05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Innovation Die Kluft in der EU bei Innovationen wird breiter

Skandinavien und Deutschland glänzen mit Innovationen, die Mittelmeerländer verlieren in Sachen internationaler Wettbewerbsfähigkeit auf Zukunftsmärkten weiter an Boden.

EU-Fahne
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Frischer Wind würde beim Thema Innovationen vor allem den südeuropäischen Ländern innerhalb der EU gut tun.

Foto: dpa

Der vor Kurzem vorgestellte Innovationsbericht 2013 der EU-Kommission wirft ein Schlaglicht auf die unausgewogene Innovationsleistung innerhalb der EU: Die Kluft zwischen den boomenden Nordlichtern Schweden, Dänemark, Deutschland (an zweiter Stelle EU-weit) und Finnland einerseits und den von Euro- und Wirtschaftskrise gebeutelten Mittelmeerländern Italien, Spanien, Griechenland und Zypern andererseits, verstärkt sich.

Die Sünden der Vergangenheit – zu wenige Investitionen in Forschung, Hochschulen und Wissenschaftlernachwuchs – rächt sich für die Südländer der EU zunehmend am Arbeitsmarkt und bei der Wirtschaftsleistung. Die inzwischen in Brüssel offiziell als "Programmländer" deklassierten Empfängerländer von Bankenrettungsprogrammen schneiden auch beim Innovationsranking unter den Schlusslichtern der 27 EU-Staaten ab. Nur Portugal wartet mit Innovationserfolgen, vor allem in der mittelständischen Wirtschaft, auf.

"Wir sind sehr besorgt über Italien und die große Gefahr, dass die südeuropäischen Länder ihr Innovationspotenzial für das kommende Jahrzehnt zu verspielen drohen", so EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn. Die italienische Regierung hatte zuletzt unter Berlusconi 2011 die Mittel für Italiens Hochschulen und Wissenschaftlernachwuchs um 300 Mio. € zusammengestrichen. Die Jugendarbeitslosigkeit kletterte 2013 auf über 30 %.

Gemessen an 24 Indikatoren, wie öffentliche Forschungsausgaben, Promotionsstudenten, Industrieforschungsleistungen, Patentanmeldungen, KMU-Innovationen und Hochtechnologiefirmen oder Auftritt bei Zukunftstechnologien, rangiert Italien, die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, unter dem EU-Durchschnitt. Nur Polen, Lettland, Rumänien und Bulgarien stehen schlechter da.

Im internationalen Vergleich hinkt die EU in Sachen Innovationskraft deutlich hinterher. Südkoreas Vorsprung vor der EU nimmt zu. Den Rückstand gegenüber den USA und Japan in den Bereichen Forschungsaufwendungen von Unternehmen, wissenschaftliche Publikationen und Patentanmeldungen sowie Hochschulbildung konnte die EU seit 2008 kaum aufholen. Schlecht sieht es in der EU weiterhin beim Thema Risikokapital aus. Finanzielle Spritzen für innovative Start-up-Firmen oder erfolgversprechende Tüftler finden sich zu spärlich in der EU. "Israel allein bringt mehr Venture Capital auf die Beine als die gesamte EU", lautet die Bilanz von Geoghegan-Quinn.

Bankenkrise und Euroturbulenzen hinterließen Spuren bei den Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen (FuE ) in der EU. Gemessen am EU-Bruttoinlandsprodukt (BIP) verzeichneten die FuE-Leistungen von öffentlicher Hand und Industrie zwischen 2007 (1,85 %) und 2011 (2,03 %) nur moderate Zuwächse. In elf von 27 EU-Mitgliedstaaten fiel die Forschungsförderung unter den EU-Mittelwert.

Dennoch ist die EU als Investitionsstandort weiterhin attraktiv. US-Unternehmen investierten im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 zehnfach stärker in Europa als beispielsweise in den Boomländern China und Indien zusammen.  THOMAS A. FRIEDRICH

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Von Thomas A. Friedrich | Präsentiert von VDI Logo
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