26.04.2013, 10:59 Uhr | 0 |

Informationstechnologie Symantec 4.0: Rückbesinnung auf alte Tugenden

Symantecs neuer CEO Steve Bennett will das Unternehmen grundlegend umkrempeln. "Symantec 4.0" nennt er das. Der Weg dahin sei keine Evolution, sondern eine Revolution, sagt er. Doch bei näherem Hinschauen entpuppt sich Symantec 4.0 als eine Neuauflage von Symantec 2.0 - also der Zeit, als sein Vor-Vorgänger John Thomson das Unternehmen führte.

Sicheres Cloud-Computing und das Verwalten von mobilen Endgeräten sind zwei der Schwerpunkte, um die Symantec sich verstärkt kümmern will. Foto: Fotolia

Seit fast einem Jahr ist Steve Bennett CEO bei Symantec und es scheint, dass er wieder an die frühere Strategie eines umfassenden Allroundanbieters für die professionelle IT-Welt anknüpfen will. So präsentierte er auf seiner ersten Symantec-Hausmesse "Vision" viele Pläne und Maßnahmen, in denen das Wort Sicherheit nur noch am Rande vorkam.

"Unsere Strategie umfasst die Bereiche: Endgeräte, Netzwerke und Rechenzentren", sagte er in seiner Eröffnungsrede und führte dann weiter aus, dass vor allem Cloud-Computing und das Verwalten von mobilen Endgeräten einen breiten Raum in seinen weiteren Aktionen einnehmen werden. "Sicherheit ist fortan nur noch eine horizontale Ebene, aber keine eigenständige Strategie mehr", erläuterte Symantecs Marketing-Chefin Swarna Podila die neue Unternehmensrichtung.

Bennett nennt seine neue Strategie "Symantec 4.0", von der er meint, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, bis sie umgesetzt sein wird. "Wir haben in der Vergangenheit zu viel Verschiedenes hinzugekauft, ohne dass wir daraus homogene Angebote schaffen konnten", lautet seine Kritik an seinen Vorgängern, die in der Tat stets auf Einkaufstour waren. Dabei war nicht so sehr die Akquisitionsanzahl das Problem, sondern vor allem die internen Machtkämpfe zwischen den Bereichen Sicherheit und Infrastruktur. Die erste Gruppe geht auf die Wurzeln von Symantec und der Antivirussoftware Norton zurück, die zweite auf die Milliardenakquisition von Veritas.

Während der einstige CEO John Thompson weitestgehend Akquisitionen im Bereich Infrastruktur tätigte, drehte sein Nachfolger Enrique Salem das Ruder um 180° herum. Vor allem mit der Teilakquisition von Verisign begann die Refokussierung auf die Sicherheit und die zugehörigen Produkte. Doch damit wurde kaum Geld verdient. In den drei Jahren, in denen Salem CEO war, stieg der Umsatz nur von 6,15 Mrd. $ auf 6,19 Mrd. $ an.

Bennett will Symantec deshalb wieder als ernst zu nehmenden Anbieter für die aktuellen IT-Probleme etablieren – allen voran Cloud-Computing. "Wir haben über ein Dutzend hervorragende Cloud-Produkte, mit denen sich äußerst zuverlässige und sichere Cloud-Infrastrukturen erstellen lassen – und wir investieren derzeit sehr viel Geld in den Ausbau unseres Cloud-Portfolios", sagt Symantecs Cloud-Chef Dave Elliott. Hierzu gibt es umfangreiche Partnerschaften mit allen Cloud-Infrastruktur-Providern, unter anderem mit Amazon.

Doch nicht nur auf der Rechenzentrumsseite von Cloud-Computing will Symantec fortan mehr in Erscheinung treten, auch bei den Endgeräten gibt es neue Lösungen. Hauptaugenmerk sind die Endgeräte, die die Mitarbeiter ans Unternehmensnetz anschließen möchten (BYOD). "Bei vielen Unternehmen ist BYOD ein Kompromiss aus Sicherheitsrestriktionen und Bequemlichkeit bei der Anwendung", sagt Fran Rosch, Symantecs Vice President für den Bereich Mobility. Doch Symantecs Endgerätemanagement sei kompromisslos, da die berufliche und private Nutzung auf dem Handy komplett voneinander getrennt ist (Sandboxing).

Hierzu hat Symantec sein Mobile-Device-Management (MDM) und sein Mobile-Application-Management (MAM) zusammengelegt und damit die Administrierbarkeit von mobilen Endgeräten deutlich vereinfacht. Jetzt kündigte das Unternehmen eine Reihe von Erweiterungen an, die die einzelnen Geräte sicherer machen und gleichzeitig besser verwalten. Kernstück ist ein besonders sicherer E-Mail-Client, der sowohl für Android- als auch für iOS-Systeme verfügbar ist. Hinzu kommen neue Administrationstools, mit denen die Nutzungsberechtigung der Endgeräte sehr detailliert festgelegt werden kann. Ebenfalls neu ist ein Single-Sign-on für eine Gruppe vordefinierter Apps.

Weitere Schwerpunkte bei den Endgeräten sind Embedded Systems und alles rund um die Machine-to-Machine-Kommunikation. In beiden Fällen bietet Symantec bereits eine sichere Plattform an, über die diese speziellen Endgeräte mit minimalem Aufwand gemanagt werden können. Auch hier werden derzeit umfangreiche Investitionen getätigt, um alsbald mit neuen Produkten aufwarten zu können.

Wie sehr Bennett das Unternehmen umkrempelt, erkannt man an diesen Endpoint-Aktivitäten, die alle auf die Altiris-Akquisition vor sechs Jahren zurückzuführen sind. Unter Bennetts Vorgänger Salem spielten die IT-Management-Lösungen von Altiris kaum noch eine Rolle und es gab Gerüchte, dass Symantec sich wieder davon trennen will. Doch jetzt ist daraus wieder ein bedeutender Hoffnungsträger für Symantecs Zukunft geworden. H. WEISS

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Von H. Weiss | Präsentiert von VDI Logo
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