19.10.2015, 12:53 Uhr | 0 |

Razzia in Frankreich Warum Leiharbeiter bei VW um ihre Jobs bangen

Als Folge des Abgasskandals sind bei VW erste Jobs in Gefahr: Zittern müssen die Leiharbeiter. Auch Razzien greifen um sich. Die Polizei untersuchte am Freitag den VW-Sitz in Frankreich. 

Betriebsversammlung bei VW
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Betriebsversammlung am 6. Oktober 2015 im VW-Werk in Wolfsburg: Jetzt bangen die 7000 Leiharbeiter bei VW um ihre Arbeit. Der Vorstand prüfe derzeit einen Abbau der Leiharbeit, sagte ein Betriebsrat am Wochenende.

Foto: Roland Niepaul/Volkswagen AG/dpa

Für Leiharbeiter ist VW derzeit ein zugefrorener Teich mit dünnem Eis, das jederzeit einbrechen könnte. Der Vorstand diskutiere darüber, die Leiharbeit zu reduzieren, sagte der VW-Betriebsrat am Samstag der Deutschen Presseagentur dpa. „Als Betriebsrat werden wir alle Möglichkeiten unterstützen, um die Arbeitsplätze unserer Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zu sichern. Wir wissen, dass der Vorstand andere Szenarien diskutiert.“

Zurzeit sei die Entwicklung der Absatz- und Beschäftigungssituation nicht absehbar, erklärte ein Konzernsprecher. Ein Einbruch bei Verkäufen und damit einhergehende Folgen für Produktion und Jobs seien nicht auszuschließen. Und was dann? „Sollte sich ein vorübergehender Beschäftigungsrückgang ergeben, wird Kurzarbeit wie in der Vergangenheit eine sinnvolle Möglichkeit sein.“

Dilemma: Leiharbeiter bekommen kein Kurzarbeitergeld

Das Problem für die rund 7000 Leiharbeiter, die meist vom konzerneigenen Personalvermittler Autovision Zeitarbeit kommen und frühestens nach 36 Monaten den Sprung in die Stammbelegschaft schaffen: Sie bekommen kein Kurzarbeitergeld.

Eine VW-Mitarbeiterin betritt am 06.10.2015 durch das Tor 17 das Gelände vom Volkswagen-Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) (Aufnahme mit langer Verschlusszeit). Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Tor 17 des VW-Werkes in Wolfsburg: Jetzt müssen die 7000 Leiharbeiter des Konzerns um ihre Jobs fürchten. Der Vorstand prüft einen Personalabbau.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Mit dieser sechsmonatigen Zahlung überbrücken Betriebe Konjunktur- und Auftragsflauten, ohne Stammbeschäftigte entlassen zu müssen. Das Geld stammt aus Mitteln der Arbeitslosenversicherung, in die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen einzahlen.

Bundesregierung prüft Ausweitung der Kurzarbeitergeld-Regelung

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte Anfang Oktober angekündigt, er wolle Kurzarbeiterhilfen auf Leiharbeiter ausweiten. Damit stößt er in der Union jedoch auf Widerstand. „Schwankende Beschäftigungsmöglichkeiten sind für die Zeitarbeitsbranche charakteristisch“, sagte Karl Schiewerling (CDU), der arbeitsmarkt- und sozialpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, in einem Bericht der Welt. Deswegen sei sie von der Kurzarbeiter-Regelung ausgeschlossen. Es könne auch nicht sein, dass Beitragszahler für die Fehler des VW-Managements aufkommen sollen.

Laut Bild prüft das Kanzleramt derzeit aber, wie man Leiharbeitern des Konzerns Kurzarbeitergeld zahlen könne. Ein Betriebsratssprecher zeigt sich in einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dankbar: „Generell halten wir es für eine gute Initiative, wenn auch Kolleginnen und Kollegen mit Leiharbeitsverträgen zur Überbrückung schwieriger Situationen einbezogen werden. Wir sind der Bundesregierung dankbar, dass sie die Arbeitnehmer bei Volkswagen im Auge behält, die diese Krise nicht verursacht haben.“

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann geht gegen die Sparpläne von VW schon auf die Barrikaden: „Die Belegschaften bei VW und bei den Zulieferern treffen an dem Skandal keine Schuld“, sagte Hofmann der Bild am Sonntag. „Es macht mich wütend, dass die Beschäftigten jetzt Angst um ihre Zukunft haben müssen.“ Die Gewerkschaft werde alles tun, damit die Belegschaft nicht ausbaden müsse, was Manager angerichtet hätten.

Razzia bei VW in Frankreich

Derweil sieht sich der Konzern mit immer mehr Razzien konfrontiert: Am Freitag untersuchten französische Ermittlungsbehörden den VW-Sitz im französischen Villers-Cotterêts. In Frankreich sind rund 950.000 Fahrzeuge vom Abgasskandal betroffen. Vergangene Woche hatte auch die italienische Finanzpolizei die Büros von VW in Verona und von Lamborghini in Bologna untersucht. 

Hier geht es zum Live-Ticker des VW-Skandals.

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Von Patrick Schroeder
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