22.01.2016, 08:09 Uhr | 0 |

PRODUKTION IN DEN USA Trumps Plan würde iPhones extrem teuer machen

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump will Apple zwingen, seine Geräte nur noch in den USA fertigen zu lassen statt in China. Doch das würde ein iPhone wohl zwei- bis dreimal so teuer machen wie bisher.

US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump
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Der umstrittene US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump (Republikaner) will Apple dazu zwingen, statt in China in den USA zu produzieren. Damit Arbeitslose in der Heimat einen Job bekommen. Dabei hat Apple nach eigenen Angaben bereits allein in den USA rund 1,9 Millionen Jobs geschaffen. 

Foto: Tannen Maury/dpa

Donald Trump ist immer für einfache Rezepte zu haben. Wenn man Muslime einfach nicht einreisen lässt, gibt es auch keinen Terror. Und wenn Apple seine iPhones und andere Geräte nicht mehr in China, sondern in den USA herstellen lässt, dann gibt es viel mehr gute Jobs für gute Amerikaner. So etwa stellt sich das der Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner vor. Nicht etwa als vage Vision, nein: „Wir werden das tun!“ polterte Trump jetzt vor Studenten. Und sprach von den „verdammten Computern“ und diesen – „Dingen“.

Es wird nicht so kommen, weil niemand die unternehmerische Freiheit abschaffen kann, zu der unter anderem die freie Wahl des Produktionsstandortes gehört. Und weil auch Trump selbst das ja gar nicht wirklich will – schließlich verdankt er dieser Freiheit sein Milliardenvermögen. Aber mal angenommen, es käme doch so: Was dann?

Mindestlohn würde Kosten hochtreiben

Dann würde ein iPhone mindestens doppelt, wenn nicht dreimal so teuer wie bisher. Das jedenfalls rechnet das Fachmagazin CNET vor. In einer sehr einfachen Kalkulation, die sich nur nach dem Vergleich der Löhne richtet. Während nämlich ein Arbeiter in einer der chinesischen Fabriken, die für Apple produzieren, nur rund 400 $ pro Monat verdient, bekäme einer in den USA mindestens gut 800 $. Und das auch nur, wenn die Fabrik in Wyoming oder Georgia sitzt, wo mit 5,15 $ der niedrigste gesetzliche Mindestlohn in den Vereinigten Staaten gilt.

In Kalifornien, wo Apple seinen Hauptsitz hat, liegt dieser Satz dagegen schon bei 9 $. Und damit, so CNET, wäre man schon beim dreifachen Preis für ein iPhone. Und das hieße: Das billigste Modell müsste in den USA knapp 2.000 $ kosten und in Europa um die 1.800 €.

Rechnung ist zu einfach

Die Rechnung ist natürlich zu einfach. Schon deshalb, weil sie den Lohn als einzigen Kostenfaktor ansetzt. Möglicherweise stünden dem ja Einsparungen bei Logistik und Transport gegenüber? Oder das iPhone müsste sogar noch teurer werden, weil beispielsweise die Produktion aufgrund schärferer Umweltauflagen viel teurer wäre? Und was ist mit der 60-Stunden-Woche, die in China möglich ist? Die gibt es nicht einmal in Wyoming.

epa04922731 Apple CEO Tim Cook speaks about the new iPhone 6S and 6S Plus at an Apple launch event at the Bill Graham Civic Auditorium in San Francisco, California, USA, 09 September 2015. Media reports indicate a launch of updated iPhone models, updated iPads and a new Apple TV are expected at the event titled in an invitation from Apple as 'Hey Siri, give us a hint.' EPA/MONICA DAVEY +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 6: Eine Reaktion auf Donald Trumps Idee, nicht mehr in China zu produzieren, blieb bislang aus. Lohnt sich eh nicht.  

Foto: Monica Davey/dpa

Sicherheitshalber zitiert CNET noch eine Branchenanalystin, die die Kalkulation stützt. Eine Verdopplung des Preises bei Produktion in den USA sei eine konservative Schätzung, meint demnach Carolina Milanesi.

1,9 Millionen Apple-Jobs allein in den USA 

Unrealistisch ist sie jedenfalls sicher nicht. Unrealistisch ist indes auch nicht, dass Donald Trump für die Republikaner in den Wahlkampf ums Präsidentenamt ziehen wird. Schließlich liegt er mit rund 35 % Zustimmung in den Umfragen unter den Bewerbern seiner Partei weit vorn, und das seit Monaten.

Dennoch ist von Angst bei Apple nichts zu spüren. Dass Trumps Idee Unfug ist, weiß man hier ohnehin, kommentiert wird das nicht. Abgesehen davon hat Firmenchef Tim Cook erst Anfang Januar ein paar beeindruckende Zahlen vorgelegt. Demnach hat Apple allein in den USA rund 1,9 Millionen Jobs geschaffen. Direkt oder indirekt arbeiten also rund 1,3 % aller Erwerbstätigen in den Vereinigten Staaten für Apple, das mit fast einer halben Billion Dollar Marktkapitalisierung nach wie vor das wertvollste Unternehmen der Welt ist.

Trump griff auch schon Ford an

Und an denen will sich ein Donald Trump vergreifen? Üblicherweise zielt der Immobilien-Tycoon vor allem auf Ford ab, wenn er die Produktion im Ausland geißelt. Mit Blick auf den Autobauer hat er bereits angekündigt, als Präsident eine Steuer von 35 % auf im Ausland hergestellte Waren zu erheben. Zuletzt tat er das in einer Rede, in der er für den freien Welthandel warb.

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Von Werner Grosch
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