02.09.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Kehrtwende in der Finanzpolitik China lässt private Banken zu

Die chinesische Regierung hat eine Kehrtwendung vollzogen und lässt nun wieder private Banken zu. 1956 hatten die damaligen maoistischen Machthaber sämtliche privaten Banken im Land verstaatlicht. Das Interesse an neuen Gründungen privater Banken scheint aktuell lebhaft zu sein. 

Bank of China in Beijing
Á

Die chinesische Bankenlandschaft soll vielfältiger werden. Nach der Verstaatlichung aller Institute 1956 soll es demnächst auch wieder private Banken geben. 

Foto: dpa/How Hwee Young

Das wesentliche Motiv für die Regierung in Beijing wieder private Banken zuzulassen, liegt in dem anhaltend hohen Kapitalbedarf unzähliger kleiner und mittlerer Unternehmen in China, die allesamt von den staatlichen Großbanken nicht mit Krediten versorgt werden.

Bisher versuchen die Unternehmen sich die erforderlichen Mittel vor allem von den rund 6000 so genannten Mikrokredit-Firmen zu verschaffen, die als Geldverleiher keineswegs anerkannt oder etwa lizenziert sind, die aber vom Staat bisher stillschweigend toleriert werden. Bei dieser Art der Kreditversorgung sind Skandale, vor allem Pleiten und Bestechungen, kaum zu vermeiden. Daraus resultieren aber immer wieder große Schwierigkeiten für die Unternehmen, die von den Mikrokredit-Firmen Geld geliehen haben.

Um nun die geordnete Finanzierung der Klein- und Mittelbetriebe zu ordnen und gleichzeitig zu sichern, sieht Beijing private Banken als beste Lösung an.  Damit werde es möglich, die Unternehmen von den Zwängen und Schwierigkeiten eines „Untergrund-Banking“ zu befreien.

Ähnliche Ansätze 

Mit Privatbanken liebäugelte selbst der frühere chinesische Premierminister Wen Jiabao, weil die großen Staatsbanken „zu leicht zu viel Gewinn machen“. 1996 kam es zu einer Gründung einer Bank mit privatem Kapital. Von einer  privaten Bank lässt sich bei diesem Institut namens Minsheng aber nicht sprechen, da die Kapitalmehrheit beim Staat lag. Der Staat bestimmte auch die Personalpolitik der Bank.

 2004 gab es dann einen neuen Versuch in Gestalt der Gründung der China Zheshang Bank, die zu 85 Prozent mit privatem Kapital ausgestattet war. Der Staat hielt aber immer noch 15 Prozent und behielt sich das Recht vor, alle Positionen des oberen Managements zu besetzen. Erst jetzt wird der Weg für rein private Banken in China frei. Der chinesische Staatsrat hat dazu eine zehn Punkte umfassende Direktive verabschiedet.

Großes Interesse

Allem Anschein nach ist das Interesse bemerkenswert groß. Es gibt sogar schon einen ersten Antrag auf eine Lizenz als Private Bank. Gestellt wurde dieser Antrag vom Inhaber eines großen Elektrogerätegeschäfts in Shanghai namens Suning Commerce.  Ein Anzeichen für das Interesse ist auch, dass schon zahlreiche Firmennamen mit dem Namensbestandteil „Bank“ zum Schutz  angemeldet worden sind.  Sogar der große chinesische Internet Provider Alibaba hat angekündigt, eine eigene Privatbank gründen zu wollen.

Langsamer Prozess

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Zulassungsprozess für die privaten Banken durch viel Bürokratie gekennzeichnet sein und dementsprechend langsam ablaufen. Insofern ist davon auszugehen, dass es binnen Jahresfrist wohl kaum mehr als ein halbes Dutzend Privater Banken in China geben wird. Eine wichtige Frage, die noch geklärt werden muss, ist das Recht zur Zinsfestlegung. Privatbanken können nur dann wirklich aktiv am Markt agieren, wenn sie für Einlagen und Kredite die Zinsen selbst festlegen dürfen. Und das ist bisher noch nicht gesichert.

Anzeige
Von Peter Odrich
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden