15.04.2015, 13:39 Uhr | 0 |

EU-KARTELLVERFAHREN Google droht Bußgeld von sechs Milliarden Euro

Nach fünfjährigen Ermittlungen hat die Europäische Union jetzt beschlossen, gegen Google ein Verfahren wegen des Missbrauchs seiner Marktmacht einzuleiten. Die konzerneigene Suchmaschine präsentiere vor allem eigene Produkte, so der Vorwurf. 

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat Verfahren gegen Google eingeleitet
Á

EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager hat ein formelles Verfahren gegen Google eingeleitet. 

Foto: Julien Warnand/dpa

Google ähnelt einem Kraken, der seine Tentakel nahezu überallhin ausstreckt. Er bietet mit Google Flight Flüge und mit Google Shopping Waren an. Was ja nichts Schlimmes ist. Trotzdem will die Europäische Union in einem Kartellverfahren dagegen vorgehen. Denn sie und Google-Konkurrenten behaupten, der Internet-Gigant aus Kalifornien präsentiere bevorzugt eigene Angebote, wenn es entsprechende Suchanfragen gebe. Das Bußgeld kann bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes betragen, also etwa sechs Milliarden Euro.

Klageschrift ist bei Google gelandet

Fünf Jahre lang haben Experten der EU ermittelt. Jetzt hat, so die US-Wirtschaftszeitung  „Wallstreet Journal“, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager entschieden, gegen Google vorzugehen. Die Klageschrift, in der alle Vorwürfe aufgelistet sind, wurde am 15. April übermittelt.

Die Kalifornier wehren sich schon, bevor das Verfahren begonnen hat. Das konzerneigene Shoppingportal liege beispielsweise weit abgeschlagen hinter Konkurrenten wie Ebay und Amazon. Doch die EU scheint mehr im Köcher zu haben. Zeitweise war selbst die Zerschlagung des weit verzweigten Konzerns mit einem gigantischen Produktangebot im Gespräch.

Googles große Töchterschar

Die bekannteste Google-Tochter ist der zugekaufte Videodienst YouTube. Mit Nest Labs und Boston Dynamics engagiert sich Google im Bereich Automatisierung, unter anderem, um im Zukunftsmarkt automatisches Autofahren zumindest mitzuhalten. Mit Boston Dynamics hat der Internet-Riese sogar einen Fuß in der Forschung für das US-Militär.

ILLUSTRATION - Auf einem Computermonitor in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) ist am 15.04.2015 in der Suchmaske der Google-Webseite der Begriff "EU-Kommission droht Google" zu sehen (gestelltes Foto). Im Streit um die Marktmacht von Google droht die EU-Kommission dem Suchmaschinenbetreiber mit einer Milliardenstrafe. Es sind vor allem die prominent platzierten Treffen aus der Preissuchmaschine Google Shopping, die der EU-Kommission ein Dorn im Auge sind. Foto: Jens Büttner/dpa (zu dpa "EU-Kommission droht Google mit Milliardenstrafe" am 15.04.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
Á

Im Streit um die Marktmacht von Google droht die EU-Kommission dem Suchmaschinenbetreiber jetzt offiziel mit einer Milliardenstrafe. Es sind vor allem die prominent platzierten Treffer aus der Preissuchmaschine Google Shopping, die der EU-Kommission ein Dorn im Auge sind. 

Foto: Jens Büttner/dpa

Google Ventures finanziert Innovationen von jungen Unternehmen, das Forschungslabor Google X sorgt selbst für innovative Entwicklungen. Dazu kommen mehrere Softwareunternehmen wie ITA und On2. Und mit dem Android-Betriebssystem ist Google eine Marktmacht bei Smartphones. Da wünscht sich mancher, der Vorstoß der EU könne den Giganten ein wenig zurechtstutzen.

Kartellverfahren könnte lange dauern

Ob es dazu kommt ist allerdings fraglich. Wenn das Kartellverfahren eröffnet wird, hat der Konzern drei Monate Zeit, Einsprüche zu formulieren und Zugeständnisse zu machen, damit es nicht zum Schlimmsten kommt. Sollte das nichts helfen bliebe noch der Gang zum Europäischen Gerichtshof. Das kann dauern, möglicherweise auch aus EU-Sicht scheitern.

US-Handelskommission machte 2012 Rückzieher

Schon die US-Handelskommission traute sich nicht, Google zu attackieren, obwohl sie in einem Gutachten minuziös aufschlüsselte, wie der Konzern seine Suchmaschine nutzte, um Wettbewerber abzuhängen. Das Verfahren wurde 2012 eingestellt.

Bange machen gilt nicht, wiegelt Google ab. In einem Papier mit Gegenargumenten gegen die EU-Vorwürfe heißt es: „Wir sind in einer guten Ausgangsposition.“ Das glaubte 2013 auch Microsoft. Der Softwareriese musste wegen Missbrauchs seiner Marktmacht 561 Millionen Euro an die EU zahlen. Heute gehört Microsoft zu den unzähligen Google-Kritikern.

Anzeige
Von Wolfgang Kempkens
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden