliner Wirtschaft durch die Nachfrage der Universitäten und der beschäftigten Mitarbeiter nach Dienstleistungen und Gütern entstanden, erläuterte TU-Präsident Jörg Steinbach. All diese Erwerbstätigen brächten dem Land Berlin ein Steuereinkommen von knapp 120 Mio. € pro Jahr: "Das ist kein Taschengeld."

Wobei die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen breit gefächert ist und von der Reinigungsfirma über Supermärkte, Restaurants und Theater bis hin zum Klavierunterricht für die Kinder der Uniangestellten reicht.

In diesem Zusammenhang noch eine Zahl: Allein die 96 000 Studierenden der vier Universitäten bescherten der Wirtschaft durch ihren Konsum hohe Einnahmen – sie gaben 2011 zusammen rund 1 Mrd. € aus.

Tatsächlich wäre man im Land Berlin dumm, wenn man den "Wirtschaftsfaktor Wissenschaft" nicht hegen und pflegen würde – schon allein mangels nennenswerter Industrie in der Region. Neben den vier Universitäten sind in der Hauptstadt noch 27 weitere Hochschulen sowie 30 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beheimatet.

Berlin muss sich stärker als Wissenschaftsstandort verstehen

Jan-Hendrik Olbertz, Präsident der Humboldt-Universität, meint: "Durch die Berliner Universitäten haben sich jeweils eigene Arbeitsmärkte entwickelt." Die Humboldt-Universität etwa habe rund ein Drittel ihrer Arbeitsplätze durch Drittmittelprojekte selbst geschaffen. Fest stehe jedenfalls, dass die Hochschulen als "langfristige und mittelbare Kräfte" wirkten. Olbertz betonte, es müsse sich vor allem bei der Landesregierung die Überzeugung durchsetzen, "dass Wissenschaft Gesellschaft und Wirtschaft weiterbringt, Berlin sich also noch mehr als bislang als Wissenschaftsstandort wahrnehmen muss".

Die vier Universitäts-Präsidenten hoffen vor allem im Hinblick auf die anstehenden Budget-Verhandlungen auf die Überzeugungskraft der DIW econ-Studie. Denn alle staatlichen Berliner Hochschulen zusammen – die Universitäten, die Universitäts-Medizin, sieben Fachhochschulen und vier Kunsthochschulen – benötigen bis 2017 einen Aufwuchs der Landesmittel um 174 Mio. €, "um auf dem hohen Niveau weitermachen zu können", erklärte Jörg Steinbach.

Die Berliner sind nicht die Einzigen, die sich von Wirtschaftlichkeitsstudien mehr finanziellen Rückhalt durch die jeweiligen Landesregierungen erhoffen. In Laufe des letzten Jahres gingen unter anderem auch die Technische Universität (TU) Darmstadt, die Universität Halle-Wittenberg und zuletzt auch die Universität des Saarlandes mit entsprechenden Zahlen an die Öffentlichkeit.

Auch Uni Halle-Wittenberg ist ein Motor für die Region

In Halle-Wittenberg kam eine uni-interne Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, die jährlichen Landesmittel von 187 Mio. € lösten in der Region Gesamtausgaben (Konsum, Dienstleistungen, Mieten etc.) von 506 Mio. € aus. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2010. Eine ähnliche Studie aus dem Jahr 2000 belegt den positiven Effekt – der sich 2010 deutlich gesteigert hat.

Die von der Arbeitskammer des Saarlandes in Auftrag gegebene Studie über die Universität des Saarlandes konzentriert sich auf die Effekte, die Studierende und Absolventen auslösen. Bislang liegen allerdings nur Teilergebnisse vor: Demnach geben die gut 19 000 Studierenden pro Jahr im Saarland 82 Mio. € für Lebensunterhalt und Miete aus. Insgesamt sorge die Universität für jährlich rund 450 Mio. € an Umsatz und Steuereffekten, erläutert Projektleiter Eike Emrich, Professor am Sportwissenschaftlichen Institut der Universität. Dem stünden investierte Landesmittel von 190 Mio. € gegenüber.

Die TU Darmstadt ließ, ebenfalls von DIW econ, 2012 gleich auch die bundesweiten Effekte auf die Wirtschaft untersuchen. So kommt die hessische Universität mit ihren Beschäftigten und Studierenden auf einen regionalen Wertschöpfungseffekt von 484 Mio. € und einen Beschäftigungseffekt von 10 000 Beschäftigten (Stand: 2010).

Bundesweit betrachtet liegt der Wertschöpfungseffekt bei 700 Mio. €, der Beschäftigungseffekt bei 13 000 €. Dem stehen öffentliche Landesmittel von 270 Mio. € gegenüber. Die Autoren der Studie führen dieses Ergebnis zum einen auf die hohe Drittmittel-Aktivität der TU zurück, zum anderen auf den Konsum der Studierenden – von denen viele aus anderen Städten wie Frankfurt nach Darmstadt pendeln.

"Wissenschaft ist der wichtigste Rohstoff der Zukunft. Vor allem auch für Regionen, die drohen, in wirtschaftlicher und demografischer Hinsicht in die Peripherie abzurutschen", sagte dazu schon vor Jahren Ulf Matthiesen, Professor für Europäische Ethnologie an der Berliner Humboldt-Universität und Autor des Buches "Stadt und Wissen".

Anzeige
Von Mareike Knoke | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden