01.05.2013, 17:00 Uhr | 0 |

Nachhaltigkeit „An Green Economy kommt künftig keiner mehr vorbei“

Die Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft in eine Green Economy ist bezahlbar und sozial verträglich. Das soll der Agenda-Prozess Green Economy zeigen, den das Bundesforschungsministerium gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium initiiert hat. Sascha Hermann, Geschäftsführer des VDI Technologiezentrums, das diesen Prozess begleitet, erläutert den Weg zur Nachhaltigkeit.

Bayer-Werk in Leverkusen
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Das Hauptwerk des Bayer-Konzerns in Leverkusen.

Foto: dpa/Oliver Berg

VDI nachrichten: Der Umweltgipfel Rio+20 im vergangenen Jahr ist hinter den formulierten Erwartungen geblieben. Tut sich überhaupt noch etwas beim Thema Nachhaltigkeit?

Hermann: Auf jeden Fall. Im Kern geht es darum, den alten und falschen Gegensatz von Umweltschutz und Wachstum zu überwinden. In Deutschland sind wir da auf einem guten Weg. In vielen anderen Teilen der Welt ist allerdings die Angst groß, dass westliche Umweltstandards den Zugang zu Wachstum und Wohlstand versperren könnten. Das wurde nicht zuletzt auf dem Rio+20-Gipfel deutlich. Wir sind daher in der Verantwortung, den Beweis anzutreten, dass die Transformation in eine Green Economy bezahlbar und sozial verträglich ist.

Genau darum geht es auch im Agenda-Prozess Green Economy, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium im Anschluss an Rio+20 initiiert hat. Dort erarbeiten Industrie- und Wirtschaftsverbände sowie Nicht-Regierungsorganisationen und Gewerkschaften gemeinsam mit der Wissenschaft eine Forschungsagenda für Deutschland. Das VDI Technologiezentrum begleitet diesen Prozess im Auftrag des BMBF.

Kann Green Economy einen Schub für nachhaltiges Denken bedeuten?

Die Green Economy stellt die Wirtschaft in den Mittelpunkt nachhaltigen Handelns. Diese Sichtweise hat den Vorteil, dass Volkswirtschaften und Unternehmen sehr viel direkter angesprochen werden, als mit dem allgemeinen Nachhaltigkeitsbegriff. Nur wenn die Wirtschaft die Nachhaltigkeit jenseits von Green Washing und Lobbyarbeit als Kernaufgabe begreift, sind echte Fortschritte möglich. Nötig sind Konzepte, Technologien und Geschäftsmodelle, die Wohlstand mit weniger Ressourcenverbrauch ermöglichen. Der Agenda-Prozess erarbeitet dafür die Grundlage.

Gibt es schon konkrete Ergebnisse?

Bei der Auftaktkonferenz im September 2012 diskutierten die Teilnehmer über die nötigen Veränderungen in Konsum, Arbeit, Produktion und Finanzen. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer kamen aus der Industrie. Bisher war zum Beispiel Finanzierung noch kein Thema in der Debatte, das hat sich geändert. Jetzt gibt es unter anderem das "Finanz-Forum: Klimawandel". Dort treffen private Unternehmen der Finanzwirtschaft und des Versicherungssektors auf Akteure aus der Forschung, um die effektive Umsetzung konkreter Projekte auszuloten. Green Economy ist in Deutschland angekommen.

Wie kann sichergestellt werden, dass die Ergebnisse dann auch umgesetzt werden – und in Deutschland eine Green Economy entsteht?

Zentral ist die Beteiligung aller relevanten Interessengruppen. In die Vorbereitung und Durchführung des Agenda-Prozesses wurden frühzeitig Industrie- und Wirtschaftsverbände sowie Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften eingebunden. Die Übersetzung und Umsetzung von Maßnahmen ist nur im Konzert von Multiplikatoren möglich, die ein Verständnis für die jeweilige "andere" Seite entwickeln. Wir konnten zu diesem Thema keine Berührungsängste zwischen Industrieverbänden, Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften feststellen. Die Green Economy wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, zu der jeder seinen Beitrag leistet.

Welche sind die wichtigsten Technologien für die Green Economy?

Die meisten Ressourcen werden in den Bedürfnisfeldern Ernährung, Bauen & Wohnen, Mobilität und Information & Kommunikation verbraucht. Schlüsseltechnologien wie Nanotechnologie setzen hier an. Im Dezember hat das BMBF zu diesem Thema einen Branchendialog in Berlin veranstaltet, um den Transfer in die wirtschaftliche Anwendung zu unterstützen.

Was wird neben Forschung & Entwicklung noch entscheidend sein für den Erfolg der Green Economy?

Für die Etablierung einer Green Economy sind Standards ein wichtiger Punkt, um Unternehmen Sicherheit zu geben und die Arbeit zu erleichtern. Der VDI  ist hier gerade beim Thema Ressourceneffizienz aktiv unterwegs und schafft wichtige Orientierungspunkte. Darauf aufbauend gilt es auch, internationale Regeln anzuschieben.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die sich für das Thema beruflich engagieren wollen?

An der Green Economy wird in Zukunft keiner mehr vorbeikommen. Junge Erwachsene sind bei dem Thema aber auch schon sensibilisiert und interessieren sich für entsprechende Studiengänge. Nachwuchsinitiativen unterstützen dieses Bestreben. Im März findet zum Beispiel wieder das Drive-E Programm in Dresden statt. Dort haben Studierende die Möglichkeit, sich mit Unternehmen und Forschungsgesellschaften direkt über Elektromobilität auszutauschen und erste Kontakte zu knüpfen. Da besteht schon eine kleine Community, die eng vernetzt ist und sich auf Veranstaltungen wiedertrifft.

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Von Caro | Präsentiert von VDI Logo
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