30.09.2013, 15:34 Uhr | 0 |

Kupferdiebstahl Quadrokopter im Einsatz: Deutsche Telekom wehrt sich mit künstlicher DNA

Mit einem ferngesteuerten Hubschrauber demonstrierte die Deutsche Telekom heute in Brandenburg, wie sie in Zukunft verstärkt mit künstlicher DNA ihre Kupferleitungen vor Diebstahl sichern will. Auch die Bahn setzt auf diese forensische Markierungsflüssigkeit, die unter UV-Licht gelbgrün leuchtet.

Telekom sichert Kupferkabel mit künstlicher DNA
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Ein Quadrocopter bestreicht in Brandenburg Telekom-Kabel mit einer künstlicher DNA. Im Kampf gegen den Kupferdiebstahl setzt die Deutsche Telekom zunehmend auf den Einsatz der synthetisch hergestellten Spezialflüssigkeit.

Foto: dpa/Patrick Pleul

2700 Diebstähle mit einer Schadenssumme von 17 Millionen Euro: Das ist die Bilanz in Sachen Kupferdiebstahl bei der Deutschen Telekom aus dem vergangenen Jahr. Deshalb schützt der rosa Riese seine Freileitungen aus Kupfer seit Neuestem mit einer sogenannten künstlichen DNA. Das ist eine synthetisch hergestellt Spezialflüssigkeit, die den Dieb sicher überführen kann, wenn er zum Beispiel versucht, das gestohlene Kupfer zu verkaufen.

Ins Boot geholt hat sich die Telekom die Stahnsdorfer Firma ATG Sitec GmbH, die alles Mögliche aus den Bereichen Ballistik, Forensik, Kriminaltechnik und Polizeibedarf herstellt und vertreibt, unter anderem auch die künstliche DNA zur eindeutigen Identifizierung von Gegenständen.

Auf zwei Wegen den Täter überführen

Die Identifikation mit dem Speziallack geschieht auf zwei Wegen. Der erste Weg führt über die jeweilige Registriernummer der verwendeten Flüssigkeit. Diese ist in einer Datenbank hinterlegt. Der zweite Weg führt über nur 400 Mikrometer kleine Plättchen aus Nickel, die dem unsichtbaren Lack zugegeben werden. In diesen Plättchen ist eine eindeutige Ziffer eingraviert, die nur unter einem Mikroskop ausgelesen werden kann.

Die künstliche DNA ist eine Markierungsflüssigkeit. Bei ihrer Herstellung werden verschiedene Basen so kombiniert, dass ein unverwechselbares Muster entsteht. Auf diese Weise kann das behandelte Kabel und sogar der Dieb, der mit dem Kabel in Berührung kommt, identifiziert werden. Manfred Strifler, Leiter Sicherheits- und Business Continuity Management der Deutschen Telekom, sagt: „Wir begegnen damit gezielt und präventiv Angriffen auf die kupfergebundene Kommunikationsinfrastruktur. Wir setzen darauf, dass der DNA-Einsatz Diebe abhält. Außerdem geben wir den ermittelnden Behörden so die Möglichkeit, aufgefundenes Diebesgut als Eigentum der Deutschen Telekom zu identifizieren.“ Kupferdiebstahl ist lukrativ. Derzeit ist der Kupferkurs wieder auf dem Weg nach oben. Heute sind für eine Tonne des Buntmetalls knapp 4000 Euro zu holen.

Hände und Kleidung leuchten unter UV-Licht gelbgrün

Die transparente Lösung weist eine Besonderheit auf: Sie leuchtet unter der Bestrahlung mit ultraviolettem Licht gelbgrün. Das macht es relativ einfach, einen Dieb zu überführen, dessen Hände und Kleidung zum Teil aufleuchten, wie ein Weihnachtsbaum an Heiligabend. In der Summe der eindeutigen Markierungsmittel – Basenkombination, UV-Licht und Mikroplättchen – ist es möglich, Täter, Tat, Tatort und Eigentümer des Diebesgutes zu verlinken.

