15.03.2014, 08:00 Uhr | 0 |

Grenze der Zumutbarkeit Panasonic versöhnt Mitarbeiter in China mit Smogprämie

Um Mitarbeiter mit hoher Luftverschmutzung zu versöhnen, zahlt der Elektronikkonzern Panasonic neuerdings eine Smogprämie. Denn längst weiten sich Smogdecken in chinesischen Großstädten bis in die Wohnviertel aus. Nur chinesische Kollegen gehen leer aus. 

Fahrradfahrer in China mit Atemmaske
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Ein Fahrradfahrer erträgt die Luftverschmutzung nur mit Atemmaske und Skibrille. Ähnlich ergeht es mittlerweile Bürgern in 74 chinesischen Städten, die unter steigender Smogbelastung leiden. Unternehmen wie Panasonic fürchten, dass Mitarbeiter deswegen abwandern. 

Foto: dpa/How Hwee Young

Eine ganze Anzahl westlicher Arbeitgeber hat in China in den letzten Monaten damit begonnen, den eigenen Führungskräften Gehaltszuschläge mit verschiedensten Begründungen zu gewähren – keineswegs aber mit Hinweis auf den Smog. Anders bei Panasonic: Der japanische Elektronikhersteller zahlt nach China entsandten Mitarbeitern neuerdings eine Entschädigung ausdrücklich für das Arbeiten unter erschwerten Bedingungen, die Smog-Prämie genannt wird.

Chinesische Mitarbeiter erhalten keine Prämie 

Die Smog-Prämie kommt allen Mitarbeitern zugute, die aus dem Ausland temporär oder dauerhaft nach China geschickt werden. Sie soll eine Entschädigung dafür sein, dass sie unter hoher Smogeinwirkung leben und arbeiten müssen. Nach Einschätzung von Panasonic ist die smogbedingte Gefahr in China besonders groß für all jene, die an Asthma, Krebs und Herzerkrankungen leiden. Chinesische Arbeiter gehen allerdings leer aus.

Die Ursprünge der Smogentschädigung reichen zurück in das Jahr 2008, als die amerikanische Botschaft in Beijing auf dem Dach des Botschaftsgebäudes eine Anlage zur kontinuierlichen Messung der Luftqualität installierte. Sie registrierte schon damals zeitweilig kritische Schadstoffanteile von 2,5 Milligramm pro Kubikmeter Luft.

In 74 chinesischen Städte steigt Luftverschmutzung drastisch 

Reportagen aus China vermitteln immer wieder den Eindruck, der Smog sei auf Beijing und wenige Industriezentren beschränkt. Doch mittlerweile sprechen offizielle chinesische Veröffentlichungen davon, dass derzeit Menschen in 74 großen Städten temporär mit der starken Luftverschmutzung leben müssen. Nur drei chinesische größere Städte gelten als smogfrei.

Von der hohen Smogbelastung sind in den großen Städten keineswegs nur industrielle Viertel betroffen. Auch in Beijing erstreckt sich die dichte Smogdecke über die wohlhabenderen Wohnviertel, in denen besonders viele ausländische Führungskräfte leben. Im Februar dieses Jahres lag eine solche Decke für eine volle Woche über Beijing.

Das wird für die Arbeitgeber ausländischer Führungskräfte immer mehr zu einem Problem. Denn diese könnten beispielsweise auf Druck der Familie ihre Tätigkeit in China ganz kurzfristig beenden und einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Land mit besseren Luftverhältnissen suchen. 

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Von Peter Odrich
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