14.11.2014, 06:51 Uhr | 0 |

Unternehmen brauchen Werkverträge Arbeitgeberpräsident: GDL-Streiks haben Tarifautonomie geschadet

Die wiederholten Bahnstreiks der GDL haben nach Meinung von Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Tarifautonomie geschadet. Gleichzeitig warnt der BDA-Präsident in einem Interview mit den VDI nachrichten die Bundesregierung, flexible Arbeitszeitmodelle zu beschränken.

Bahnstreik der GDL mit Interview von GDL-Chef Claus Weselsky
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Bahnstreik der GDL, Interview von GDL-Chef Claus Weselsky im Hauptbahnhof in Leipzig: Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sieht durch die Streiks der Spartengewerkschaft die Tarifautonomie geschädigt. Er begrüßt die Gesetzesinitiative von Arbeitsministerin Andrea Nahles zur Tarifautonomie.

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

„Die Tarifautonomie ist schon deutlich beeinträchtigt“, sagte Kramer im Gespräch mit den VDI nachrichten. „Wenn eine kleine Gewerkschaft jederzeit einen Streik auch dort anzetteln kann, wo es bereits einen Tarifvertrag gibt, wird die Tarifautonomie geschwächt. Das führt letztlich zu britischen Verhältnissen und zum Niedergang der Industrie.“ Deshalb sei es richtig, dass Arbeitsministerin Andrea Nahles die Tarifautonomie per Gesetz wiederherstellen wolle.

Arbeitgeber gegen jede Einschränkung des Streikrechts

Kleine Gewerkschaften wie die GDL hätten nicht das Recht, einen „kollidierenden Tarifvertrag“ für Mitarbeiter abzuschließen, die bereits unter den Tarifvertrag einer Mehrheitsgewerkschaft fallen. Allerdings lehnt Kramer mit Blick auf die kritisierten Bahnstreiks jede Einschränkung des Streikrechts ab. „Wir wollen keine staatliche Reglementierung der Gewerkschaften, und wir wollen auch nicht das Streikrecht außer Kraft setzen. Es geht darum, einen Mechanismus zu finden, der beide Seiten wieder aus dem Konflikt herausbringt.“

Zugleich hat der BDA-Präsident die Bundesregierung davor gewarnt, flexible Arbeitsverhältnisse weiter einzuschränken. Die Industrie brauche gerade jetzt Zeitarbeit und Werkverträge. „Die Konjunktur schwächt sich ab, die Folgen der Konflikte in der Ukraine und in der arabischen Welt sind nicht abzusehen. Die Regierung sollte deshalb alles unterlassen, was die Flexibilität der Unternehmen einschränkt, vor allem die Reglementierung von Zeitarbeit und Werkverträgen“, sagte Kramer den VDI nachrichten.

Missbrauch von Werkverträgen ist die Ausnahme

Der Arbeitgeberpräsident räumt zwar ein, dass es Missbrauch flexibler Arbeitsverhältnisse gibt. Aber dagegen könne sich jeder Beschäftigte wehren. „Wer glaubt, dass Missbrauch mit einem Werkvertrag vorliegt, kann dagegen vor Gericht ziehen. Ein neues Gesetz würde dagegen schon die Entstehung eines Werkvertrages behindern können“, so Kramer. „Mit dem Missbrauchsargument wird eine ganze Arbeitsform in Verruf gebracht. Wenn diese Kritik zu Einschränkungen führt, findet diese Form der Arbeitsteilung nicht mehr statt.“

Das vollständige Interview lesen Sie in der aktuellen Print- und digitalen Ausgabe der VDI nachrichten.

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Von Axel Mörer-Funk
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