Mit Drohnen die Freileitungen eingepinselt

Heute demonstrierte der rosa Riese bildgewaltig den Einsatz der Markierungsflüssigkeit. Bei Kremmen im Landkreis Oberhavel in Brandenburg ließ die Telekom einen ferngesteuerten Hubschrauber aufsteigen, der die Telefon-Freileitungen mit der forensischen Markierungsflüssigkeit großflächig benetzte. Dr. Rüdiger Caspari, Leiter Technische Infrastruktur der Niederlassung Nordost der Telekom, erklärt die Funktionsweise: „Die künstliche DNA durchdringt das Material, so dass selbst beim Verbrennen des Mantels am Kupfer Rückstände der DNA erhalten bleiben. Wir legen also eine Spur, die eindeutig zu uns zurückverfolgt werden kann.“

Es geht dem Telekommunikationsunternehmen vor allem um das abschreckende Moment. Denn für den Dieb ist von außen nicht erkennbar, ob ein Telekom-Kabel mit künstlicher DNA markiert wurde oder nicht. Das gezielte Suchen nach äußerlich erkennbarer Markierung wird so erschwert und das Risiko, markiertes Material zu stehlen, erhöht sich für die Täter drastisch. Ein einziges Molekül reic ht für eine Analyse und somit für den Nachweis der Tat und die Überführung des Täters aus. Der Diebstahl wird somit unattraktiv.

„Schnee, Eis, Regen – kein Problem“

Durch die Entfernung des Kabelmantels besteht zudem für den Täter das Risiko, mit der künstlichen DNA in Berührung zu kommen. Er kann dann mit der Tat, dem Diebesgut oder dem Tatort in Verbindung gebracht werden. Die Umgebung, in der versucht wird, den Kabelmantel zu entfernen, erhält eine eindeutige Markierung: Bekleidung, Auto, Handschuhe, Haut, Schuhe, Werkzeug – eben alles in der Umgebung. Zudem ist der Markierungslack ziemlich hartnäckig: Spuren der künstlichen DNA bleiben trotz intensiven Waschens längerfristig nachweisbar.

Philipp Cachée, Leiter Forensik bei ATG betonte die Langlebigkeit der kundenspezifisch gefertigten forensischen Markierungslösung und wies explizit auf die Wetterbeständigkeit der Paste hin: „Schnee, Eis, Regen – kein Problem.“

Auch die Deutsche Bahn nutzt die künstliche DNA

Metalldiebstahl und speziell Kupferdiebstahl ist ein Delikt, von dem keineswegs die Deutsche Telekom alleine betroffen ist. Im Gegenteil: Die Deutsche Bahn zum Beispiel sichert schon länger ihr Streckennetz mit einer forensischen Markierungsflüssigkeit. Jeder Gleisabschnitt der Bahn ist mit einem anderen Code gesichert. In einer Datenbank ist hinterlegt, welcher Code zu welchem Abschnitt des Streckennetzes gehört. So können sichergestellte Metallteile einzelnen Tatorten zugeordnet werden. Und zwar eindeutig.

Sicherheitspartnerschaft gegründet

Im vergangenen Jahr haben betroffene Unternehmen eine Sicherheitspartnerschaft gegründet. Dieser Allianz gehören neben der Deutschen Telekom, die Deutsche Bahn AG, die RWE AG, der Verband Deutscher Metallhändler (VDM), die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) und Vattenfall Europe Mining AG an. Kernstück der Zusammenarbeit in der Sicherheitspartnerschaft bildet ein neues elektronisches Frühwarnsystem.

Die Mitglieder sammeln gemeinsam Informationen aus Metalldiebstählen und tauschen diese untereinander aus. Zusätzlich werden die im Verband der Deutschen Metallhändler organisierten Unternehmen informiert und so der Absatz des gestohlenen Materials erschwert. Diese Sicherheitspartnerschaft in Kombination mit dem Einsatz der künstlichen DNA dürfte den Kupferdieben das Gaunerhandwerk deutlich erschweren, wenn nicht gar unmöglich machen.

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Von Detlef Stoller
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