20.05.2014, 16:00 Uhr | 0 |

Industriespionage per Internet Die USA erheben Anklage gegen fünf chinesische Militärs

Erstmals werfen die USA China offiziell Cyberspionage vor: Ein Gericht in Washington D.C. hat fünf Mitglieder des chinesischen Militärs wegen Hackerangriffen auf US-Firmen angeklagt. Das FBI hat die Offiziere zur Fahndung ausgeschrieben. 

Cyber-Spionage
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Die USA haben fünf chinesische Militärs wegen Cyber-Spionage zur Fahndung ausgeschrieben. Ein Gericht in Washington D.C. hat die Männer wegen Hackerangriffen auf US-Firmen angeklagt.

Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Mitten im Zentrum von Shanghai arbeitet eine Spezialeinheit der Volksbefreiungsarmee Chinas. Diese “Einheit 61398” beschäftigt sich mit zwei Aufgaben, Industriespionage und Cyber-Angriffen auf ausländische Computer aller Art. Nun haben die Amerikaner fünf mutmaßliche militärische Täter auf die Fahndungsliste gesetzt. 

Das FBI sucht fünf Offiziere der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Zwei von ihnen, Sun Kailiang und Gu Chun Hui, sind auf den Fahndungsphotos sogar in voller Uniform zu sehen. Allen fünf Gesuchten wird vorgeworfen, zum Schaden der amerikanischen Wirtschaft und der Sicherheit des Landes Cyber-Aktionen gegen Unternehmen in den USA ausgeführt zu haben. 

Fünf große amerikanische Unternehmen sollen ausspioniert worden sein

Die fünf Chinesen auf der FBI-Seite der “Meistgesuchten” werden teilweise auch mit ihren Alias-Namen genannt, so Huang Zhenyu, der auch unter dem Namen Hzx Lhx auftreten soll. Ein anderer Chinese, Wang Dong, soll sich des Pseudonyms “Ugly Gorilla” bedient haben. Zu den geschädigten amerikanischen Unternehmen zählen in erster Linie Alcoa, Westinghouse, die amerikanische Tochter des deutschen Unternehmens Solar World, US Steel und Allegheny Technologies. 

Was an Informationen bei den genannten amerikanischen Unternehmen aus den Computern entwendet worden ist, differiert sehr stark. Bei dem Aluminiumproduzenten Alcoa geht es vor allem um neuartige Legierungen, die das leichte Aluminium fast so hart und widerstandsfähig wie Stahl machen können. Bei dem Stahlproduzenten US Steel geht es ebenfalls um metallurgische Details. Bei Westinghouse interessierte die Chinesen die amerikanische unternehmensinterne Seite der laufenden Verhandlungen über Kerntechnik-Lieferungen aus den USA nach China. Und bei Solar World ging es um Preise – den Cash-Flow und laufende Prozesse in Verbindung mit dem Solar-Preisstreit zwischen den USA und China.

Sofortiger scharfer Protest des chinesischen Außenministeriums

Die amerikanischen Fahndungsveröffentlichungen haben das Außenministerium in Beijing umgehend zu einer scharfen Erklärung veranlasst: “Die chinesische Regierung, das Militär des Landes sowie die hier Tätigen haben niemals Online-Diebstähle von Handelsinformationen begangen.”

epa04214254 An undated handout photograph made available by the US Federal Bureau of Investiigation (FBI) shows Sun Kailiang. Reports state on 19 May 2014 that Sun Kailiang along with four other Chinese Army Officers are being sought by the FBI after they have been charged with hacking into US companies in the first cyber-espionage case of its kind. EPA/FBI / HANDOUT BEST QUALITY AVAILABLE HANDOUT EDITORIAL USE ONLY +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Nach Sun Kailiang und vier
weiteren chinesischen Militärs
wird in den USA gefahndet. 

Foto: dpa

Aus amerikanischer Sicht ist die Aufgabe der Einheit 61398 in Shanghai natürlich nicht in erster Linie Wirtschaftsspionage sondern militärische Spionage. De facto ist beides jedoch eng miteinander verknüpft, wie schon das besondere Interesse der Chinesen an metallurgischen Einzelheiten neuer Legierungen verrät. Je schärfer die Auseinandersetzungen der beiden wirtschaftlichen Großmächte auf den Weltmärkten werden, desto mehr Bedeutung bekommen auch Informationen aus den wichtigen Unternehmen auf diesen Märkten.

Die Amerikaner fürchten auch Huawei

Als eine zusätzliche Speerspitze der chinesischen Industriespionage in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern der westlichen Welt wertet die Regierung in Washington allerdings nicht nur die genannte Einheit 61398 sondern zugleich auch das chinesische Unternehmen Huawei. Letzteres produziert in großem Umfang modernste Telekommunikationsausrüstungen und verkauft diese größtenteils auf westlichen Märkten.

Die amerikanische Seite befürchtet seit längerem, dass Huawei manche dieser Ausrüstungen so programmiert hat, dass sie zur Industriespionage besonders gut herangezogen werden können. Nachzuweisen war das bisher aber nicht. Immerhin aber hat die amerikanische Regierung so manche Huawei-Geschäfte in den Vereinigten Staaten stark behindert oder sogar unmöglich gemacht.

Die möglichen Folgen der amerikanischen Fahndung

Mit der amerikanischen Fahndung ist den fünf Chinesen auch die Reisemöglichkeit in viele andere Länder genommen, wo sie ebenfalls festgenommen und nach Amerika ausgeliefert werden könnten. Wichtiger allerdings ist aus amerikanischer Sicht die Abschreckung, die davon ausgeht, dass das chinesische Spionage-Vorgehen derart öffentlich gemacht wird.

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Von Peter Odrich
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