30.07.2014, 13:28 Uhr | 0 |

Hoher KOSTENDRUCK Osram baut weltweit weitere 7800 Stellen ab

Das zweite Sparprogramm in kurzer Zeit: Mehr als 16.000 Jobs fallen bei Osram nun insgesamt weg. Das Geschäft mit LED-Lampen wächst zwar gewaltig, aber wegen hoher Produktionskosten sind die Margen gering. Zugleich ist mit dieser Technik neue Konkurrenz in Asien entstanden – und der Markt wird weltweit schrumpfen.

Osram-Zentrale in München
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Osram-Zentrale in München: Die frühere Siemens-Tochter baut weltweit 16.000 Arbeitsplätze ab.

Foto: Osram

Schon vor drei Jahren hat der frühere Siemens-Chef Peter Löscher geahnt, dass auf dem Leuchtmittelmarkt gute Geschäfte nur noch schwer zu machen sind. Im Aufsichtsrat setzte er dann im vergangenen Jahr seinen Plan durch, Osram aus dem Konzern herauszulösen und an die Börse zu bringen. Das Traditionsunternehmen aus München, dessen Name mit der Glühbirne fast so eng verbunden ist wie Tempo mit dem Taschentuch, leidet heute mehr denn je unter dem Verlust dieses klassischen Geschäfts.

Lange vorbei die Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg, als Kartelle deutscher Unternehmen unter Beteiligung von Osram die Glaskolben mit Glühfaden verkaufen und deren Lebensdauer ganz offiziell auf 1000 Betriebsstunden begrenzen durften.

Noch macht Osram Gewinne

Die Folge: Auf der Personalseite wird massiv gespart. Bei Osram, dessen Aktien in diesem Jahr deutlich gefallen sind, fällt der Sparkurs nun besonders radikal aus. Schon dem laufenden Programm fallen 8700 Jobs zum Opfer, davon 1500 in Deutschland. In der zweiten Runde sind es nun weltweit 7800, davon 1700 im Stammland.

Trotz leichten Umsatzrückgangs weist Osram zwar aktuell immer noch Gewinne aus, aber der Vorstand will das Unternehmen, wie es dann so oft heißt, zukunftssicher machen. Und die sieht nach Ansicht von Branchenanalysten nicht rosig aus: Ab 2017 soll der Weltmarkt schrumpfen. Die LEDs halten einfach zu lange. Und sie werden noch immer effizienter, wie eine neue Entwicklung der Universität München zeigt. 

Wachsende Konkurrenz aus Asien

Seit etwa drei Jahren wächst der LED-Anteil in der Branche rasant. Der US-Konzern GE rechnet damit, dass in wenigen Jahren rund zwei Drittel der verkauften Leuchtmittel Dioden sein werden. Die haben wegen ihres bis zu 80 Prozent geringeren Energieverbrauchs und der gegenüber Glühlampen um ein Vielfaches höheren Lebensdauer viele Vorteile – für den Verbraucher, weniger für die Hersteller, die mit Nachteilen kämpfen. Deshalb trifft die Krise nicht nur Osram, sondern auch andere europäischen Branchenführer wie Philips.

Erster Nachteil: Die LEDs basieren auf Halbleitertechnik. Darin haben asiatische Elektronikriesen wie Samsung und LG große Expertise. Sie konnten deshalb schnell auf den Zug aufspringen und mischen wegen ihrer Lohnkostenvorteile nun ganz vorne auf dem Weltmarkt mit. Aber auch ganz neue Wettbewerber wie das US-Unternehmen Cree, das erst 1987 von Forschern der Universität von North Carolina gegründet wurde, sichern sich große Anteile am Kuchen.

Zweiter Nachteil: Die Herstellung der LEDs ist vergleichsweise teuer. Eine einzelne Lampe kostet im Laden mindestens zehn, in der Regel aber zwischen 15 und 25 Euro. Um den Produzenten eine erkleckliche Marge zu bringen, müssten die Preise noch höher liegen, wären aber am Markt wohl kaum noch durchzusetzen. Die Hersteller spüren also den Kostendruck. Weil aber billigere Rohstoffe wie Silizium, das als Chipträger das teure Saphirglas ersetzen könnte, noch nicht anwendungsreif sind, ist das Einsparpotenzial auf der Materialseite gering.

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Von Werner Grosch
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