05.11.2013, 12:10 Uhr | 0 |

Gates rüffelt Zuckerberg Kampf gegen Krankheit und Hunger wichtiger als Internet für alle

Der junge Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat sich für seine Forderung, dass vorrangig alle Menschen auf der Welt einen Internetanschluss bekommen sollten, einen Rüffel des IT-Pioniers Bill Gates eingehandelt. Der Microsoft-Gründer hält Internet in Entwicklungsländern, wo die Menschen ums Überleben kämpfen, für überflüssig. Der Kampf gegen Hunger und Kindersterblichkeit stehe dort an erster Stelle.

Bill Gates in Nigeria
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Microsoft-Gründer Bill Gates bei einer Impfung gegen Kinderlähmung in Nigeria: Gates hat die Reichen der Welt aufgefordert, mehr gegen die Not in der Welt zu tun. Die Forderung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dass der Anschluss aller Menschen ans Internet Priorität haben muss, hält Gates für Unfug.

Foto: Gates Foundation

Damit kritisiert Gates das Projekt internet.org, mit dem sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg für die Vernetzung der Welt stark macht. „Einen Witz“ nennt Gates, der weltweit flächendeckenden Vernetzung Priorität einzuräumen, wie das Zuckerberg gefordert hat. „Ich liebe diese IT-Sache“, sagt der 58-jährige Milliardär der Financial Times. „Aber wenn man Leben verbessern will, muss man sich mit elementareren Dingen wie der Kindersterblichkeit und -ernährung beschäftigen.“

Hilfe durch Technologie dauert zu lange

Seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft bei Microsoft 2008 arbeitet Bill Gates vor allem für die von ihm gegründete „Bill & Melinda Gates Foundation“. Die hat einen ihrer derzeitigen Schwerpunkte im Kampf gegen Malaria. „Nehmen Sie den Malaria-Impfstoff, dieses verrückte Ding, an das ich denke“, erklärt Gates im Interview mit der Financial Times. „Was ist bedeutender, Internetverbindungen oder ein Malaria-Impfstoff? Wenn man denkt, Verbindungen sind der Schlüssel, mag das großartig sein. Ich denke das nicht.“ Vor allem, so sagt er, könne Technologie den Menschen nicht in der kurzen Zeit helfen, in der das nötig sei.

„Das Vernetzen der Welt ist eine der größten Herausforderungen unserer Generation“, hatte Zuckerberg bereits im August gesagt. Nur 2,7 Milliarden Menschen seien an das Internet angeschlossen, fünf weitere Milliarden sollen seiner Ansicht nach folgen. Sein Ziel und das der IT-Branche müsse sein, das zu ermöglichen. Gates ist bekannt für seine kritischen Äußerungen über andere IT-Größen. Bereits im August hatte er ein Google-Projekt kritisiert, das mit Hilfe spezieller Ballons Internetverbindungen in entlegene Gegenden bringen will.

Jährlich vier Milliarden Dollar für weltweite Gesundheit

Gates engagiert sich schon seit vielen Jahren für Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern. 1997 gründete er mit seiner Frau zusammen die nach ihnen benannte Stiftung. Sie spendet jedes vier Milliarden US-Dollar – das ist knapp die Hälfte der Summe, die die US-Regierung 2012 für internationale Gesundheitsinitiativen ausgegeben hat. Der Schwerpunkt der Gates-Stiftung liegt derzeit auf der Bekämpfung von Malaria und einigen Impf-Programmen, unter anderem Impfungen gegen Kinderlähmung.

Andere Vermögende sollten sich besser auch für Krankheitsbekämpfung einsetzen, fordert der Milliardär. Ihm sei vollkommen unklar, warum es so viele Milliardäre gibt, die lieber einen neuen Museumsflügel finanzieren, anstatt das Geld für Krankheitsprävention oder für den Kampf gegen Erblindung zu nutzen.

Gemeinsam mit Warren Buffett startete Gates vor drei Jahren die Initiative „The Giving Pledge“ – zu deutsch: Das Versprechen, etwas herzugeben. Darin versammeln sich US-amerikanische Superreiche mit dem Versprechen, einen Teil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zur Verfügung zu stellen. Die Initiative hat heute 105 Mitglieder – neben anderen auch Mark Zuckerberg.

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Von Andrea Ziech
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