28.08.2013, 13:39 Uhr | 0 |

Telekommunikation Breitband ist Präsidentensache

Der französische Präsident François Hollande hatte schon bei seinem Amtsantritt Hochleistungsnetze zur Chefsache erklärt. Jetzt geht es in unserem Nachbarland voran. Ausschreibungen laufen, in 20 Jahren sollen 10 Mrd. € investiert werden und eine neue öffentliche Stelle soll alles koordinieren.

Frankreichs Präsident François Hollande will das ganz Land mit breitbandigen Netzen versorgen.
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Für Frankreichs Präsident François Hollande steht fest: "Breitband soll eine Priorität für unser Land sein." Er und seine Regierung wollen überall im Land Schulen und Unternehmen mit breitbandigen Netzen versorgen. 

Foto: dpa

"Breitband soll eine Priorität für unser Land sein", sagte François Hollande bei seinem Amtsantritt im April 2012. Ganze 60 Ideen hatte er aufgelistet, um die Grande Nation auf Niveau zu halten. Im November 2012 wurde die Situation der Höchstleistungsnetze im Rahmen der "Mission très haut débit" untersucht. Dann ging es Schlag auf Schlag.

Im Februar dieses Jahres präsentierte die Regierung ihren Fahrplan im Rahmen eines Regierungsseminars in Gennevilliers. Das Ziel gab Fleur Pellerin, Ministerin für kleine und mittlere Unternehmen, Innovation und digitale Wirtschaft, vor: In zehn Jahren soll die gesamte Bevölkerung des flächenmäßig größten Staates der EU Zugang zu Höchstleistungsnetzen haben. Darunter versteht sie Netze mit über 50 Mbit/s bei Festnetzen und einer Leistung von mehr als UMTS oder einigen Dutzend Mbit/s bei Mobilnetzen.

Zum Vergleich: Die Breitbandstrategie der Bundesregierung sieht eine flächendeckende Versorgung mit mindestes 50 Mbit/s bis 2018 vor. Unter Breitband fallen aber recht unterschiedliche Kategorien, von DSL-Netzen über Satelliten bis hin zu Glasfasernetzen.

Regierung hofft auf 20 000 neue Arbeitsplätze

Die neuen Netze in Frankreich sollen hochauflösendes Fernsehen, Video-on-Demand, Videokonferenzen und Telearbeit fördern oder möglich machen. Die Regierung des vor allem von Jugendarbeitslosigkeit betroffenen Landes hofft auf rund 20 000 neue Arbeitsplätze. Langzeitkredite sollen Kreise, Kommunen und regionale Verwaltungseinheiten zum Mitmachen bewegen.

Nach und nach sollen Glasfaserkabel Kupferkabel ersetzen. Aktuell führt France Télécom ein Experiment in Palaiseau durch, um daraus Erkenntnisse für die Einführung von Höchstleistungsnetzen in ganz Frankreich zu gewinnen. Mitte 2014 soll ein erster Bericht vorliegen.

Glasfaserkabel können zwar große Datenmengen über weite Entfernungen transportieren, aber das Verlegen ist sehr teuer. Deswegen beschränken sich Betreiber gern auf dicht besiedelte Gebiete. Frankreich will Glasfaserkabel aber auch in ländlichen Gebieten verlegen.

Minister stehen hinter Hollandes Plänen für ein schnelles Internet

Im Übrigen ist Breitband nicht gleich Breitband. Laut EU gibt es große Unterschiede zwischen einzelnen Mitgliedstaaten. DSL-Anschlüsse in Großbritannien und Frankreich bieten Verbrauchern laut einer EU-Studie nur etwas mehr als 40 % der beworbenen Geschwindigkeit und damit erheblich weniger als der Durchschnitt von 60,3 %. Deutschland hingegen liege mit 75,1 % deutlich darüber. Ein möglicher Grund dafür seien unterschiedliche Werbepraktiken in den einzelnen Ländern.

Seit der französische Präsident die Richtung vorgegeben hat, folgen alle seine Minister. Erziehungsminister Vincent Peillon sagte anlässlich der Unterzeichnung einer Konvention zum Ausbau von Höchstleistungsnetzen, Schulen sollten davon profitieren. Laut Regierung werden dadurch einkommensbedingte Klassenunterschiede ausgeglichen.

Pellerin stellte Mitte Juni eine erste Bilanz des "Fonds Ambition Numérique" vor, der kleinen und mittleren Unternehmen auf dem Weg ins Cyberzeitalter helfen soll. Dazu steigt der mit 300 Mio. € ausgestattete Fonds als Minderheitsaktionär bei Unternehmen mit bis zu 10 Mio. € ein.

40 Unternehmen sollen vom Fonds profitieren

Bislang profitieren nach 18 Monaten 14 Unternehmen davon, in die 33 Mio. € investiert wurden. "Am Ende werden es 40 Unternehmen sein", freute sich Pellerin. "Der Fonds Ambition Numérique unterstreicht den Willen der Regierung, Start-ups in diesem Bereich zu begleiten und somit das Entstehen von führenden französischen Unternehmen am Markt zu unterstützen." Die Datenversorgung hat auch eine politische Dimension. "Sie ist ein außerordentlicher Verstärker, um die Rolle des Staates zu modernisieren und unsere Demokratie zu beleben", meint die Mittelstandsministerin. Neben republikanischen Werten geht es aber vor allem um Wettbewerbsvorteile für französische Unternehmen.

Seit März hat die Regierung Netze ausgeschrieben. Damit im zentralisierten Frankreich alles geordnet läuft, kümmert sich eine neu geschaffene Stelle um die Planung und Durchführung der Datennetzautobahnen.

Auch Premierminister Jean-Marc Ayrault nannte in einer Rede Anfang Juli Höchstleistungsnetze eine Priorität. Das ist aber nichts Neues. Denn schon Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy wollte, dass 4,5 Mrd. € in den Ausbau des schnellen Internets investiert werden. Dies scheiterte an der fehlenden Unterstützung der Netzbetreiber.

Provider sollen besser eingebunden werden

Beim jetzigen Vorstoß sollen allerdings die Provider besser eingebunden werden. So könnten sich die Netzanbieter Informationen zufolge die Kosten teilen, die für den Ausbau in ländlichen Gebieten anfallen.

Nach den Planungen der Regierung in Frankreich soll ein Drittel der 20 Mrd. € von privaten Betreibern kommen. Dies könnte dabei vor allem in Regionen erfolgen, die dicht besiedelt sind. Das zweite Drittel der Summe könnte hingegen von den Kommunen und den Netzbetreibern stammen. Die restlichen Ausbaukosten, vor allem die Anschlüsse von eher nicht lukrativen Haushalten für die Telekommunikationsanbieter, könnten dann Regierung und kommunale Einrichtungen der Regierung übernehmen. Hollandes Amtszeit endet 2017. 

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Von Cordelia Chaton | Präsentiert von VDI Logo
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