07.02.2014, 15:29 Uhr | 0 |

Manipulationsverdacht beim Lieblingsauto VW und BMW erwägen Rückgabe ihrer ADAC-Preise

Der Imageschaden des ADAC nimmt weitere Ausmaße an. Jetzt wurde bekannt, dass der Automobilclub bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ nicht nur bei der Anzahl der Stimmen, sondern auch bei der Platzierung geschummelt haben könnte. Falls sich das bewahrheitet, wollen VW und BMW ihre „Gelben Engel“ zurückschicken.

Auf ADAC-Präsident Peter Meyer erhöht sich der Druck
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Auf ADAC-Präsident Peter Meyer erhöht sich erneut der Druck: Jetzt wird dem Automobilclub vorgeworfen, auch Platzierungen bei der Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert zu haben. Sogar Reifentests sollen manipuliert worden sein.  

Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Zunächst war nur die Rede davon, dass der ADAC bei den jährlichen Wahlen zum „Lieblingsauto der Deutschen“ die Anzahl der Stimmen manipuliert habe. Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet nun, dass auch die Reihenfolge der Platzierungen frisiert worden sei – unter Berufung auf interne Unterlagen des Automobilclubs. Danach sei das Modell BMW 5 zunächst nicht unter den ersten fünf Siegern gelandet, sondern nur auf Platz sieben. Bei der offiziellen Bekanntgabe des ADAC landete der BMW dann auf Platz fünf. Diesen Rang habe eigentlich der VW Tiguan eingenommen, der dann nicht mehr erwähnt wurde.

Fälschungsverdacht auch bei früheren Wahlen

Bisher hatte der ADAC bereits zugegeben, dass die absoluten Stimmenzahlen bei den Wahlen zum „Lieblingsauto der Deutschen“, die seit 2005 durchgeführt werden, nach oben korrigiert worden waren. Aus tatsächlich mehreren Tausend abgegebenen Stimmen machte der ADAC über 30.000.

Das scheint, so die SZ, aber längst noch nicht alles an Manipulationen gewesen zu sein. Auch die Reihenfolge der Platzierungen sei verändert worden, und das nicht nur bei den letzten Wahlen. Ein Informant habe berichtet, dass die Vorjahre „ähnlich übel wie die Wahl 2014“ ausgesehen hätten. Der ADAC kommentierte die Zahlen und den Fälschungsverdacht bisher nicht. Ein Sprecher verwies darauf, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte damit beauftragt worden sei, die Wahlen zum „Gelben Engel“ zu prüfen. Die Ergebnisse würden in der kommenden Woche erwartet.

Unterdessen berichten die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Bild Zeitung, dass die Autokonzerne BMW und VW ihre „Gelben Engel“ an den ADAC zurückschicken wollen, falls sich der Manipulationsverdacht bestätigt. „Wenn das stimmt, schicken wir dem ADAC eine ganze Wagenladung Preise zurück. Die sind jetzt schon angekratzt, dann sind sie ganz wertlos“, sagte ein VW-Sprecher der BILD-Zeitung.

Ex-Manager eines Reifenherstellers sieht Manipulation bei Reifentests

Seit etwa zwei Wochen steht das Geschäftsgebaren des ADAC, der rund 19 Millionen Mitglieder hat, in der öffentlichen Kritik. Rettungshubschrauber sollen von Vorstandsmitgliedern mitgenutzt und Provisionen für die Empfehlung von Batterien gezahlt worden sein. Außerdem sollen Reifenhersteller vor Tests von Details erfahren und daraufhin ihre Reifen angepasst haben. Laut Westdeutschem Rundfunk (WDR) und der Süddeutschen Zeitung hat ein ehemaliger Manager des Reifenherstellers Michelin eidesstattlich versichert, dass bei den Tests manipuliert worden sei. Die Unternehmen hätten vorher erfahren, wann die Tester welches Reifenmodell in welcher Größe testen wollten. Die Techniker der Reifenproduzenten hätten dann Gelegenheit gehabt, „mit enormem Aufwand“ spezielle Reifen zu präparieren und an genau die Verkaufsstellen zu liefern, bei denen sich ADAC und Stiftung Warentest ihre Test-Reifen besorgen, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Der ADAC wehrte sich gegen diesen Verdacht. Die Tests, die der ADAC zusammen mit der Stiftung Warentest durchführt, seien streng nach der DIN-Norm für Warentestverfahren abgelaufen. Durch ein mehrstufiges Verfahren der Qualitätssicherung werde sichergestellt, dass es keine Manipulationen gebe. Die Hersteller hätten demnach keine Zeit gehabt, ihre Produkte anzupassen. Im WDR berichtet dagegen der ehemalige Michelin-Manager, dass der ADAC mit großen Reifenherstellern in engem Kontakt stehe und ihnen für künftige Tests Einblicke in die Testkriterien gewähre. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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