03.09.2013, 15:18 Uhr | 0 |

Vorbild Apple Microsoft kauft die Handysparte von Nokia

Für knapp 5,5 Milliarden Euro übernimmt Microsoft das Handy- und Dienste-Geschäft sowie Patente und Lizenzen von Nokia. Der bisherige Nokia-Chef Stephen Elop, der erst 2010 von Microsoft kam, kehrt zu seinem früheren Arbeitgeber zurück.

„Es ist ein kühner Schritt in die Zukunft – eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer, Aktionäre und Kunden“, verkündete Microsoft-Chef Steve Ballmer nach dem Riesendeal. Nokia bringe neben seiner Innovationsstärke auch großes Talent beim Design der Telefon-Hardware sowie beim Marketing und Vertrieb mit, sagte Ballmer. 

Von Nokia bleibt in Finnland als Rumpfunternehmen übrig

Für einen Kaufpreis von 3,79 Milliarden Euro geht das Handy- und Dienstleistungsgeschäft über die Ladentheke, hinzu kommen weitere 1,65 Milliarden Euro für Patente und andere Lizenzen. Rund 32 000 Nokia-Beschäftigte werden von Microsoft übernommen. Dazu gehört auch Stephen Elop, der vor drei Jahren von Microsoft zu Nokia gewechselt war. Nun wird Elop als Nachfolger von Steve Ballmer, der bereits seinen Rückzug angekündigt hat, gehandelt. Ungewiss bleibt zunächst, wie viele der Nokia-Mitarbeiter direkt im Microsoft-Headquarter in Redmond bei Seattle unterkommen werden.

In Finnland selbst bleibt nach dem Teilverkauf, der im ersten Quartal 2014 abgeschlossen sein soll, nur noch ein Rumpfunternehmen zurück. Geschätzt wird, dass der einstige Marktführer bei den Mobiltelefonen rund die Hälfte seines Umsatzes einbüßen wird. Behalten werden die Finnen die erst im August von Siemens zurückgekaufte Nokia Solutions and Networks (NSN) und die Landkartensparte Here, allerdings ohne Apps, und die Abteilung für Advanced Technologies. Nokia will künftig die Entwicklung der Kartendienste und das Netzwerk-Geschäft vorantreiben.

Die genauen Vereinbarungen beider Unternehmen, wer welche Namen, Patente, Lizenzen und Marken benutzen darf, sind einigermaßen komplex ausgefallen. Zum Teil behält Nokia die eigenen Patente, gibt aber 8 500 Gebrauchsmuster an Microsoft ab sowie ebenfalls Lizenzen an den Patenten Dritter, etwa Qualcomm und IBM. Auch seine eigene Marke darf Nokia weiter behalten, allerdings darf Microsoft nun die aktuellen Modelle ebenfalls unter der Marke Nokia verkaufen. Bis Ende 2015 darf Nokia seinen eigenen Namen nicht für mobile Geräte verwenden.

Verbindung von Hardware, Software und Dienste in einer Hand

Schon früher war über einen Kauf von Nokia durch den Software-Riesen spekuliert worden. Nokia hatte 2011 Windows als einziges Smartphone-Betriebssystem eingeführt. Nun soll die strategische Partnerschaft nach dem Vorbild des erfolgreichen Konkurrenten Apple in die nächste Phase gehen: Die Zeichen der Zeit fordern eine Verbindung von Hardware, Software und Diensten in einer Hand.

Ob Microsoft mit seinen neu erworbenen Fähigkeiten den Markt mehr als bisher wird mitbestimmen können, wird allgemein zurückhaltend bewertet. Zwar hat das Unternehmen noch immer einen großen Trumpf, das Windows-Betriebssystem, in der Hand. Aber der Markt für Computer schrumpft, während die Verkäufe bei Smartphones und Tablets steigen. Dort geben Apple, Samsung und Google den Ton an und rüsten teilweise auf.

Apple hat eine Smartwatch im Ärmel, Google bringt nächstes Jahr die Datenbrille Glass heraus. Das von Microsoft selbst entwickelte Smartphone-Betriebssystem „Windows Phone“ wurde zwar von Kritikern gelobt, konnte seinen Marktanteil aber nicht ausbauen und liegt abgeschlagen hinter Apples iOS und dem populären Android-Betriebssystem.

Auf der Haben-Seite stehen nun aber auch die Stärken von Nokia, beispielsweise das Smartphone Lumia 1020 mit seiner hochauflösenden 41-Megapixel-Kamera. Wenn Microsoft die Stärken seines Betriebssystems Windows Phone 8 mit den Vorzügen der Nokia-Hardware zusammenbringen kann, könnte das nächste Smartphone von Microsoft der Trumpf in der nächsten Pokerrunde werden.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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