16.10.2015, 13:05 Uhr | 0 |

Rückruf in 28 Ländern VW muss EU-weit 8,5 Millionen Fahrzeuge nachrüsten

Wieder ein Negativrekord beim Abgas-Skandal des Autobauers VW: Der Wolfsburger Konzern muss 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge in 28 EU-Ländern umrüsten. Allein in Deutschland sind  2,4 Millionen Autos von der wohl größten Rückrufaktion der Firmengeschichte betroffen. 

Eisige Zeiten für VW
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Eisige Zeiten für VW: Der Konzern muss in der EU 8,5 Millionen Fahrzeuge in die Werkstatt schicken, um die Manipulation rückgängig zu machen. 

Foto: Patrick Seeger/dpa

In 28 Ländern der Europäischen Union muss VW Diesel-Fahrzeuge umrüsten lassen. Das hat der Konzern gestern angekündigt. Allein in Deutschland sind 2,4 Millionen Autos betroffen. Nach anfänglichen Zulassungszahlen war ursprünglich sogar von 2,8 Millionen Fahrzeugen die Rede. Laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sind jedoch rund 400.000 Wagen inzwischen nicht mehr auf den Straßen unterwegs.

Den Rückruf der Diesel-Autos hatte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Donnerstag angeordnet. Demnach fahren die Autos mit einer unzulässigen Abschalteinrichtung. VW muss sie aus allen Fahrzeugen entfernen und künftig für eine Einhaltung der Abgasvorschriften sorgen. Dabei geht es vor allem um Wagen der Kernmarke VW, aber auch der Schwestermarken Audi, Seat und Skoda.

Laut Focus.de muss VW bis Ende Oktober Fakten liefern: Dann will das KBA die geplante neue Software für die 2,0-Liter-Modelle in Flensburg auf dem Tisch haben. Bis Ende November erwartet die Behörde zudem Lösungen für die Diesel-Modelle mit 1,6 und 1,2 l Hubraum.

VW-Vorstandschef Müller: Führungsverständnis neu ausrichten

Nach der Rückruf-Anordnung des KBA hatte VW-Vorstandschef Matthias Müller einen Brief an Bundesverkehrsminister Dobrindt geschrieben, der der Deutschen Presseagentur dpa vorliegt. Darin sichert Müller zu, die Vorgänge rund um die Software lückenlos aufzuklären. VW werde „hart daran arbeiten“, das Vertrauen wiederzugewinnen.

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Der Rückruf soll im Januar 2016 beginnen und sich bis Ende des Jahres ziehen. Grund sind verschiedene Kombinationen des betroffenen Motors EA 189.

Foto: Jan Woitas/dpa

Auf einem Treffen mit 400 Top-Managern in Leipzig forderte Müller „ein anderes, ein moderneres Volkswagen“. Es gebe großen Veränderungsbedarf im Konzern. Das Führungsverständnis müsse neu ausgerichtet werden.

Suche nach technischen Lösungen

Laut Verkehrsminister Dobrindt wird das KBA die Rückrufaktion überwachen. Anfang nächsten Jahres sollen die Nachbesserungen beginnen und werden sich wohl bis Endes Jahres hinziehen. Grund dafür sind die verschiedenen Kombinationen des betroffenen Motors EA 189. Die Techniker müssen an tausenden Lösungen tüfteln. Während bei den 1,2-l-Autos eine Softwarelösung geplant ist, sind bei den 1,6-l-Motoren wahrscheinlich motortechnische Anpassungen notwendig – etwa neue Einspritzsysteme und Katalysatoren.

Autohalter dürfen normal weiterfahren, bis sie per Post zum Umrüsten aufgefordert werden. Sie brauchen sich jedoch keine Sorgen um ihre Sicherheit machen. „Die Fahrzeuge sind verkehrssicher und können deswegen auch im Einsatz ganz normal gefahren werden“, sagte Dobrindt.

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Ein KFZ-Servicetechniker steht mit einem Auslesegerät vor einem vom Abgas-Skandal betroffenen 2.0l TDI Dieselmotor vom Typ EA189 in einem VW Touran. 

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wer sich dem Rückruf nach mehrmaliger Aufforderung widersetzt, muss im Extremfall mit der Stilllegung seines Wagens rechnen. Den Kunden sollen durch die Umrüstung keine Kosten entstehen. Das hat VW  zugesichert.

Ermittlungen in Italien

Auch in Italien zieht der Abgas-Skandal weiter Kreise. Die Finanzpolizei hat die Büros von Volkswagen in Verona und von Lamborghini in Bologna durchsucht. Die Sportwagenmarke ist eine VW-Tochter. Hintergrund sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Abgas-Skandal. Laut Tagesschau.de wird in diesem Zusammenhang auch gegen einige VW-Manager wegen Handelsbetrugs ermittelt.

In Italien werden insgesamt 650.000 Fahrzeuge zurückgerufen. Die Konkurrenz dort schläft nicht. Fiat bietet bisherigen VW-Kunden Rabatte an. Wer seinen Passat, Audi oder Seat aufgibt und einen Fiat Panda kauft, bekommt ihn bis Ende Oktober 750 € günstiger. 

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Von Lisa von Prondzinski
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