28.10.2013, 12:07 Uhr | 1 |

Raus aus der Nische Tesla Motors will Europa erobern

Tesla Motors will mit seinem Elektrosportwagen Tesla S den europäischen Markt für diese noch sehr teure Fortbewegung auf vier Rädern aufmischen. Bis Ende nächsten Jahres will Tesla-Chef Elon Musk 10 000 seiner Luxuskarossen in Deutschland absetzen. Darauf wettet der Milliardär. Und verspricht allen Kunden lebenslang kostenlosen Sonnenstrom an seinen ökologischen Supertankstellen.

Teslas Supercharger
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40 bis 50 sogenannte Supercharger will Tesla in Deutschland bauen und bietet seinen Kunden die lebenslange kostenlose Nutzung der schnellen Stromtankstellen an.

Foto: Tesla Motors

Der visionäre Chef von Tesla Motors, Elon Musk, ist ein großer Optimist: „Ich habe Vertrauen in den deutschen Verbraucher. Ich wette, dass wir hier ab Ende 2014 rund 10 000 Autos pro Jahr verkaufen können“, sagte er der „Welt am Sonntag“. Der Mann spricht von einem sehr teuren Elektrowagen, dem Tesla S. Der kostet in Europa in der Einsteigervariante 71 840 Euro. Dank der 85 Kilowattstunden großen Akkus beeindruckt der Tesla S mit einer Reichweite von 480 Kilometer. Das ist fast konkurrenzfähig zum etablierten Benziner oder Diesel. Die meisten reinen Elektrofahrzeuge müssen nach rund 150 Kilometer an die Steckdose – das macht sie wenig alltagstauglich.

Vollversorgung mit kostenlosen Schnellladestationen bis Ende 2014

Der umtriebige, 1971 in Pretoria in Südafrika geborene US-amerikanische Unternehmer, will schon bis Ende März 2014 die Hälfte Deutschlands mit Schnellladestationen an den Autobahnen versorgt haben, bis Ende des kommenden Jahres das ganze Land. Schon im November 2013 sollen die Bauarbeiten beginnen. Zuerst will Tesla die sogenannten Supercharger entlang der Autobahnen zwischen München und Stuttgart, München und Zürich sowie Köln und Frankfurt errichten.

Elon Musk glaubt, dass zwischen 40 bis 50 dieser Stationen für die Vollversorgung Deutschlands ausreichen. Dabei setzt er voll auf das Licht der Sonne: „Die Ladestationen werden eine Leistung von 135 Kilowatt haben. Wenn der Akku nach 500 Kilometern leer ist, wird es etwa 20 Minuten dauern, bis er wieder voll ist. Die Stationen werden mit Sonnenkollektoren betrieben. Unsere Devise lautet: Ein Tesla-Fahrer soll nicht mehr fürs Autofahren brauchen als Sonnenlicht. Und selbst die daraus gewonnen Energie ist für unsere Kunden kostenlos.“

Seit ihrer Gründung vor zehn Jahren hat die kalifornische Edelschmiede Tesla Motors weltweit weniger als 2500 Autos verkauft. Trotz dieser eher bescheidenen Verkaufszahlen brummt die Aktie des Unternehmens. In den ersten neun Monaten dieses Jahres legte sie um 400 Prozent zu.

Brennender Tesla lässt Aktienkurs abstürzen

Am 1. Oktober kam dann der Dämpfer: Eine der Edellimousinen aus der Reihe Tesla S ging am Straßenrand im US-Bundesstaat Washington in Flammen auf und brannte im vorderen Fahrzeugbereich aus. Die Sportlimousine war mit einem metallischen Gegenstand auf der Straße kollidiert, der in einer Akkuzelle im vorderen Bereich des Wagens mit einer Wucht von 24 Tonnen ein Loch geschlagen hatte. Das Computersystem des Fahrzeugs erkannte ein Problem und forderte den Fahrer auf, anzuhalten und auszusteigen. Danach stieg Rauch auf und dann begann der Tesla S zu brennen. Der Fahrgastinnenraum war durch das Feuer nicht gefährdet. Ein Amateurfilmer stellte Aufnahmen davon in das Internet. Darauf brach der Unternehmenswert von Tesla Motors um drei Milliarden Dollar ein.

