09.12.2014, 15:33 Uhr | 0 |

Wegen mangelnder Feinmotorik Menschen ersetzen Roboter in der iPhone 6-Fertigung

Sie arbeiten sauber und leise 24 Stunden am Tag – aber nicht präzise genug: Die 10.000 Roboter, die der chinesische Apple-Zulieferer Foxconn einsetzen wollte, um das iPhone 6 zu fertigen, genügen offenbar nicht den technischen Anforderungen. Stattdessen heuert Foxconn in China Hunderttausende von Arbeitern an, um das iPhone 6 bauen zu können.

Roboter auf dem Vormarsch
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Roboter erobern zunehmend die Arbeitswelt (hier auf der Messe Automatica in München). Foxconn-Chef Terry Gou hat sich allerdings verkalkuliert. Den für die Montage des iPhone 6 gedachten Robotern mangelt es noch an der nötigen Feinmotorik für die Arbeit an dem Hightech-Gerät.

Foto: Peter Kneffel/dpa

In China fertigt das Unternehmen Foxconn als Zulieferer Hightech-Produkte für Firmen wie Apple, Hewlett-Packard, Dell. Noch im Juni hatte Unternehmenschef Terry Gou auf der Hauptversammlung des taiwanesischen Mutterkonzerns Hon Hai Precision Industry angekündigt, Fertigungsroboter, Foxbots genannt, würden die nächste Generation von iPhones montieren. Die letzte Testphase sei abgeschlossen und man werde zunächst 10.000 Foxbots zu einem Stückpreis von 20.000 bis 25.000 Dollar anschaffen. Nun berichtet jedoch das chinesische Newsmagazin Jiemian, der Roboterarm des Foxbots arbeite nicht präzise genug für die Herstellung eines iPhones.

Roboterarm kann nicht millimetergenau montieren

Seine Fertigungsgenauigkeit liege bei 0,05 Millimeter, während die Fertigung eines iPhones nur 0,02 Millimeter toleriere. Außerdem fehle dem Roboterarm bei der Montage des iPhones die nötige Flexibilität einer menschlichen Fünf-Finger-Hand. Die Entwicklung einer Flinke-Finger-Technologie werde noch ein bis zwei Jahre dauern, erklärte Professor Zexiang Li von der Hong Kong University of Science and Technology gegenüber Jiemian. Die Foxbots stammten aus der Automobilindustrie und seien für den Einsatz in der so genannten 3C-Industrie (Computers, Consumer Electronics & Communications) noch nicht bereit.

Vollautomatische Fertigung mit „Millionen Robotern“

Wie das Magazin weiter berichtet rekrutiere Foxconn seit Juni 2014 „Hunderttausende“ von Arbeitern für die Fabriken in der chinesischen Stadt Shenzhen und der Provinz Henan, um die iPhone 6 Produktion stemmen zu können. Sollten die Roboter irgendwann kommen, wären all diese Menschen arbeitslos. Foxconn war wegen schlechter Arbeitsbedingungen wie lange Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und strenge Disziplin mehrfach in die Negativ-Schlagzeilen geraten.

ARCHIV - EPA Foxconn-Mitarbeiter sitzen am 26.05.2012 an der Produktionslinie des Werkes Lunghua in Shenzhen. Die Lohnerhöhungen des Elektronikherstellers Foxconn in China haben nach Beteuerungen des Unternehmens nichts mit der laufenden Untersuchung seiner Arbeitsbedingungen zu tun. Der Sprecher des taiwanesischen Herstellers, Simon Hsing, sagte, die Zuwächse des Grundlohnes um 16 bis 25 Prozent in den Fabriken in China seien bereits vorher beschlossen worden. Foxconn ist der weltgrößte Produzent für Elektronikgeräte. Wegen seiner Arbeitsbedingungen, langen Schichten, geringen Bezahlung, zwei Unfällen und einer Serie von Selbstmorden von Mitarbeitern war das Unternehmen in die Kritik geraten. EPA/YM YIK (zu dpa "Foxconn: Lohnzuwachs keine Reaktion auf Ermittlungen in Fabriken" vom 21.02.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Foxconn-Mitarbeiter am Band: Lieber wäre es Unternehmenschef Terry Gou, wenn Roboter deren Arbeit übernehmen würden. Bei der Fertigung des iPhone 6 muss Gou jetzt passen. Den Maschinen fehlt noch das Fingerspitzengefühl für die Feinarbeiten. Nun werden doch Hunderttausende Menschen für die Produktion des Apple-Gerätes benötigt. 

Foto: Ym Yik/dpa

Im Jahr 2010 hatten sich mehrere Angestellte das Leben genommen. Für China ist der Zulieferer mit seiner Millionenbelegschaft ein wichtiger Arbeitgeber. Im Jahr 2011 hatte Unternehmenschef Terry Gou sein „Millionen Roboter“ genanntes Programm verkündet: Schrittweise werde man die Fertigung von Hightech-Geräten durch Roboter einführen und damit dem Problem der in China steigenden Arbeitskosten begegnen. Gous Vision zufolge sollten im Jahr 2014 bereits eine Million Roboter und die erste vollautomatische Fertigungsanlage im Einsatz sein.

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Von Susanne Neumann
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