12.09.2014, 12:54 Uhr | 0 |

Ende einer Ära Microsoft streicht Markennamen Nokia für Mobilfunkprodukte

Kaum hat Microsoft die Mobilfunksparte von Nokia geschluckt, gibt der Konzern den Namen für seine zukünftigen Mobilfunkprodukte auf. Das Ende einer Ära für eine Firma, die mit Papier und Gummistiefeln groß geworden ist, im Smartphonegeschäft den Anschluss aber verpasst hat. 

Der ehemalige Nokia-CEO Stephen Elop ist mittlerweile Chef der Mobilfunksparte bei Microsoft
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Der ehemalige Nokia-CEO Stephen Elop ist mittlerweile Chef der Mobilfunksparte bei Microsoft. In der Hand hält er das Nokia Lumia 1020. Die Modelle Lumia 830 und Lumia 730 sind die letzten, die unter dem Markennamen Nokia erscheinen. 

Foto: dpa

„Nokia wird als Marke nicht mehr lange für kommende Smarthpones genutzt werden“, sagte schon im April 2014 der ehemalige Nokia-CEO Stephen Elop, der inzwischen die Mobilgerätesparte bei Microsoft leitet. „Wir sind dabei, die künftige Smartphone-Marke zu bestimmen.“ Die auf der gerade beendeten Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin präsentierten Modelle Lumia 830 und Lumia 730 werden somit die letzten Geräte aus Finnland sein, die unter dem Markennamen Nokia erscheinen.

Auch der Markenname für das Betriebssystem Windows Phone soll verschwinden. Künftig wird nur noch das Windows-Logo auf dem Smartphone-Display erscheinen.

Mobilgeräte von Nokia werden künftig unter dem Alleinnamen Lumia vermarktet. Das alles hat Folgen: Bis Ende des Jahres streicht der Softwarekonzern Microsoft weltweit rund 18.000 Stellen, etwa 12.500 davon gehören zur übernommenen Mobilfunksparte von Nokia. Erst Ende April hatte der Microsoft-Konzern aus Redmond in den USA die Übernahme von Nokias Mobilgerätesparte für 5,44 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die einst so stolze Sparte wurde in Microsoft Mobile umbenannt. 

Nokia stellte einst Papierprodukte und Gummistiefel her

Nokia wurde vor fast 150 Jahren, im Jahr 1865, vom Ingenieur Fredrik Idestam in Tampere im Südwesten Finnlands gegründet. Zunächst waren es Papiererzeugnisse, die Nokia herstellte. Später, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, schwenkte Nokia auf Gummi um und produzierte erfolgreich solche Gebrauchsgegenstände wie Gummistiefel. Noch heute findet sich der Name Nokia auf vielen Fahrradreifen.

1967 entstand die Nokia Corporation als Technologieunternehmen durch einen Zusammenschluss mit dem finnischen Kabelnetzbetreiber. 1981 stellte Nokia Autotelefone für das erste Mobilfunknetz Skandinaviens (NMT) her, präsentierte 1987 das erste echte tragbare Mobilfunkgerät für dieses NMT-Netz. Im Jahre 1992 wurde das Global System for Mobile Communications, kurz GSM, als Standard für volldigitale Mobilfunknetze eingeführt.

Damit begann der beispiellose Siegeszug des finnischen Technologiestars: Im November 1992 führte Nokia das Nokia 1011 in den Markt ein. Die Modellbezeichnung bezieht sich auf den Tag der Markeinführung, den 10. November 1992. Dieses erste GSM-Mobiltelefon von Nokia sorgte vor allem deshalb für Furore, weil es mit seinen Abmessungen und seinem Gewicht wesentlich handlicher als das Konkurrenzprodukt Motorola International 3200 war. Dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst firmierte allgemein unter der Bezeichnung Knochen. Ohne Vertrag lag der Verkaufspreis für das Nokia 1011 bei 2300 DM.

13 Jahre unangefochten weltgrößter Mobiltelefonhersteller

Zu diesen Zeiten kam wohl kaum einer an den klugen Finnen vorbei. Von 1998 bis 2011 war Nokia durchgehend der weltgrößte Mobiltelefonhersteller. Unter den meistverkauften Mobiltelefonen aller Zeiten finden sich neun Modelle von Nokia. Ungeschlagen an der Spitze steht bis heute das Nokia 1110. Dieses Modell kam 2005 auf den Markt und wurde weltweit 250 Millionen Mal verkauft.

Zu diesem Zeitpunkt umschwebte Nokia noch der Nimbus des Must-Have. Dann präsentierte im Jahre 2007 Steve Jobs das erste iPhone und krempelte den Markt für das Mobiltelefonieren gründlich um. Innerhalb von eineinhalb Jahren halbierte sich der Nokia-Marktanteil von 40 auf 20 Prozent.

Im ersten Quartal 2012 wurde Nokia von Samsung mit einem geschätzten Marktanteil von 25,4 Prozent endgültig vom Sockel gestoßen, kam selbst nur noch auf 22,5 Prozent. Apple lag da noch bei 9,5 Prozent. Die Wende kam überraschend für Nokia. Der Gewinn betrug im Geschäftsjahr 2010 1,85 Milliarden Euro, nach 891 Milliarden Euro im Jahr 2009. Und dann kam 2011: Da beendeten die erfolgsverwöhnten Finnen das Geschäftsjahr mit einem Verlust nach Steuern von 1,073 Milliarden Euro. Was für ein Absturz.

Folgerichtig gab der erst am 21. September 2010 an die Spitze des Nokia-Konzerns eingestiegene Kanadier und ehemalige Microsoft-Topmanager Stephen Elop im Februar 2011 bekannt, dass Nokia seine Smartphones künftig mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone ausrüsten wird. Bis dahin war die Eigenentwicklung Symbian bei Nokia als Betriebssystem gesetzt.

Nokia setzt jetzt auf Echtzeitinformationen für Verkehrsteilnehmer

Nokia ist ein Unternehmen mit einer beeindruckenden Wandelfähigkeit. Seit 2007 kaufen die Finnen diverse Anbieter von Geodaten und statten seitdem ihre Mobiltelefone mit eingebautem GPS-Empfänger über die Nokia-Maps-Software mit einer kostenlosen Offline-Navigation aus. Kartendienste und Verkehrs-Echtzeitinformationen sollen die Zukunft für Nokia werden.

Der Navigations- und Kartendienst Here ist inzwischen für 196 Länder auf der Erde abrufbar. Weltweit nutzen eine Milliarde mobile Geräte – also Smartphones oder Tablet-PCs und Navigationssysteme für Fahrzeuge – Kartendienste von Nokia. 

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Von Detlef Stoller
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