16.05.2013, 11:24 Uhr | 0 |

Bedrohliche Finanzlage Sparprogramm bei Thyssen-Krupp: 3000 Arbeitsplätze gestrichen

Der Konzern Thyssen-Krupp will in den kommenden Monaten weltweit 3.000 Stellen streichen, davon 1.600 in Deutschland. In der Essener Hauptverwaltung müssen 200 der 800 Beschäftigten gehen.

ThyssenKrupp in der Krise
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ThyssenKrupp in der Krise: 3000 Verwaltungsjobs stehen auf der Streichliste.

Foto: dpa/Daniel Naupold

Das Sparprogramm von Thyssen-Krupp bringt tiefe Einschnitte für das angeschlagene Stahl- und Technologieunternehmen. Bereits im Februar dieses Jahres hatte der Konzern angekündigt, 2.000 der 27.600 Stellen in seinem europäischen Stahlgeschäft streichen zu wollen. Jetzt geht das Sparprogramm, das den Namen „Impact“ trägt, weiter. In den nächsten Jahren sollen die Kosten um rund zwei Milliarden Euro gesenkt werden.

Jeder fünfte Verwaltungsmitarbeiter verliert seinen Arbeitsplatz

Die neuerliche Sparrunde betrifft die Beschäftigten in der Verwaltung. In den kommenden Monaten wird weltweit jeder fünfte der 15 000 Verwaltungsmitarbeiter seinen Arbeitsplatz verlieren. Wie der Konzern mitteilte, soll aber auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden. Der Stellenabbau werde eng mit dem Betriebsrat abgestimmt. Gleichzeitig, ließ Thyssen-Krupp wissen, werde die gesamte Verwaltung bis Oktober 2013 neu strukturiert, unter anderem durch eine Reduzierung der Funktionen im Konzern. Durch die Neuordnung erhofft sich das Unternehmen bei den Verwaltungskosten rund 250 Millionen Euro einzusparen.

Die Quartalsbilanz des Dax-Konzerns legt währenddessen eine bedrohliche Finanzlage offen. Im ersten Halbjahr des noch bis einschließlich September laufenden Geschäftsjahres 2012/2013 hat das Unternehmen mit einem Verlust von 822 Millionen Euro weiter tiefrote Zahlen geschrieben. Wesentliche Ursache dafür sind dem Unternehmen zufolge erneute Abschreibungen auf die Stahlwerke in Brasilien und den beiden amerikanischen Werken von „Steel Americas“ in Höhe von 683 Millionen Euro. Diese Sorgenkinder des Konzerns, die noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern stehen, sollen „zeitnah“ verkauft werden, heißt es.

Kapitalerhöhung wird nicht ausgeschlossen

Die Eigenkapitalquote des Konzerns lag Ende März nur noch bei 9,5 Prozent. Drei Monate zuvor waren es noch 11,4 Prozent. Inzwischen schließt auch Thyssen-Krupp selbst eine Kapitalerhöhung in den nächsten sechs bis neun Monaten nicht mehr aus. Noch im Januar hatte das Unternehmen erklärt, dass dies nicht notwendig werde. Falls die Kapitalerhöhung tatsächlich kommt, bleibt fraglich, ob die Krupp-Stiftung als Großaktionärin mithalten kann. Falls nicht, könnte sie ihre Sperrminorität von gut 25 Prozent und der Konzern damit seinen Übernahmeschutz verlieren.

Thyssen-Krupp bekräftigte die Prognose, wonach im laufenden Geschäftsjahr der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern um etwa 400 Millionen Euro auf rund eine Milliarde Euro fallen wird. Die Umsatzerwartungen schraubte das Unternehmen zurück. Die Erlöse würden unter dem Vorjahresniveau von 40,1 Milliarden Euro liegen. Die Schulden, so erwartet der Konzern, werden deutlich sinken, wenn die Erlöse aus dem geplanten Verkauf der Stahlwerke in Brasilien und den USA fließen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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