07.05.2013, 09:00 Uhr | 0 |

Tarifrunde Volkswagen Meine: "IG Metall erwartet von VW besseres Angebot als in der Fläche"

Die IG Metall bleibt bei ihrer Lohnforderung von 5,5 % bei Volkswagen, obwohl das erste Quartal für das Unternehmen nicht berauschend war, sagt IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine. Die dauerhafte Lohnerhöhung soll aber nicht höher ausfallen als bei anderen Autoherstellern. Meine setzt bei VW auf Bonus-Zahlungen.

Der Chef der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, Hartmut Meine
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Hartmut Meine, Chef der IG Metall in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, fordert von VW eine Lohnerhöhung um 5,5 Prozent. Dass der Konzern bei der ersten Gesprächsrunde am 6. Mai kein Angebot vorgelegt hat, enttäuscht Meine.

Foto: IG Metall Niedersachsen

VDI nachrichten: Im Öffentlichen Dienst werden die Löhne um 5,6 % erhöht. Die IG Metall fordert für Volkswagen 5,5 % mehr Entgelt – so viel wie für den Flächentarifvertrag der Metallindustrie. Sind Sie bescheiden geworden?

Meine: Nein, überhaupt nicht. Die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst erhalten die Entgelterhöhung für zwei Jahre. Wir fordern 5,5 % für zwölf Monate. Im Volkswagen-Konzern gibt es die sechs Standorte im Westen, die unter den Haustarif fallen, es gibt die Werke von Audi, Porsche und MAN in Bayern und Baden-Württemberg, VW Sachsen und VW Osnabrück, die alle unter den jeweiligen Flächentarifvertrag fallen. Niemand würde verstehen, wenn wir bei Porsche oder Audi weniger zahlen würden als bei VW. Da es VW gut geht, gibt es zusätzlich einen Jahresbonus in Höhe von 10 % des operativen Ergebnisses der Marke Volkswagen. Dieser Bonus ist tarifvertraglich gesichert.

Wie setzt sich die Forderung zusammen?

Wir argumentieren bei Volkswagen und beim Flächentarifvertrag immer gesamtwirtschaftlich. Dabei gehen wir von einer Produktivitätssteigerung von 2 % aus, einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 %, dann beziehen wir noch eine Umverteilungskomponente von 2 % ein. Damit soll langfristig der Anteil der Löhne gegenüber den Gewinneinkommen steigen.

Warum legen Sie nicht den Produktivitätsanstieg von VW zugrunde? Der dürfte deutlich höher sein als der gesamtwirtschaftliche und würde das Unternehmen auch nicht belasten, weil eine solche Entgelterhöhung verteilungsneutral wäre.

Die IG Metall als größte Gewerkschaft in Deutschland sieht die Entgeltentwicklung vor allem gesamtwirtschaftlich. Würden wir das Produktivitätswachstum einzelner Branchen oder gar einzelner Unternehmen zum Maßstab machen, müssten wir in Unternehmen mit niedrigerer Produktivität auch niedrigere Forderungen stellen. Und in einem Betrieb, der in schweres Wasser geraten ist, könnte man überhaupt keine Forderung stellen. Daher orientiert sich die IG Metall an gesamtwirtschaftlichen Größen. Das ist auch unter dem Prinzip der gewerkschaftlichen Solidarität vernünftig.

Jeder VW-Mitarbeiter hat für 2012 einen Bonus von 7500 € erhalten. Das macht die Entgelterhöhung zum Teil von der Ertragslage abhängig. Dagegen haben sich die Metaller lange gewehrt. Wieso haben sie jetzt damit kein Problem mehr?

Es ist eine Sonderzahlung, die einmalig ist und nicht auf Dauer wirkt. Die dauerhafte Erhöhung soll bei VW genauso hoch sein wie bei Porsche, Audi, Daimler oder BMW. Im Unterschied zu diesen Unternehmen ist bei VW der Bonus tarifvertraglich geregelt, zudem hat es der Betriebsrat in den vergangenen Jahren auch geschafft, beim Bonus noch ein Stück draufzulegen.

Der Bonus ist ein Festbetrag. Geringverdiener profitieren anteilig mehr als Gutverdiener. Ist das gerecht?

Bei Volkswagen haben alle im Rahmen ihrer Aufgaben zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Das soll durch den Bonus zum Ausdruck kommen, der dadurch eine soziale Komponente bekommt. Bei prozentualen Erhöhungen sind die absoluten Beträge in den oberen Entgeltgruppen, in denen z. B. Ingenieure angesiedelt sind, entsprechend höher.

Halten Sie es für gerecht, dass eine große Zahl von VW-Beschäftigten nicht nach dem Haustarif bezahlt wird?

Das wird von den Beschäftigten in allen VW-Werken akzeptiert. Volkswagen hat immer noch die besten Tarifverträge. Zudem wurde vor einigen Jahren das Niveau des Haustarifs bei VW an den Flächentarif der Metall- und Elektroindustrie angenähert. Materiell liegt er nur geringfügig oberhalb der Fläche. Darüber gab es 2004 und 2006 bei VW harte Konflikte.

Der VW-Haustarif enthält zudem eine Reihe qualitativer Regelungen, die über den Flächentarif der Metallindustrie hinausgehen. Zum Beispiel den Tarifvertrag für das duale Studium, dem sich die Arbeitgeber im Flächentarif aus ideologischen Gründen verweigern.

VW-Chef Martin Winterkorn sagte in der vergangenen Woche auf der Hauptversammlung, dass die nächsten Monate alles andere als leicht würden. Beeinflusst das die Forderung der IG Metall?

Nein. Wir nehmen aber schon zur Kenntnis, dass bei Volkswagen und bei anderen Herstellern das erste Quartal nicht berauschend war. Ich bin allerdings positiv überrascht, dass der Vorstand auf der Hauptversammlung die Ziele für das gesamte Jahr 2013 bekräftigt hat. Daher bleibt die IG Metall auch bei ihrer Forderung.

Wenn es schlechter laufen sollte, würde allenfalls der Bonus nicht so hoch ausfallen?

Das könnte passieren, weil der Bonus an eine Formel gekoppelt ist, die sich am operativen Ergebnis der Marke orientiert.

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Von Hartmut Steiger | Präsentiert von VDI Logo
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