24.07.2013, 09:44 Uhr | 0 |

Nur noch drei Netzbetreiber Megafusion von O2 und E-Plus

O2 und E-Plus wollen jetzt tatsächlich fusionieren. Die beiden Mobilfunkanbieter sind sich über die Bedingungen für einen Zusammenschluss einig geworden. Das wurde gestern bekannt. Das neue Unternehmen wird dann Nummer eins auf dem deutschen Markt werden und den derzeitigen Marktführer Deutsche Telekom verdrängen. Die Monopolbehörden prüfen die Fusion kritisch. 

O2/E-Plus wird nach Kundenanzahl Nummer 1 in Deutschland.
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O2/E-Plus wird nach Kundenanzahl Nummer 1 in Deutschland.

Foto: Bundesnetzagentur, Statista

Der Megadeal zwischen dem Mutterkonzern von O2, Telefónica Deutschland, und dem Anbieter E-Plus des niederländischen KPN-Konzerns ist schon seit einigen Jahren in der Vorbereitung. Vor einem Jahr scheiterte er in letzter Minute. Nun haben sich die beiden Netzbetreiber über die Konditionen verständigt und kündigten am Dienstag ihre Fusion an. Bis es schließlich soweit war, musste  Telefónica O2 seine Schulden abbauen und brachte aus diesem Anlass einen Teil des Deutschlandgeschäfts an die Börse. Auch über den Wert der Funkfrequenzen wurde lange verhandelt. Die Fusion lässt sich Telefónica Deutschland fünf Milliarden Euro und ein Aktienpaket kosten.

O2 und E-Plus stoßen Marktführer Deutsche Telekom vom Thron

Für den derzeitigen Marktführer Deutsche Telekom wäre die Fusion ein harter Schlag. O2 und E-Plus haben gemeinsam etwa 40 Millionen Kunden, das Mobilfunkunternehmen der Deutschen Telekom, die Konzerntochter T-Mobile kommt auf 37 Millionen Kunden. Damit rutscht T-Mobile in Deutschland  auf den zweiten Platz. Vodafone käme auf Platz drei (Grafik Statista).

Die Monopolkommission sieht den angekündigten Deal jedoch kritisch. Möglicherweise reicht die EU-Kommission nach der Prüfung diesen Fall weiter an das Bundeskartellamt. Mit dem Zusammenschluss würden beide Firmen mehr als ein Drittel des Marktanteils besitzen, was als Marktbeherrschung gesehen wird. Mit dem Zusammenschluss von O2 und E-Plus würde die Zahl der Netzbetreiber in Deutschland von vier auf drei sinken. Normalerweise achten die Kartellbehörden darauf, dass vier Wettbewerber auf dem Markt sind. Daher werden im Fall der Fusion entsprechende Auflagen erwartet. „In einem Markt mit drei statt vier Anbietern wird der Druck auf die Preise geringer", sagt Telekommunikations-Experte Torsten Gerpott, Professor an der Universität Duisburg-Essen. So könnten die Tarife künftig weniger schnell fallen, was für die Kunden ein Nachteil wäre. Eine Kombination aus besseren Netzen und niedrigeren Preisen wird es für die Kunden nicht geben.

E-Plus und O2 hätten alleine keine Zukunft auf dem Markt

Für O2 und E-Plus aber wäre die Fusion langfristig gesehen die Rettung. Alleine würden beide Firmen mit ihrer kleinen Größe nicht mehr lange auf dem Markt existieren können. Die Kosten für die Investition in Netze und Lizenzen steigen an und die Umsätze fallen bedingt durch Preisverfall und Gratisanbieter wie WhatsApp. Neue Märkte entstehen nicht mehr. Zudem sind die Netze von O2 und E-Plus weitaus schwächer in ihrer Leistung als die der Konkurrenten. E-Plus ging bei der jüngsten Auktion der 800-Megahertz-Frequenzen sogar leer aus und gilt als Klassenletzter. Bei der Auktion war wichtig, dass die Frequenzen besonders für den großflächigen Ausbau des Mobilfunknetzes LTE (Long Term Evolution) geeignet sind.

Die beiden Unternehmen wollen mit ihrem Zusammenschluss bis zum Jahr 2019 Einsparungen von 5,5 Milliarden Euro schaffen. Jährlich sollen 800 Millionen eingespart werden. 2012 konnte das gemeinsame Geschäft der beiden Netzbetreiber einen Umsatz von 8,6 Milliarden Euro schaffen. „Wir müssen zwei sehr große und komplizierte Geschäfte zusammenbringen – das wird dauern", sagte die Finanzchefin von Telefónica Deutschland, Rachel Empey. Ohne Personaleinsparungen wird es wohl künftig kaum gehen. Und nur gemeinsam können die beiden Netzanbieter überleben. Bis es aber soweit ist, kann es noch etwa zwei Jahre dauern. Zunächst muss die Übernahme noch von den Wettbewerbsbehörden genehmigt werden und die Aktionäre beider Unternehmen müssen noch zustimmen. Die Transaktion soll bis Mitte 2014 abgeschlossen sein. Dann werden Netze und Organisationen zusammengelegt. Mit der Zusammenlegung der Technik könnte sich auch die Netzqualität verbessern.

Die finanziellen Modalitäten sind geklärt: KPN verkauft seine Tochter E-Plus für fünf Milliarden Euro Bargeld an Telefónica. Außerdem wird KPN künftig 17,6 Prozent der Aktien am Deutschland-Geschäft der spanischen Telefónica halten. „Diese Transaktion ist ein klares Bekenntnis zum deutschen Markt”, erklärt Eva Castillo, Aufsichtsratvorsitzende der Telefónica Deutschland Holding AG und Chefin von Telefónica Europe.

Ob E-Plus und O2 nach der Fusion einen gemeinsamen Firmennamen tragen werden ist noch unbekannt.

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Von Petra Funk
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