15.04.2013, 13:02 Uhr | 0 |

Pipeline-Großprojekt in Verzug RWE verlässt „Nabucco“ und verkauft seine Anteile

Die geplante Gaspipeline „Nabucco“, die Gas aus Asien nach Europa liefern soll, steht unter keinem guten Stern. Jetzt ist der Energiekonzern RWE aus dem milliardenschweren Großprojekt ausgestiegen und hat seine 17-Prozent-Beteiligung an den österreichischen Konzern OMV verkauft. Im Gespräch ist mittlerweile eine kürzere Variante der Pipeline.

Verteilanlage für Gas
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Voraussichtlich bis 2017 wird es dauern, bis die Nabucco-Pipeline Aserbaidschan mit Österreich verbinden wird. Jetzt ist RWE aus dem Konsortium ausgestiegen.

Foto: Nabucco Konsortium

Den Verkauf seiner Anteile am Nabucco-Projekt hatte RWE schon vor Monaten angekündigt, hatte sich aber mit dem Interessenten OMV aber offenbar lange nicht über den Preis für den 17-Prozent-Anteil einigen können. Angaben zum Verkaufspreis lehnten beide Unternehmen ab.

Für RWE hatte sich das jahrelange Warten auf begrenzte Gaslieferungen in der Zukunft wohl nicht mehr gelohnt, denn der Zeitplan für Nabucco ist mittlerweile deutlich im Verzug. Zudem will der unter dem Atomausstieg leidende Konzern die Kosten für den Bau der Pipeline nicht mehr aufbringen. Nach dem Ausstieg der RWE engagieren sich noch Energieunternehmen aus Österreich, Bulgarien, Ungarn, Rumänien und der Türkei im Nabucco-Projekt, das zunehmend auch durch die Konkurrenz-Pipeline South-Stream des russischen Gas-Konzerns Gazprom unter Druck gerät.

Kostenexplosion und Zeitverzögerung

Bereits seit 2002 laufen die Planungen für Nabucco. Damals trafen sich die Vertreter von Energiekonzernen aus den beteiligten Ländern unter Federführung der Österreichischen Mineralölverwaltung (OMV) in Wien und beschlossen den Bau der fast 4.000 Kilometer langen Leitung. Den Projektnamen lieferte damals Giuseppe Verdis Oper Nabucco, die sich die Teilnehmer des Treffens gemeinsam angeschaut hatten.

Deutschland stieg mit der RWE 2008 in das Projekt ein. Kurz danach unterzeichneten die Regierungsvertreter der beteiligten Staaten ein Abkommen über den Bau der Pipeline und verpflichteten sich, die Durchleitung von Erdgas nicht zu behindern. Zwei Jahre später bestätigte EU-Energiekommissar Günther Oettinger eine Kostenexplosion von 8 auf bis zu 15 Milliarden Euro. Das Nabucco-Konsortium gab außerdem bekannt, dass sich die Fertigstellung um weitere zwei Jahre bis 2017 verzögern werde.

Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen soll verringert werden

Mit der Nabucco-Pipeline will die Europäische Union den Zugang zu neuen Gasreserven in Zentralasien erschließen und gleichzeitig die Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas verringern. Das Gas soll aus einem Feld in Aserbaidschan kommen und unter Umgehung von Russland nach Europa strömen. Ursprünglich sollte die Trasse von der Ostgrenze der Türkei ausgehend Gas bis nach Bulgarien bringen und von dort weiter über den Balkan bis zum Verteilerpunkt Baumgarten nahe Wien führen. Im Gespräch ist mittlerweile aber eine kürzere Variante der Pipeline, genannt Nabucco West. Diese Pipeline läuft lediglich von der bulgarisch-türkischen Grenze bis nach Baumgarten.

Außerdem ist mit Russland weiterhin zu rechnen. Im Dezember gab Präsident Wladimir Putin den Startschuss für den Bau der Gaspipeline South Stream nach Europa. South Stream konkurriert mit Nabucco und soll unter Umgehung der Ukraine Gas nach Bulgarien und von dort in zwei Leitungen bis nach Österreich und Italien bringen.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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