23.12.2016, 10:25 Uhr | 0 |

Straßenzulassung entzogen Ubers autonome Taxis vorerst gestoppt

Der Personenbeförderer Uber streitet sich wieder mal mit Behörden. Diesmal geht es um einen Konflikt, der nach Kinkerlitzchen klingt. Dahinter stecken aber wesentliche Imagefragen für das US-Unternehmen.

Eine Woche lang hat der Fahrdienst Uber gerade in San Francisco autonome Taxis getestet. Und vom ersten Tag an gab es Zoff mit der örtlichen Verkehrsbehörde. Öffentlichen Streit, jeden Tag, bis Uber sich geschlagen geben musste. Vorerst jedenfalls. Dabei klingt das Thema schon recht albern.

Uber ist der Ansicht, dass die autonomen Taxis keine besondere Genehmigung brauchen, weil am Steuer immer ein Mensch sitzt, der eingreift, falls die noch in der Entwicklung befindliche Technik versagen sollte oder es zu gefährlichen Situationen kommt. Das sieht das California Department of Motor Vehicles (DMV) anders. Weil aber Uber in derartigen Fällen nie einfach so nachgibt, musste die Behörde zu einem Trick greifen: Sie entzog den 16 Fahrzeugen einfach die Zulassung, weil sie nicht als Testfahrzeuge gekennzeichnet sind.

Der Robin Hood der Mobilität

Das DMV machte dabei mehr als deutlich, dass man kein Interesse daran habe, der Entwicklung der autonomen Fahrbereitschaft Steine in den Weg zu legen. Bei entsprechender optischer Kennzeichnung könne die Zulassung innerhalb weniger Tage wieder da sein, hieß es. Uber indes denkt gar nicht daran, dem Folge zu leisten. Man werde sich nun überlegen, wo und wie man die Fahrzeuge einsetze, erklärt das Unternehmen.

Warum aber sind die so bockig? Für Uber ist das eine Imagefrage, denn das Unternehmen legt sich seit seiner Gründung vor acht Jahren regelmäßig mit Gerichten und Institutionen an.  Man gibt sich als eine Art Robin Hood der Mobilität, weil man allen und jedem eine günstige individuelle Beförderung ermögliche. In Deutschland hat Uber sich erst nach monatelangen Rechtsstreitigkeiten dem geltenden Recht gebeugt, nach dem Privatfahrer ohne Personenbeförderungsschein und regelmäßige Gesundheitskontrollen den Dienst nicht anbieten dürfen.

Uber klagt: Aber Tesla darf doch auch

Im Fall der autonomen Taxis musste nun erst die kalifornische Justizministerin persönlich eingreifen, um Uber zum Einlenken zu bewegen. Sehr widerwilliges Einlenken, muss man sagen, denn Projektleiter Anthony Levandowski klagt lauthals, dass doch „Tausende von Autos mit derselben Technologie in dieser Gegend herumfahren“ – ohne jede Erlaubnis. Levandowski schielt dabei vor allem auf Tesla: „Es ist schwer zu verstehen, warum das DMV bei Uber Genehmigungen für nötig hält, bei Teslas Autopilot-Technologie aber nicht. Wir haben um eine Erklärung gebeten, was der Unterschied sein soll, haben sie aber nicht bekommen.“

 

Tatsache ist, dass der Bundesstaat Kalifornien schon seit über einem Jahr bei den autonomen Tests strenger vorgeht. Zwar sollen Autos mit entsprechenden Systemen schon im nächsten Jahr serienweise zugelassen werden, aber eben nur, wenn jederzeit ein Mensch eingreifen kann. Die Träume mancher Hersteller und Logistiker, dass schon bald gänzlich fahrerlose Autos und Lkw durch die Gegend rasen, haben damit einen Dämpfer erlitten.

Honda forciert Autonomie-Pläne

Dass Google kürzlich seine entsprechenden Pläne aufgegeben hat, passt zu dieser Ernüchterung. Das autonome Auto wird dennoch kommen, allerdings doch eher aus der klassischen Fahrzeugbranche, wie sich mehr und mehr zeigt. So hat der Google-Mutterkonzern Alphabet seine entsprechenden Aktivitäten in eine selbstständige Tochter namens Waymo ausgelagert. Und die kooperiert nun nicht nur mit Fiat Chrysler Automobiles (FCA), sondern führt auch Gespräche mit Honda. Die Japaner haben erst kürzlich ihren Prototyp eines autonomen Autos vorgestellt und wollen die Technik nun mithilfe von Waymo weiterentwickeln.

Anzeige
Von Werner Grosch
Zur StartseiteZur Startseite
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden