21.10.2016, 09:56 Uhr | 0 |

Voll autonomes Fahren Trotz Unfällen: Tesla gibt weiter Gas und baut komplette Hardware ein

Ab sofort baut Tesla in all seine Autos die komplette Hardware für autonomes Fahren ein. Der Elektroauto-Pionier geht trotz Unfällen und miesen Zeugnissen unbeirrt seinen Weg weiter. 

Elon Musk
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Tesla-Chef Elon Musk lässt sich nicht ausbremsen.

Foto: Ulises Ruiz Basurto/dpa

Die Leute bei Tesla wissen schon, wie man PR macht. Nicht etwa, dass sie ihren so genannten „Autopiloten“ nach einem tödlichen Unfall und verheerenden Gutachten (LINK) verschämt zurückziehen und überarbeiten. Im Gegenteil: Das US-Unternehmen kündigt einen weiteren großen Schritt hin zum autonomen Fahren an und erklärt die Überarbeitung der gefährlichen Features zum kleinen Nebeneffekt dieser Revolution.

Für den E-Auto-Pionier, erst recht seinen Gründer Elon Musk, ist das typisch. Ein oder zwei oder drei Desaster haben den Milliardär auch bei seinem Raumfahrtunternehmen SpaceX noch nie entmutigt. Und so erklärt Tesla nun, man freue sich sehr, dass ab sofort alle Autos, die in der eigenen Fabrik produziert werden, mit der kompletten Hardware ausgestattet werden, die für vollständig autonomes Fahren notwendig sei. Das gilt also für die Modelle S und X und gleichermaßen für das neue, günstigere Modell 3.

Radar durchdringt praktisch alles

Zur Ausstattung in allen Fahrzeugen gehören demnach statt einer künftig acht Kameras, die einen 360-Grad-Überblick bis hin zu einer Entfernung von 250 m liefern sollen. Komplettiert werde die Überwachung durch zwölf Ultraschall-Sensoren einer neuen Generation. Ein nach vorne gerichtetes Radar soll schließlich weitere sicherheitsrelevante Daten liefern und dabei nicht nur heftigen Regen, Nebel oder Staub durchdringen, sondern sogar vorausfahrende Fahrzeuge.

Damit all diese Daten auch sinnvoll verwendet werden, baut Tesla einen Bordcomputer ein, der 40 Mal leistungsstärker als die vorherige Generation sein soll. Tesla spricht von einem neuronalen Netzwerk, das für weitaus mehr Sicherheit sorge, als es ein menschlicher Fahrer je könnte. 

Schon 2017 autonom quer durch die USA?

Vorläufig wird diese ganze Hardware dem Fahrer aber nicht viel nützen, denn die notwendige Software ist noch in der Entwicklung. Millionen von Kilometern echter Nutzung würden ausgewertet, um das System „zu kalibrieren“, wie Tesla erklärt.

ILLUSTRATION - ARCHIV - Ein Mann sitzt am 17.08.2015 in München (Bayern) in einem Tesla Model S auf dem Fahrersitz vor einem Showroom des Autoherstellers. Das Kraftfahrt-Bundesamt ermahnt alle deutschen Tesla-Fahrer in einem Brief, bei der Nutzung des Assistenz-Systems «Autopilot» das Verkehrsgeschehen im Blick zu behalten. Foto: Sven Hoppe/dpa (zu dpa "Bundesamt an Tesla-Fahrer: Lesen Sie die Bedienungsanleitung" vom 14.10.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Tesla stattet ab sofort seine Wagen mit der kompletten Hardware für vollautonomes Fahren aus. Aber: Die nötige Software gibt es nicht dazu und auch gesetzliche Schranken.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Sich wirklich von seinem Tesla chauffieren lassen kann man also weiterhin nicht – wäre ja auch gar nicht denkbar, weil die gesetzliche Zulassung weder in den USA noch in Europa bisher vorliegt. Musk wäre indes nicht Musk, würde er nicht im selben Atemzug ankündigen, dass schon im nächsten Jahr ein Tesla die gut 4.000 Kilometer lange Strecke von New York nach Los Angeles völlig autonom bewältigen werde.

Bleibt abzuwarten, ob Tesla seinen Pionierstatus auch in dieser Hinsicht wird untermauern können. Andere Hersteller gehen davon aus, dass autonomes Fahren kaum vor Mitte des nächsten Jahrzehnts wirklich möglich sein wird.

Ein Geständnis so ganz beiläufig

Aber eine leistungsstarke Hardware ist ja jetzt schon mal da, verspricht Tesla. Und erwähnt nur ganz nebenbei, dass Tesla-Käufer bis auf weiteres gar keine entsprechenden Funktionen bekommen. Alle so genannten „Autopilot“-Features wie Automatische Notbremsung, Kollisionswarnung und Spurassistent sind erstmal weg. Sie sollen als einfach überspielbares Daten-Update („over the air“) wieder verfügbar sein, sobald sie sicher funktionieren. Das ist im Grunde das Eingeständnis, dass der „Autopilot“ nicht wirklich ausgereift ist. So ganz en passant.

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Von Werner Grosch
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