10.09.2013, 14:46 Uhr | 0 |

Fracking Chinesische Führung drängt massiv auf Schiefergas-Expansion

China hat ehrgeizige Fracking-Pläne, kommt aber bei der Schiefergas-Förderung nur im Schneckentempo voran. Unter anderem fehlt technisches Know-how, um so kostengünstig wie die USA fördern zu können.

Fracking in Pennsylvania
Á

Schiefergasförderung in Pennsylvania: Auch China setzt auf Fracking, kommt aber bislang nicht so zum Zuge, wie geplant. 

Foto: dpa

Dabei schätzen selbst Geologen wie die der US Energy Information Administration (EIA) die Vorräte an Shale- oder Schiefergas in China auf mindestens 50 Prozent höher als jene in den amerikanischen Lagerstätten. Um die bei Gas bisher hohe Import-Abhängigkeit zu verringern, plant Beijing die heimische Förderung schnell zu steigern, nämlich bis 2015 schon auf 6,5 Milliarden Kubikmeter und ab 2020 auf 100 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Viele Hindernisse bremsen die Expansion

Doch bisher sieht es nicht nach schnellem Fortschritt aus: Im ersten Halbjahr 2013 sind von 56 Explorationsbohrungen weniger als die Hälfte fündig geworden. Unter diesen 24 Quellen gibt es nur sechs, die täglich 10 000 Kubikmeter oder mehr Gas produzieren. Dafür gibt es Gründe:

Anders als in den USA wo sich Förderunternehmen auf Shalegas-Felder im Flachland wie North Dakota und Texas konzentrieren können, sind die chinesischen Lagerstätten in schwerer zugänglichem, großenteils gebirgigem Terrain wie Sichuan gelegen und liegen zugleich auch viel tiefer. In den trocken Zonen Chinas ist der hohe Wasserbedarf für das Fracking genannte Hydraulic Fracturing ein erhebliches Problem.

Chinesischen Unternehmen fehlt viel Know-how um Gas so kostengünstig zu fördern wie die amerikanischen Produzenten. Technische Ausrüstung vom Bohr- bis zum Förder- und Aufbereitungsgerät von westlichen Zulieferern zu kaufen ist wegen der hohen Nachfrage dortiger etablierter Kunden zeitaufwändig und teuer.  

Kritiker in China bezweifeln die Wirtschaftlichkeit von Schiefergas. Chen Weidong, Forscher am Energy Economics Institute von CNOOC, dem staatlichen chinesischen Ölkonzern, spricht von 100 Millionen Renmimbi (Rmb) Kosten je erfolgreicher Bohrung, die sich für die Erreichung der Förderziele auf zwei Billionen Rmb (rund 327 Milliarden US-Dollar oder 290 Milliarden Euro) addierten. Das soll aber wohl nur zur Abschreckung drohender Rivalen dienen. Die mehrheitlich staatlichen drei grossen Öl- und Gaskonzerne CNOOC, PetroChina and Sinopec halten 77 Prozent der heute schon fördernden Shalegas-Felder und über 80 Prozent der bisher entdeckten Gasvorkommen in China.

Konkurrenz gibt es bisher kaum

Der Versuch Beijings, mehr Wettbewerb in die Shalegas-Förderung zu bringen und Unternehmen wie Huaying Shanxi Energy, China Huadian sowie Konsortien aus den einzelnen Provinzen, in denen Shalegas lagert, in die Förderung zu integrieren, ist bisher am Widerstand der Großen gescheitert. Ausländische Konzerne mit Erfahrung in der Schiefergas-Förderung anzulocken fällt Beijing ebenfalls schwer. Zum einen haben die Provinzen die Preise für explorierte Schiefergas-Vorkommen zu sehr in die Höhe getrieben, zum anderen lieben die Ölmultis keine Minderheitsbeteiligungen.

Kampf auch mit Korruption und Politik

Die ehrgeizigen Ziele in der Schiefergas-Förderung treffen auch noch mit Korruptionsskandalen in der chinesischen Energiewirtschaft zusammen. Wie weit es sich dabei wirklich um Wirtschaftskriminalität handelt oder ob es um politische Machtkämpfe geht, ist von aussen schwer zu beurteilen. Bisher kam traditionell ein Teil der chinesischen Führungselite aus dem Management von Daqing und Shengli, den beiden ältesten und grössten Ölfeldern des Landes.

Shengli heisst Sieg und die so genannten Shengliren, Manager aus Shengli, stiegen in die höchsten (Partei)-Ämter auf. Zhou Yongkang, der langjährige Vorstandschef der China National Petroleum Company (CNPC), der Muttergesellschaft von PetroChina und nach wie vor Chinas grösster Steuerzahler, gehörte zum ständigen Komittee des Politbüros. Doch in jüngster Zeit erleiden die früher siegreichen Shenliren politische Niederlagen. Viele sitzen wegen angeblicher Korruption hinter Gittern. Im Ausland sollen sie Milliarden für wertlose Ölbeteiligungen verschwendet haben, in China an Private angeblich unproduktive Öl- und Gasfelder billig verkauft haben, die danach kräftig sprudelten.

Anzeige
Von Peter Odrich
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden