26.03.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Gashandel wird verkauft Seele: "Die Marge wandert zum Bohrloch"

Der Erdöl- und Erdgasproduzent Wintershall präsentierte für das Jahr 2012 neue Rekordwerte – bei Produktion, Umsatz und Gewinn. Angesichts eines Strukturwandels im Markt will sich das Unternehmen vom Erdgashandelsgeschäft trennen und sich auf Exploration und Produktion konzentrieren. Ziel ist, die Förderung weiter auszubauen und auch 2013 Umsatz und Ergebnis zu steigern.

Erdölförderung in Landau in der Pfalz
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Seit den 50er Jahren fördert Wintershall Erdöl in Landau in der Pfalz. Jetzt will sich die BASF-Tochter auf die Erdöl- und Gasförderung konzentrieren und das Handelsgeschäft aufgeben.

Foto: Wintershall

"Energie ist dabei, die globale politische Machtgeometrie zu verändern", mahnte Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender der BASF-Tochter Wintershall, vergangene Woche bei Vorlage der Jahresbilanz in Kassel. Treiber dieses Prozesses sei Schiefergas (Shalegas). "Es verschiebt das Preisgefüge und wird zum Wettbewerbstreiber." Ein Vergleich zwischen den USA und Europa zeige, dass Öl in den USA um 20 % und Gas um 70 % billiger seien.

Die Energiepreise blieben nicht ohne Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft, unterstrich Seele. So sei die Industrieproduktion in den USA nur noch um 7 % teurer als in China, und bereits 15 % preiswerter als in Deutschland. "Auf den Industriestandort Deutschland kommen harte Zeiten zu." Doch dies sei hausgemacht. Zeigen die Energiepreise infolge der Energiewende doch nach oben und nicht nach unten wie im Rest der Welt.

Vorstandschef Seele: "Wir sind kein unkritischer Fracking-Fan"

Trotz chronischer Rohstoffarmut zögere man beim Thema Schiefergas. Schätzungen gingen davon aus, dass Deutschland den heutigen Selbstversorgungsanteil von 13 % beim Gas durch unkonventionelle Ressourcen wie Schiefergas noch weitere 100 Jahre sichern könnte. In der Diskussion steht dabei aber der Einsatz der Hydraulic-Fracturing-Technologie (Fracking).

"Leider ist die Diskussion sehr emotional getrieben", beklagte Seele. So werde es schwer, hier eine reine Sachdiskussion zu führen. Wintershall sei kein "unkritischer Fracking-Fan". Fortschritt müsse Grenzen auch im Umweltschutz finden. Doch Seele ist gegen ein pauschales Verbot. "Wir sind bereit, die Forschung zu beginnen. Doch dafür brauchen wir einen verlässlichen Rahmen."

Die Erdgasbranche befinde sich im Umbruch. Besonders die traditionellen Lieferketten brechen auf. "Die Produzenten verkaufen künftig direkt in die Märkte", erläuterte Seele. Da die USA als Gasimporteur quasi ausfalle, würden Lieferungen von verflüssigtem Erdgas (LNG) nach Asien und Europa umgeleitet und trieben die Spotpreise nach unten. Importgesellschaften mit langfristigen Lieferverträgen gerieten infolge dessen unter Margendruck. "Die Marge wandert zum Bohrloch."

"Wintershall wächst an der Quelle", laute die neue Strategie. Dabei setze man auf Russland, die Nordsee, Nordafrika, Südamerika und den arabischen Raum. Bereits heute zeige der Ausbau der Aktivitäten deutliche Erfolge. Seit dem Jahr 2000 sei die Förderung von Erdöl und Erdgas durch Wintershall von 80 Mio. boe (Barrel Öläquivalent) auf 144 Mio. boe im Jahr 2012 gewachsen. Bis 2015 will Seele die Produktion auf mindestens 160 Mio. boe steigern. Vor allem die Förderung von Öl und Gas in Russland und der nördlichen Nordsee soll noch stärker ausgebaut werden.

Wintershall will an der Quelle wachsen

Im Herbst 2012 machte Wintershall zwei wesentliche Schritte in diese Richtung. Im Oktober tauschte der Konzern Vermögenswerte mit der norwegischen Statoil und erwarb drei produzierende Felder. Im November verkaufte man den Gashandel an den Partner Gazprom und vereinbarte im Gegenzug gemeinsame Öl- und Gasfelderschließungen. Seele schloss Akquisitionen nicht aus. "Wir prüfen generell alle attraktiven Möglichkeiten, die sich im Markt bieten." Darunter befinde sich aktuell auch die DEA, die Öl- und Gasfördertochter von RWE.

Derweil glänzt die Wintershall-Bilanz mit Rekorden. So konnte man 2012 das Ergebnis nach Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter um fast 13 % auf 1,2 Mrd. € steigern. Der Umsatz der BASF-Tochter zog um 39 % auf 16,7 Mrd. € an.

Auch bei der Produktion erzielte Wintershall mit 144 Mio. boe (+27 %) einen neuen Höchstwert in der über 100-jährigen Unternehmensgeschichte. Maßgeblich dazu beigetragen hat neben dem Ausbau der Erdgasproduktion in Russland auch die Ölförderung in Libyen. Seit Mitte Oktober 2011 seien hier die Anlagen wieder in Betrieb.

Ziel für 2013 ist es, Umsatz, Ergebnis und Förderung erneut zu steigern, so Seele. "Unser Ziel ist die Quelle. Wir werden weiter wachsen, organisch und durch gezielte Akquisitionen.

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Von Robert Donnerbauer | Präsentiert von VDI Logo
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