Tesla: „Das sicherste Auto der Welt.“

Elon Musk reagierte gelassen: „Es stimmt, wir hatten ein Feuer. Aber ich sage Ihnen, Elektroautos sind viel sicherer als Modelle mit Verbrennungsmotor, fünfmal so sicher.“ Immerhin hat der Tesla S im Test der National Highway Traffic Safety Administration NHTSA vor dem Brand mit 5,4 Sternen einen bisher nie zuvor erreichten Wert geschafft und die NHTSA damit an die Grenzen ihrer Crashtest-Methodik gebracht. Tesla nannte den Tesla S nach diesem Testergebnis stolz „das sicherste Auto der Welt.“

Schon im Juni 2013, zwei Monate vor diesem Ritterschlag durch die US-amerikanische Behörde NHTSA, verkaufte Tesla mehr Fahrzeuge in Kalifornien als die zehn dort bisher vorherrschenden Firmenriesen Porsche, Cadillac, Land Rover, Volvo, Chrysler, Jaguar, Fiat, Mitsubishi, Lincoln und Buick. Und trotz des Batteriebrandes mit Totalschaden am Luxusstromer: Tesla gibt auf die Batterie seiner Autos eine Lebensdauer-Garantie von acht Jahren, unabhängig von der gefahrenen Kilometerleistung und auch unabhängig von der Wahrnehmung der Inspektionstermine.

Tesla Motors verbaut in seine Elektroflitzer gewöhnliche Lithium-Ionen-Akkus, wie man sie aus Notebooks oder Smartphones kennt. Davon hat Tesla mehrere Tausend in den Wagenboden verbaut. Diese umfassende und großzügige Garantie ist dabei ein unschlagbar gutes Verkaufs- und Vertrauensargument, trotz des Brandes.

Tesla will in Deutschland 25 Niederlassungen gründen

Und das funktioniert auch in Europa: In Norwegen hat Teslas 416 PS starker Elektro-Sportwagen den VW Golf vom ersten Platz der Zulassungsstatistik verdrängt. Dabei halfen großzügige Steuervergünstigungen und der Wegfall von Mautgebühren, womit Norwegen die Stromautos fördern will. In Deutschland will Tesla Motors 25 Niederlassungen gründen, um die Fahrzeuge zu verkaufen. Bislang unterhält Tesla in Frankfurt und München Niederlassungen. In den USA gibt es eine große Nachfrage nach dem Tesla S. In diesem Jahr sind dort nach Schätzungen bereits 14 300 Wagen verkauft worden.

In drei Jahren Mittelklassewagen für 25 000 Euro

Elon Musk will nun den endgültigen Durchbruch mit einem günstigeren Modell schaffen. In drei Jahren will Tesla mit einem Mittelklassewagen auf den Markt, der nur rund 25 000 Euro kosten soll. Das dürfte den Verkauf deutlich ankurbeln, weil damit die Elektromobilität preislich in Reichweite der konventionellen Mobilität mit Verbrennungsmotor rückt.

Der Akku dieses Modells soll um rund 20 Prozent verkleinert werden gegenüber dem Tesla S und damit auch entsprechend leichter sein. „Für uns wird das ein riesiger Sprung, weil wir bei den Stückzahlen von 21 000 pro Jahr wie beim Modell S auf 250 000 wachsen“, sagte Musk.

Musk: „Da ist schadstofffreies Autofahren ein Schlüsselfaktor.“

Man mag es ihm fast glauben, dem Visionär Elon Musk, dem es mit seiner Raumfahrfirma SpaceX gelungen ist, die Kosten für den Start eines Raumschiffes ins Weltall auf rund ein Drittel der Kosten zu senken, die eine staatlich finanzierte Mission ins All kostet. Beim irdischen Projekt Tesla Motors gibt sich der umtriebige Milliardär ganz bescheiden: „Mir geht es darum, Lösungen zu finden, um die Probleme der Zukunft zu lösen. Da ist schadstofffreies Autofahren ein Schlüsselfaktor, und möglich wird das nur mit Elektroautos.“

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Von Detlef Stoller
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kommentare
14.11.2013, 16:31 Uhr Progetti
Induktives Aufladen geht schneller und einfacher als an einer Steckdose.

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