22.05.2013, 12:45 Uhr | 0 |

Nur noch Geld für die Server Wikileaks: Assanges Fehlverhalten schreckt Spender ab

Wikileaks droht die Pleite. Der größte Finanzierer der Online-Plattform, die deutsche Wau-Holland-Stiftung, stellt ihre Zahlungen weitgehend ein.

Wikileaks-Internetseite
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Die Internetseite von Wikileaks, auf der vertrauliche Depeschen des US-Außenministeriums zu lesen sind, aufgenommen im November 2010. Aktuell droht der Online-Plattform die Pleite. Das Spendenaufkommen ist drastisch zurückgegangen – unter anderem wegen der Veröffentlichung der amerikanischen Dokumente.

Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Julian Assange wollte die Welt aufrütteln. Er gründete Wikileaks und veröffentlichte geheime Dokumente, in denen die Mächtigen der Welt sich selbst unwillentlich schwerer Vergehen anklagten. Von manchen wurde die Internet-Plattform deshalb als moralische Instanz angesehen.

Das änderte sich, als Assange sich einer Anklage wegen sexueller Delikte, die er in Schweden begangen haben soll, durch Flucht in die Londoner Botschaft von Ecuador entzog.  Seitdem ist der Spendenfluss deutlich kleiner geworden. Nun hat auch der Hauptgeldgeber die Reißleine gezogen. Wikileaks machte bereits in den vergangenen Jahren Verluste, wie es heißt. Jetzt droht die Pleite.

Die deutsche Wau-Holland-Stiftung (WHS) aus dem Umfeld des Chaos-Computer-Clubs (CCC), der Sicherheitslücken im IT-Bereich aufdeckt, zahlt nur noch die Serverkosten in Höhe von 8000 Euro pro Jahr. Von 2010 bis 2012 waren es noch rund 1,5 Millionen Euro.

Die WHS fungierte als Sammelbecken für Spenden, die ausdrücklich an Assange weitergeleitet werden sollten. Das Aufkommen sank nach Bekanntwerden der Vorwürfe gegen den Wikileaks-Gründer von 1,3 Millionen Euro im Jahr 2010 auf zuletzt noch 69.000 Euro.

Nur noch kleinere Beiträge

Die WHS, benannt nach dem 2001 gestorbenen Herwart Holland-Moritz, dem Gründer des CCC, der sich selbst Wau Holland nannte, will die Förderung wieder aufnehmen, wenn wieder Spendengelder fließen.

Die WHS war der letzte große Spendensammler des umstrittenen Australiers. Direkte Zuwendungen sind seit 2010 schwierig geworden, weil große Zahlungsdienstleister wie Paypal oder die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard Wikileaks ausgegrenzt hatten. Grund war die Veröffentlichung amerikanischer Geheimdokumente zum Irak- und Afghanistan-Konflikt, die vor allem Radikalen nutzten, und die Preisgabe interner Korrespondenz amerikanischer Botschaften mit dem US-Außenministerium.

Der Versuch, neue Wege der Spendenbeschaffung zu beschreiten, war nur mäßig erfolgreich. Zuletzt wollte Wikileaks geheime Dokumente nur noch Interessenten zur Verfügung stellen, die dafür bezahlen, also eine „Paywall“ errichten. Dagegen wehrten sich die Beschaffer der Informationen. Kleinere Beiträge leisten jetzt nur noch die Organisation “Freedom of the Press Foundation” und der französische Fonds de Défense de la Net Neutralité.

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Von Wolfgang Kempkens
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