11.02.2014, 14:15 Uhr | 0 |

Datenphising von Geheimdiensten Telekom stellt E-Mail-Verkehr auf SSL-Verschlüsselung um

Um Kunden vor dem Datenphising der Geheimdienste zu beschützen, verschlüsselt die Telekom ab dem 31. März den E-Mail-Verkehr zu den Anbietern Web.de, GMX und freenet – den anderen Teilnehmern der Brancheninitiative „E-Mail made in Germany“. Der Chaos Computer Club hält die Initiative für ein schamloses Spiel mit dem gesteigerten Problembewusstsein der User. 

Sicherheit bei der Telekom
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Ab Ende März läuft der E-Mail-Verkehr zwischen Teilnehmern der Brancheninitiative „E-Mail made in Germany“ über verschlüsselte Verbindungen. Das verhindere aber nicht die Einrichtung von Abhörschnittstellen im System, kritisiert der Chaos Computer Club, die größte europäische Hackervereinigung. 

Foto: dpa/Rainer Jensen

Die NSA-Affäre hat Millionen Deutsche im Umgang mit digitalen Kommunikationsmitteln verunsichert. Um diesem Trend entgegenzuwirken, stellt die Deutsche Telekom am 31. März 2014 alle E-Mail-Server auf Verschlüsselung um. Genau wie bei Web.de, GMX und freenet läuft der E-Mail-Verkehr zukünftig über das sichere Protokoll SMTPS, das Abrufen über POP3S – das ist das klassische POP3-Protokoll, erweitert um eine SSL-Verschlüsselung. Die neue Codierung betrifft allerdings nur den Datenverkehr zwischen den vier Anbietern, die Teilnehmer der Brancheninitiative „E-Mail made in Germany“ sind.

User müssen Verschlüsselungsfunktion ihres E-Mail-Clients aktivieren

Um weiterhin E-Mails verschicken zu können, müssen T-Online-Nutzer die Verschlüsselungsfunktion ihrer E-Mail-Clients aktivieren. Für Dienste wie Windows Live Mail und Apple Mail stellt die Telekom im Internet Schritt-für-Schritt-Anleitungen bereit. Als Kennwort müsse man zudem das sogenannte E-Mail-Passwort eingeben. Die Telekom weist darauf hin, dass es nicht mit dem Kennwort identisch ist, mit dem man auf die E-Mail-, Medien- oder Kundencenter zugreift. Falls Nutzer noch kein E-Mail-Passwort haben, sollten sie es im Kundencenter beantragen.

Chaos Computer Club hält Brancheninitiative für schamloses Spiel

Der Chaos Computer Club nimmt die Brancheninitiative derweil unter Beschuss. Die größte europäische Hackervereinigung hält sie für ein schamloses Spiel mit dem gesteigerten Problembewusstsein der Nutzer. Die Anbieter würden den Kunden vorenthalten, dass eine Verschlüsselung der Verbindung zwischen den Anbietern noch nicht bedeutet, dass sie diese die E-Mails auch verschlüsselt ablegen. „Vielmehr hat der NSA-Skandal gezeigt, dass zentralisierte Dienste als nicht vertrauenswürdig anzusehen sind, wenn es um den Zugriff der Geheimdienste geht“, heißt es in einer Stellungnahme. Die eingesetzte Verschlüsselung verhindere letztlich nicht die Einrichtung von Abhörschnittstellen im System. „Der Anbieter und befreundete Geheimdienste haben nach wie vor vollen Zugriff auf die Inhalte der E-Mails und können diese somit auch vollständig auswerten.“

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) begrüßt die Brancheninitiative hingegen. „In Verbindung mit einem sicheren PC ist dieses neue E-Mail-Angebot ein wesentlicher Beitrag zu mehr Sicherheit im Cyberraum“, sagt Lothar Eßer, Leiter des BSI-Referats Internetsicherheit.

Telekom will auch Mobilfunknetz abhörsicher machen

Um Kunden die Angst vor Lauschangriffen am Telefon zu nehmen, hat die Telekom Ende letzten Jahres die Sprachübertragung im Mobilfunknetz um den Verschlüsselungsstandard A5/3 erweitert. „Das Vertrauen der Menschen in Telekommunikation und Internet hat durch die NSA-Affäre stark gelitten. Wir tun, was wir können, um unseren Kunden mehr Sicherheit zu bieten“, erklärt Thomas Kremer, Datenschutz-Chef bei der Telekom. „Die bessere Verschlüsselung von Mobilfunkgesprächen ist dafür ein weiterer wichtiger Schritt.“ 

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Von Patrick Schroeder
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