11.04.2014, 11:17 Uhr | 0 |

13 tödliche Unfälle Zündschloss-Skandal: GM schickt Ingenieure in Zwangsurlaub

General Motors Chefin Mary Barra hat zwei Ingenieure in den Zwangsurlaub geschickt. Sie waren maßgeblich an der Entwicklung der Zündschlösser beteiligt, die laut Konzern zu 13 tödlichen Unfällen geführt haben. Der Konzern zieht somit erstmals personelle Konsequenzen aus dem Skandal um das jahrelang verschleppte Problem. 

Chevrolet HHR im Crashtest
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Chevrolet HHR im Crashtest: Bei dem auch in Deutschland verkauften Auto kann sich plötzlich der Motor während der Fahrt abschalten. Dadurch ist es bereits zu schweren Unfällen gekommen.

Foto: Insurance Institute

Für GM-Chefin Mary Barra ist es ein Schritt auf der Suche nach der Wahrheit – für andere ein Bauernopfer. Die beiden Ingenieure, die sie jetzt beurlaubt hat, werden für die Probleme mit defekten Zündschlössern in diversen Modellen maßgeblich verantwortlich gemacht. Weil der Schlüssel während der Fahrt häufig durch Erschütterungen in die Aus-Position sprang, gab es zahlreiche Unfälle. GM hält 13 Todesopfer wegen dieses Mangels für erwiesen, Verbraucherschützer sprechen gar von mehreren hundert.

Die Beurlaubung folgt rund eine Woche nach Barras Anhörung in Washington. Mitglieder des zuständigen Senatsausschusses hatten unter anderem kritisiert, dass es nie personelle Konsequenzen gegeben habe. Nun trifft es die beiden Techniker. Einer von beiden soll nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters im Jahr 2002 das Zündschloss für den Saturn Ion entwickelt haben, das später auch in anderen Modellen eingebaut worden sei.

Senatorin McCaskill wirft GM Kultur des Verschleierns vor 

Senatorin Claire McCaskill warf Barra in der Anhörung vor, eine Kultur des Verschleierns bei GM habe den Ingenieur dazu gebracht zu lügen. Er hatte im vergangenen Jahr gegenüber Ermittlern in einem tödlichen Unfall von 2010 erklärt, nichts von dem Defekt zu wissen. Und das, obwohl er im Jahr 2006 ein Dokument unterschrieben habe, in dem die Überarbeitung des Zündschlosses festgelegt worden sei.

Der andere Ingenieur wurde zu demselben Fall befragt und hat laut Reuters gegenüber den Ermittlern bestätigt, dass GM im Jahr 2005 die geschäftliche Entscheidung getroffen habe, die Zündschlösser nicht auszutauschen. Kritiker sehen darin den Beweis, dass der Hersteller bekannte Probleme aus Furcht vor den Kosten ignorierte. 

Mit den Beurlaubungen reagierte Barra auf einen Bericht des prominenten Anwalts Anton Valukas, den sie mit internen Ermittlungen beauftragt hat. Die neue GM-Chefin hat ihr Amt erst im Januar dieses Jahres übernommen und ging kurz danach in die Offensive. „Wir wollen Vertrauen zurückgewinnen“, sagte sie.

Teil dieser Strategie ist eine zwei Mal ausgeweitete Rückrufaktion, die jetzt insgesamt 2,2 Millionen ältere Fahrzeuge betrifft. Sie kostet GM nach eigenen Angaben allein im ersten Quartal umgerechnet rund eine Milliarde Euro. 

Schlüssel fällt während der Fahrt aus dem Schloss

Das werden noch nicht alle Kosten sein: Gerade entschied der Konzern, neben Schalter und Schlüssel auch den Schließzylinder bei den betroffenen Autos auszutauschen. Es gebe mehrere hundert Meldungen darüber, dass der Schlüssel während der Fahrt einfach aus dem Schloss gefallen sei. Mindestens ein Unfall mit Verletzten gehe nachweislich darauf zurück.

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Von Werner Grosch
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