21.10.2013, 12:46 Uhr | 0 |

Best-Price-Klauseln auf der Kippe Online-Handel: Bundeskartellamt droht Amazon mit Verfügung

Online-Portale wie Amazon und HRS verfolgen eine harte Preispolitik: Mit Best-Price-Klauseln verpflichten sie Unterhändler, bei anderen Portalen höhere Preise anzusetzen. Das Bundeskartellamt sieht darin eine Wettbewerbswidrigkeit und droht den Platzhirschen deshalb mit einer glasklaren Verfügung.

Amazon-Lagerhalle
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Amazon, der größte Online-Händler der Welt, baut mit der Best-Price-Klausel eine Marktbarriere für kleinere Online-Portale. Doch einen Streit mit dem Bundeskartellamt kann sich der US-Konzern nicht leisten. Deswegen verändert er derzeit die AGB.

Foto: Amazon

Für den Verbraucher ist die Situation auf den ersten Blick optimal: Will er im Internet ein Buch kaufen, muss er nicht Preise aus zahlreichen Online-Shops miteinander vergleichen, sondern kann gleich die Abkürzung zum sogenannten Marketplace von Amazon nehmen. Denn hier sind die Anbieter vertraglich verpflichtet, den niedrigsten Preis anzusetzen.

Schön für den Kunden, schön für Amazon, fatal für kleinere Online-Shops. Denn sie sehen sich aus dem Wettbewerb gedrängt. Hoffnung setzen sie jetzt auf das Bundeskartellamt, das derzeit Best-Price-Klauseln großer Internetanbieter unter die Lupe nimmt – unter ihnen nicht nur Amazon, sondern auch Adidas, Asics und das Online-Hotelportal HRS.

„Falls nötig, werden wir eine glasklare Verfügung erlassen“

Seit Februar ermittelt die Kartellbehörde nun schon gegen Amazon, den größten Online-Händler der Welt, der mit zweifelhaften Mitteln seine Rolle des Platzhirsches weiter ausbaut. „Die Bedingungen, zu denen Amazon den sogenannten Marketplace betreibt, haben wettbewerbsbehindernde Wirkung“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, in einem Bericht der Süddeutschen Zeitung. „Es läuft ein Verfahren und wir sind mit Amazon im Gespräch, um diese Wettbewerbsbehinderung zu beseitigen. Falls nötig, werden wir gegen Amazon auch eine glasklare Verfügung erlassen.“

 

Scheinbar trägt diese Kampfansage erste Früchte. Denn Amazon hat an einige Händler bereits Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) ohne Best-Price-Klausel verschickt. „Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für Amazon“, sagt Mundt weiter. „Eine Entscheidung der Kartellbehörde kann man da nicht einfach ignorieren.“ Und tatsächlich: Allein 2012 hat der US-Konzern in Deutschland 6,5 Milliarden Euro umgesetzt.

Der Teufel ist ein Eichhörnchen: Auch ein Verfahren gegen HRS läuft

Dass sich derzeit auch das Online-Hotelportal HRS in einer kritischen Lage befindet, verdankt das Unternehmen einem Zufall, den die Süddeutsche Zeitung skizziert. Demnach war Andreas Mundt mit seiner Familie vor kurzem in einem Hotel am Chiemsee. Und weil es dort so schön war, entschloss er sich kurzerhand, eine weitere Nacht zu buchen. Zu seiner Überraschung war das Zimmer plötzlich fünf Euro teurer. Nichts zu machen, sagte die Rezeption. Denn den niedrigsten Preis könne man nicht direkt vor Ort vergeben, sondern nur über das Online-Hotelportal HRS.

Was das Empfangspersonal wahrscheinlich nicht wusste: Diese Schlüsselszene löste eine riesige Ermittlung aus. Denn Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, setzte zurück in seinem Büro in Bonn eine ganze Abteilung in Bewegung, um auch diese Best-Price-Klausel auf Wettbewerbswidrigkeit zu prüfen: „Das Verfahren gegen HRS läuft.“

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Von Patrick Schroeder
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